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Vortrag

25.03.2015

War Bayern schuld an der Zerstörung des Alten Reichs?

Die bayerischen Kroninsignien von 1806 aus der Schatzkammer der Münchner Residenz.
Bild: Franz Friedl

Professor Ferdinand Kramer spricht über die Erhebung Bayerns zum Königreich und warum damals gar nicht groß gefeiert wurde

Vor gut 200 Jahren wurde Bayern Königreich. Darüber sprach Professor Ferdinand Kramer vor rund 80 Zuhörern im Kreisgut in Aichach. Eingeladen hatten der Heimatverein, das Stadtmuseum und die Volkshochschule.

Der Referent ging auf Vorwürfe nichtbayerischer Historiker ein, Bayern habe damit Schuld an der Zerstörung des Alten Reiches, die Krone stamme von Napoleons Gnaden und die Unabhängigkeit Bayerns habe einen deutschen Nationalstaat für die Zukunft verhindert. Diese Diskussion reichte bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs.

Auf der anderen Seite argumentierten vor allem bayerische Historiker, das Alte Reich sei 1806 sowieso am Ende gewesen und Bayern habe nach 1806 das glücklichste Jahrhundert seiner Geschichte erlebt.

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Im Folgenden ging Kramer auf die Umstände der Erhebung zum Königreich und die Motive der Agierenden ein. Im Frieden von Teschen 1779 erkannten die europäischen Großmächte die Vereinigung des Kurfürstentums und der Pfalz an. Damit begann die Entwicklung des modernen Bayern, das in der Zeit Napoleons eine enorme Expansion erlebte. Dieses Territorium zu erhalten und zu vergrößern, war das Ziel der führenden bayerischen Politiker, vor allem des Ministerpräsidenten Maximilian von Montgelas.

Bayern war lange Zeit in seiner Existenz bedroht

Auf der anderen Seite war Bayern durch seine geopolitische Lage, seine militärische Schwäche und die latenten Tauschabsichten des Kurfürsten Karl Theodor bis zu dessen Tod 1799 in seiner Existenz massiv bedroht. Ein Überleben war nur als Bündnispartner einer Großmacht und durch ständiges Lavieren zwischen Frankreich und Österreich möglich. Den Ausschlag für den Wechsel auf die französische Seite nach dem Frieden von Luneville 1801 gaben nach Meinung Kramers die Möglichkeiten zur Gebietserweiterung durch Säkularisation und Mediatisierung, die Beendigung der Annektionsabsichten Österreichs durch die militärische Stärke Napoleons und die Aussicht auf staatliche Souveränität, ein Ziel Montgelas’.

Die militärischen Erfolge Napoleons 1805 mit dem Sieg über Österreich am 2.12. bei Austerlitz führten zum Vertrag von Brünn, in dem die Erhebung Bayerns zum Königreich festgelegt wurde.

An der Königsproklamation am 1. Januar 1806 waren nur neun Personen beteiligt. Ein Hinweis auf die Mitwirkung Napoleons fehlte. Die Throninsignien wurden später in Paris angefertigt, ein kirchlicher Akt fehlte, die Krönung wurde nie vollzogen. Man war also auf Zurückhaltung bedacht. Die eigentliche Feier war die Eheschließung zwischen Napoleons Schwiegersohn Eugene de Beauharnais und Auguste Amalie, der Tochter des neuen Königs, am 14. Januar 1806. An der Hochzeitsfeier durften auch der Aichacher Patriot Lorenz Alois Gerhauser und drei Bauern aus Oberwittelsbach teilnehmen. So war aus dem Kurfürstentum Bayern-Pfalz das Königreich Bayern geworden.

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