1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Warum Emanzipation nicht von einem Stück Stoff abhängt

Gleichberechtigung

15.03.2017

Warum Emanzipation nicht von einem Stück Stoff abhängt

Autorin Sineb El Masrar (rechts) im Gespräch mit Moderatorin Ellen Diehl vom Bayernforum der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Bild: Heike John

Die Autorin Sineb El Masrar berichtet in Aichach über falsche Klischees und echte Probleme im Islam. Vier überzeugte Kopftuchträgerinnen im Publikum.

Es gibt viele Musliminnen, die ihren Glauben intensiv leben und sich dennoch für Gleichberechtigung und Selbstbestimmtheit einsetzen. In Deutschland fehle ihnen jedoch größtenteils noch der Mut dazu. Dieser Überzeugung ist Sineb al Masrar, die anlässlich des Internationalen Frauentags zu einer Lesung ins Landratsamt eingeladen war. Mit ihrer Veröffentlichung „Emanzipation im Islam – Eine Abrechnung mit ihren Feinden“ wurde die Autorin mit marokkanischen Wurzeln zur gefragten Gesprächspartnerin in Diskussionsforen.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Auch in Aichach war das Interesse groß, das Buch der 35-jährigen gebürtigen Hannoveranerin und ihre Sichtweise auf den Islam und die Emanzipation der Muslimas kennenzulernen. Eingeladen hatte die Gleichstellungsbeauftragte Beate Oswald-Huber zusammen mit Marina Lovric von der Freiwilligenagentur mitanand & füranand im Wittelsbacher Land. Nicht nur zahlreiche Ehrenamtliche aus der Flüchtlings- und Integrationsarbeit waren gekommen, sondern auch viele an einem friedlichen Miteinander der Religionen Interessierte.

Die Autorin las zunächst aus einem Kapitel mit dem Titel „Die männliche Arroganz“, in dem sie das Patriarchat unter die Lupe nahm. „Es wäre zum Brüllen komisch, würden diese Thesen zum schwachen Geschlecht nicht bis heute weltweit Anhänger finden“, kommentiert sie ihre Beispiele, die sich keineswegs nur auf den Islam beziehen. Bestätigendes Nicken gab es dazu vor allem aus der Ecke des Frauenforums Aichach-Friedberg.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Dann machte die Autorin in ihrer Lesung einen Sprung in die Entstehungsgeschichte des Islam. „Was lässt muslimische Frauen eigentlich am Islam festhalten?“, war eine der Fragen, mit der sich Sineb el Masrar in ihrer gut dreijährigen Recherche für das Buch auseinandersetzte. Man kann sich wohlfühlen mit der Religion Islam, lautet ihr Resümee.

Die Autorin erhielt ihren Vornamen nach der Tochter des Propheten und sie ermunterte ihre Glaubensschwestern, nachzulesen, wie viele Frauen eine aktive Rolle im Islam spielten. Es erfordere natürlich sehr viel Mut, sich innerhalb einer Gemeinde oder Familie mit reaktionären Strukturen auseinanderzusetzen.

In Deutschland stecke der islamische Feminismus, der sogenannt Gender Dschihad, im Unterschied zu vielen anderen Ländern noch sehr in den Kinderschuhen. Jedoch dürfe einer Kopftuchträgerin nicht unterstellt werden, dass sie nicht kritisch denken könne. „Eine emanzipierte Frau macht mehr aus als ein Stück Stoff“, betonte Sineb al Masrar. Umgekehrt könne ja auch eine leicht bekleidete Frau auf der Straße durchaus etwas im Kopf haben.

Hier stimmten vier jungen Musliminnen aus einer Aichacher Gemeinde zu, die ansonsten während der Lesung mehrmals den Kopf schüttelten. Ellen Diehl vom veranstaltenden Bayernforum der Friedrich-Ebert-Gesellschaft moderierte die Diskussionsrunde, in der sehr lebensnahe Fragen im Miteinander der Religionen aufkamen.

Warum dürfen viele muslimische Mädchen nicht am Schwimmunterricht in der Schule teilnehmen und warum legen sie nicht ihr Kopftuch ab? Hierzu gaben auch die vier überzeugten Kopftuchträgerinnen im Publikum Antwort. Sie fühlten sich nicht von ihrer Religion unterdrückt, sondern eher von der dies einfordernden Gesellschaft, so gaben sie auch in kleineren Gesprächsrunde Auskunft.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren