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Eleonore-Beck-Stiftung

17.07.2019

Warum Geld aus Aichach in der Serengeti hilft

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Ein Elefant in der Serengeti im Norden Tansanias mit dem schneebedeckten Gipfel des Kilimandscharo (Hintergrund). In den Nationalpark fließt alljährlich Geld aus Aichach.
Bild: Norman Myers dpa

Plus Eleonore Beck hat vor 20 Jahren den Grundstein gelegt, um Artenschutzprojekte zu finanzieren. Auch in Aichach hat sie Spuren hinterlassen.

Wer nach Tansania in den Serengeti-Nationalpark reist, der könnte im Besucherzentrum auf eine Überraschung stoßen: ein Bild des Aichacher Rathauses. Die Aichacherin Lieselotte Pfundmair-Bischoff hat den Gruß aus der Stadt im Wittelsbacher Land im März dorthin gebracht. Die Verbindung zwischen Aichach und der Serengeti ist Eleonore Beck. Die Aichacherin, die vor 20 Jahren gestorben ist, hat den Nationalpark nie selbst gesehen. Mit ihrem Vermächtnis hat sie aber viel zum Schutz des einzigartigen Ökosystems beigetragen.

Eleonore Beck, die aus einer Mühlenbesitzerfamilie stammte, war Erbin eines stattlichen Vermögens. Auslöser für ihr Engagement für die Serengeti war Bernhard Grzimek. Der Zoologe und spätere Direktor des Frankfurter Zoos weckte mit seinem Film „Serengeti darf nicht sterben“ (1959) und der Fernsehreihe „Ein Platz für Tiere“ Begeisterung und eine große Spendenbereitschaft für seine Arbeit.

Insgesamt sind schon über zehn Millionen Euro geflossen

Schon 1978 verfügte Eleonore Beck in ihrem Testament, dass ein großer Teil ihres Vermögens der Naturschutzarbeit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) mit dem Schwerpunkt Serengeti zufließen sollen. Thomas Kantenwein, ab 1984 ihr Steuerberater und Rechtsanwalt, sollte dafür das Vermögen – etwa 20 Millionen Euro – in „unveräußerliche Fonds“ angelegen.

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Als Beck 1999 nach kurzer Krankheit im Alter von 77 Jahren starb, führte Kantenwein die Gründung der Eleonore-Beck-Stiftung zu Ende. 2001 war sie rechtsfähig. Seitdem fließen jährlich rund 600000 Euro über die Grzimek-Stiftung an die ZGF – insgesamt schon über zehn Millionen Euro. Gleichzeitig ist das Stiftungsvermögen auf rund 30 Millionen Euro angewachsen.

Wie wirksam Eleonore Becks Vermächtnis heute noch ist, machte Thomas Kantenwein, der Vorsitzende des Stiftungsvorstands, bei einem Besuch in Aichach deutlich. So habe die ZGF beim Start der Stiftung etwa 2,9 Millionen Euro jährlich investiert, heute seien es 14,2 Millionen. Die Bedeutung der Eleonore-Beck-Stiftung für die ZGF sei deshalb aber keineswegs gesunken. 9,8 Millionen seien Fremdmittel, unter anderem von der Europäischen Union. Geld, das nicht für Verwaltungskosten verwendet werden darf. Diese deckt die Beck-Stiftung ab und ermöglicht so erst die Akquirierung weiterer Mittel, so Kantenwein. „Sie ist der Turbo der Zoologischen Gesellschaft.“

Es geht um den Erhalt ganzer Ökosysteme

Die Arbeit der ZGF habe über die Jahre an Bedeutung gewonnen. „Es geht nicht nur um Artenschutz und Naturschutz, sondern um den Erhalt ganzer Ökosysteme.“ Brächen diese zusammen, sei die ganze Menschheit in Gefahr. Die ZGF finanziert auf der ganzen Welt ökologische Projekte. Auch das Umfeld wird berücksichtigt. Die Naturschutzprojekte erschließen den Menschen dort Einkommensalternativen und leisten so auch ein Stück weit Entwicklungshilfe. „Man kann nicht hoch genug einschätzen, was sie gemacht hat – für die ZGF und auch für Aichach“, so Kantenwein.

Haus der Senioren geht auf Becks Vermächtnis zurück

Das Haus der Senioren in Aichach geht auf das Vermächtnis von Eleonore Beck an die Stadt zurück.
Bild: Erich Echter

Ihre Heimatstadt hat Eleonore Beck in ihrem Testament mit Grundstücken im Wert von etwa einer halben Million Euro bedacht. Deren Erlös dürfe die Stadt nur für die Altenbetreuung verwenden, verfügte sie: „Es soll den alten Leuten die Einsamkeit gemildert werden, wichtige Briefe etc. geschrieben werden und ein(e) individuelle Betreuung erhalten.“

Die Stadt kaufte mit einem Teil davon das historisch wichtige Niedermayr-Haus aus dem Jahr 1810 und sanierte es. Seit 2006 dient es als „Haus der Senioren“ und ist ein Treffpunkt für die ältere Generation mit Kursangeboten, Vorträgen, Handarbeiten und Spielen. An die Gönnerin erinnert eine Tafel neben dem Eingang.

