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Pöttmes-handzell

03.10.2019

Warum Deutschlands Rutenbauer auf Handzell blicken

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Fingerspitzengefühl und Feinmotorik ist gefragt beim Rutenbau. Stefan Weinmayer trennt hier den Faden mit einer Rasierklinge. Bereits zum fünften Mal nahm Nina Steidle aus Gersthofen an den Meisterschaften teil. Auch diesmalwar sie die einzige Dame.

Zehn Wettstreiter nehmen bei den Titelkämpfen teil. Das ist alles geboten beim ungewöhnlichen Wettstreit.

Zum Nabel des bundesdeutschen Rutenbaues wurde einmal mehr der Pöttmeser Ortsteil Handzell. Grund dafür war die neunte Auflage der Deutschen Meisterschaft im Rutenbau, zu der nicht nur Teilnehmer, sondern auch Gäste und interessiertes Fachpublikum anreiste.

Alle Parkplätze vor dem Haus belegt und Hochbetrieb in der früheren Gaststätte „Ins Schlupfloch“ – so zeigte sich die Handzeller Rutenbau-Lehrwerkstatt von Melanie Kiebist. Dort fanden sich nicht nur die Starter zur Deutschen Meisterschaft ein, sondern auch Fachpublikum, das sich gerne beraten ließ und Anregungen mit nach Hause nahm.

Für die zehn Qualifikanten – neun Herren und eine Dame – begann der Arbeitstag um 8 Uhr mit dem Aussuchen des gewünschten Materials. Erst elf Stunden später war „Feierabend“ und Arbeitsschluss – ob fertig oder nicht. Es galt also, sich die Zeit sorgsam einzuteilen. Gut beraten war, wer schon im Vorfeld wusste, wie seine Arbeit am Ende aussehen sollte. Es hätte auch zu viel Zeit gekostet, sich erst am Wettkampftag darüber Gedanken zu machen – angesichts einer Auswahl von etwa 400 Blanks, Rutenrohlingen aus Kohlefaser oder Glasfaser, 280 Rollenhaltern, unzähligen Ringen, vielen zur Verfügung stehenden Garnfarben und den sich daraus ergebenden unendlichen Kombinationsmöglichkeiten.

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Rutenbau-Meisterschaften: Von der Rute bis zum Köder wird alles selbst gemacht

So ging es frisch ans Werk: Lackieren, Kleben, Drehen (eine Drehbank stand zur Verfügung), Wickeln und Ausformen des Griffstücks. Ihre Pausen nutzten die Teilnehmer, um ihren Mitstreitern über die Schulter und vielleicht den ein oder anderen Dreh abzuschauen. Dieses gegenseitige Lernen sei durchaus gewollt, so Veranstalterin Melanie Kiebist, schließlich kenne man sich und sei so etwas wie eine große Familie.

Ihr Ehemann Sebastian nahm heuer bewusst nicht an dem Wettbewerb teil. Dreimal in Folge hatte er ihn in den Vorjahren gewonnen. Er half stattdessen bei der Organisation und mischte sich auch mal unter die vielen Zaungäste. Für sie gab es reichlich Tipps und Tricks.

Während der Angelsportverein Steckerlfisch anbot und beim Flohmarkt ein Schnäppchen zu machen war, zeigte drinnen Jang Quintus aus Luxemburg, wie man Fliegenköder herstellt. Dazu sind ebenso viel Fingerspitzengefühl und Feinmotorik erforderlich wie beim Rutenbau.

Eine andere Art von Köder sind Gummifische. Wie diese gegossen werden, führte Karl Bartsch vor. Wessen Rute am Ende das Rennen machte, gab die Jury am nächsten Vormittag bekannt. Christian Knackfuß vom Berliner Rutenbaushop24, Daniel Schild, Vorsitzender des Lechfischereivereins Augsburg, und Axel Falkenauer, die gute Seele des Rutenbauforums, erkoren die Rute von Stefan Micheler aus Günzburg zur besten Arbeit. Auf den weiteren Plätzen folgten Sascha Collet und Reinhard „Sepp“ Augustin.

In der von ihrem Vater Karl Bartsch gegründeten Lehrwerkstatt für Rutenbau gibt Melanie Kiebist Kurse für alle, die sich kein Angelgerät von der Stange kaufen wollen, sondern sich ihr eigenes Werkzeug zusammenstellen möchten. Für Gruppen ab zehn Personen werden die Kurse vor Ort angeboten. In Handzell und in ihrem Internetshop bietet sie eine Bandbreite von der ultraleichten Rute mit nur 47 Gramm bis hin zur 3,90-Meter-Rute an, wie sie beim Karpfenfischen verwendet wird. (ww)

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