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Aindling

11.07.2019

Warum bei Aindling zwei Radwege auf Eis liegen

Hier ist Schluss: Der Radweg von Weichenberg in der Gemeine Aindling entlang der Staatsstraße 2035 in Richtung Affing endet an dieser Stelle. Danach muss der Radfahrer Umwege in Kauf nehmen oder auf die Staatsstraße ausweichen.
Bild: Erich Echter

Aindling will neue Radwege bauen. Doch nicht jeder Bauer will seinen Grund hergeben. Warum die Ratsmitglieder für Verständnis für die Eigentümer werben

Dass das Radwegenetz in der Marktgemeinde Aindling verbessert werden soll, darüber sind sich alle Marktgemeinderäte einig. Nicht zuletzt deshalb wurde in der vorletzten Sitzung im nicht-öffentlichen Teil über das Thema debattiert. Marktgemeinderat Benjamin Schröter hatte jetzt aber per Antrag erwirkt, dass das Thema in der öffentlichen Sitzung behandelt wurde.

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Schröters Vorgehensweise gefiel nicht jedem. Bürgermeister Tomas Zinnecker warf ihm gar Wahlkampfmache vor. Er bemängelte, dass Schröter im vergangenen halben Jahr bei kaum einer Ratssitzung gewesen sei und jetzt auf einmal wieder mit wählerwirksamen Anträgen Werbung für seine Vereinigung, die Perspektive Aindling, mache. Ratsmitglied Helga Holland (SPD) verdeutlichte, dass alle Fraktionen im Gemeinderat am Ausbau des Radwegenetzes interessiert seien und dass alle am selben Strang zögen. Das könne er, Schröter, allerdings nicht wissen, weil er zuletzt oft gefehlt habe.

Schröter selbst erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass sein häufiges Fehlen familiäre Gründe gehabt habe. „Ein Familienmitglied muss seit einiger Zeit mit schweren gesundheitlichen Einschränkungen kämpfen und ist jetzt pflegebedürftig. Da uns dies als Familie sehr – auch zeitlich – belastet hat, konnte ich mein Mandat nicht ordnungsgemäß ausüben“, betonte er. Er habe sogar mit dem Gedanken gespielt, sein Mandat niederzulegen, damit er für seine Familie da sein könne. Dem Bürgermeister habe er dies nach der jüngsten Sitzung erläutert.

Warum bei Aindling zwei Radwege auf Eis liegen

70 Prozent gehören einem Landwirt, der nicht verkaufen will

Ungeachtet aller Querelen wollte Schröter in seinem Antrag wissen, wie der Stand der Dinge bei den gewünschten neuen Radwegen von Rehling nach Aindling, von Affing nach Weichenberg und von Aindling nach Arnhofen ist. Letzterer ist das große Sorgenkind der Gemeinde. Wie der Bürgermeister auf Nachfrage unserer Zeitung erläuterte, fehlt der Gemeinde für einen Radweg nach wie vor der Grund. 70 Prozent der benötigten Fläche ist laut Zinnecker im Besitz eines einzigen Landwirts und dieser ist nicht zum Verkauf bereit.

Dass dieser Mann deshalb nicht verteufelt werden soll, dafür brach Ratsmitglied und Landwirt Peter Reich jetzt auch in öffentlicher Sitzung eine Lanze. „Der Mann hat schon seine Gründe“, erklärte er. Wo Radwege neben den Feldern gebaut werden, haben die Bauern oft mit Bewirtschaftungserschwernissen und Haftungsproblemen zu kämpfen, so Reich. So komme es immer wieder vor, dass Radfahrer die Polizei riefen, wenn Landwirte Staub aufwirbelten oder Dreck auf dem Radweg hinterließen, weil sie beim Arbeiten über den Radweg fahren müssten. Wenn der Radler dann stürze, sei der Landwirt verantwortlich. Eine Enteignung des betroffenen Landwirts sei sicher keine Lösung, war der Tenor im Gremium.

Nöte der Landwirte öffentlich ansprechen

Als Leiter der Liegenschaftsverwaltung in Neusäß (Landkreis Augsburg) kennt Schröter die Sorgen der Landwirte. Es sei auch gut, diese öffentlich anzusprechen. Ihnen gegenüber steht für ihn aber die Bedeutung für das Allgemeinwohl durch neue Radwege. Dabei spiele der Klimaschutz und die Verkehrssicherheit eine wichtige Rolle.

Auf einem guten Weg sieht Zinnecker dagegen den Radweg Rehling-Aindling: „Er ist im Programm der Kreisstraßen drin und sollte absehbar sein.“ Weiterhin auf Eis liegt die Radstrecke Affing-Weichenberg. Solange die Affinger Trasse für die Umgehung nicht stehe, machten für Affing auch Planungen für einen Radweg keinen Sinn.

Ratsmitglied Karl-Andreas Gamperl forderte am Ende der Sitzung alle Eltern dazu auf, ihre Kinder so zu erziehen, dass Landwirte wieder besser akzeptiert würden.

Lesen Sie dazu auch: Radwege: Zwei große Wünsche für Affing

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