Stiftung und Stadt planen ein neues Wohnquartier

Bald soll ein weiteres sichtbares Zeichen an die Wohltäterin erinnern: Die Stadt und die Eleonore-Beck-Stiftung planen gemeinsam ein neues Wohnquartier in Aichach, direkt an der nach ihrem Großvater benannten Franz-Beck-Straße und neben der Villa, in der Eleonore Beck aufgewachsen ist.

Die Stiftung plant dort Wohnungen, die sie zum marktüblichen Preis vermieten möchte. Die Stadt will auf einem Teil ihrer Grundstückshälfte laut Bürgermeister Klaus Habermann bezahlbaren Wohnraum schaffen, eventuell als Mehrgenerationenprojekt. Etwa 40 Wohnungen könnten es werden. Das übrige Gelände soll über das Baulandmodell verkauft werden. 120 Wohnungen könnten entstehen. Das Bebauungsplanverfahren ist Ende Juli Thema im Aichacher Bauausschuss.

Eleonore Beck ist nach ihrem Tod in München für immer nach Aichach zurückgekehrt. Ihre letzte Ruhestätte fand sie bei ihren Schwestern im elterlichen Grab auf dem Alten Friedhof. Eine Bronzetafel auf der Grabplatte kündet von ihrer Stiftung für die bedrohte Tierwelt.

Diese Tafel am Grab der Familie Beck erinnert an das Vermächtnis von Eleonore Beck, das über Grzimeks "Hilfe für die bedrohte Tierwelt" die Arbeit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt vor allem in der Serengeti unterstützt.
Bild: Erich Echter

Eleonore Beck:

Eleonore Beck stammt aus einer Aichacher Mühlenbesitzerfamilie und war Erbin eines stattlichen Vermögens. 1922 geboren, wuchs „Lori“, wie sie genannt wurde, als jüngste von drei Töchtern von Katharina und Xaver Beck in Aichach auf. Nach ihrer Schulzeit in Klosterschulen ließ sie sich zur Chemotechnikerin ausbilden. Diesen Beruf übte sie aber nie aus. Um ihre herzkranke Mutter zu pflegen, kehrte sie nach Aichach zurück. Nach dem Tod ihrer Mutter blieb sie in Aichach und verwaltete das Familienvermögen. Ab 1967 lebte die an Kultur und Natur interessierte Eleonore Beck überwiegend in München. Thomas Kantenwein, der ab 1984 ihr Anwalt und Steuerberater war, hat Eleonore Beck als durchaus anspruchsvoll erlebt. Der Banker, der Steuerberater oder der Schreiner musste was leisten, sagt Kantenwein. Sie selbst sei aber sehr genügsam gewesen. Ihr Audi 100, mit dem sie auf der Autobahn gern Gas gegeben habe, war eine Ausnahme. „Sie war eine sportliche Frau und eine sehr gute Autofahrerin“, sagt Kantenwein. „Und sie war sehr humorvoll und hat gern gelacht.“ (bac)

Eleonore-Beck-Stiftung:

  • Gründung Die Gründung der Eleonore-Beck-Stiftung geht auf ein Testament der Stifterin zurück. Darin verfügte sie, dass ihr Vermögen in einen unveräußerlichen Fonds zu überführen sei. Dessen Erträge sollen ausschließlich Grzimeks „Hilfe für bedrohte Tierwelt“ und damit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) zukommen. 2001 wurde die Stiftung mit Sitz in München rechtsfähig. Vorsitzender ist Dr. Thomas Kantenwein.
  • Vermögen Neben Aktien sowie Grundbesitz in München und Aichach verfügt die Stiftung über 17 Hektar Wald in der Gemeinde Petersdorf. Um den Wald kümmert sich Förster Rolf Banholzer. Er versucht, ihn in einen vorbildlichen Mischwald umzubauen. In 20 Jahren ist die Zahl der Baumarten von vier auf 13 angewachsen, berichtet er. Dort finden auch waldpädagogische Aktionen statt.
  • ZGF Die Zoologische Gesellschaft mit Sitz in Frankfurt (ZGF) hat sich zur Aufgabe gemacht, Wildtiere und ihre Lebensräume zu bewahren, vor allem in Schutzgebieten und herausragenden Wildnisregionen. Ihre Arbeit geht zurück auf den Zoologen und späteren Direktor des Frankfurter Zoos, Bernhard Grzimek. Die ZGF finanziert derzeit 30 Projekte und Programme in 18 Ländern. Schwerpunkte sind Ostafrika, Südamerika, Südostasien und Osteuropa. Der eingetragene Verein hat einen ehrenamtlichen Vorstand und 320 Mitarbeiter weltweit. Das Geld der Eleonore-Beck-Stiftung fließt vor allem in Projekte in der Serengeti. Sie fördert aber auch in Deutschland den Wald- und Gewässerschutz, darunter an der Günz. (bac)
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