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Kühbach

26.08.2019

Warum in der Gemeinde Kühbach so viele Kinder auf die Welt kommen

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58 Babys in einem Jahr – 2017 war ein Rekordjahr in der Marktgemeinde Kühbachh. Das hat sich voll auf die statistische Geburtenrate niedergeschlagen.
Bild: Waltraud Grubitzsch/dpa

Plus Im Rekordjahr 2017 kommen im Markt Kühbach 58 Kinder auf die Welt. Die Geburtenrate ist damit die höchste im Landkreisnorden. Woran das liegen könnte.

Kinder, Kinder Kinder – das Wittelsbacher Land war mit seiner Geburtenrate von 1,81 im Jahr 2017 an der Spitze in ganz Bayern. Noch deutlich darüber lag die Marktgemeinde Kühbach. Klassische Wachstumskommunen im Landkreis wie zum Beispiel Adelzhausen lag genau auf diesem Schnitt – andere wie Todtenweis (1,38) deutlich darunter. Die Kühbacher kommen 2017 dagegen auf 2,58 (siehe Tabelle). Das ist eine statistisch für dieses Jahr hochgerechnete Zahl: Bliebe die konstant, dann würden die Frauen in Kühbach im Schnitt 2,6 Kinder zur Welt bringen. Eine Zahl, die auch Bürgermeister Johann Lotterschmid überrascht.

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Was die Geburten betrifft, war 2017 ein Rekordjahr für die Gemeinde. 58 Kinder erblickten das Licht der Welt. Ein Babyboom-Jahr, wie es Kühbach viele Jahre lang nicht mehr erlebt hatte. „Früher waren es immer viele Kinder“, erinnert sich der Bürgermeister. 50 und mehr Kinder kamen jedes Jahr auf die Welt. Dann kamen einige Jahre, in denen sich die Geburten bei durchschnittlich gut 30 Kindern pro Jahr eingependelt hatten. Deutlich unter 30 waren es dann im Jahr 2012. Der Bürgermeister sprach damals von einem Minusrekord und hoffte, „dass das Jahr 2013 wieder fruchtbarer wird“. Zwei Jahre später wurde sein Wunsch Wirklichkeit. Ab 2015 stieg die Zahl der Geburten auf 38 Kinder an, 2016 waren es 42. Dann folgte das Rekordjahr mit 58 Geburten. 2018 kamen 43 Kinder zur Welt.

Marktgemeinde Kühbach: Bürgermeister ist überrascht

Überrascht hat den Bürgermeister, dass seine Gemeinde damit im Landkreis zu den Spitzenreitern bei der Geburtenrate gehört. Nur Steindorf im Landkreissüden liegt mit 2,62 noch etwas höher. Sind die Kühbacher also besonders kinderlieb? Oder liegt es an der verbesserten Infrastruktur und mehr Bauplätzen, dass Familien während der vergangenen Jahre besonders viel Nachwuchs haben? „Ich weiß es nicht“, sagt der Bürgermeister. „Wir haben schon immer alle Kinder im Kindergarten untergebracht und noch nie jemanden abweisen müssen.“ Bei der Krippe sei es nur in einem Jahr mal knapp gewesen.

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Lotterschmid vermutet, dass die Geburtenzahlen mit den Neubaugebieten, die die Gemeinde in den vergangenen Jahren auswies, zusammenhängen. Eventuell sei auch die Gruppe der 20- bis 35-Jährigen in der Gemeinde besonders hoch, überlegt der Bürgermeister. Nur eines weiß er sicher: „Man darf sich nicht darauf verlassen, dass man immer so hervorragend abschneidet.“ Schon heuer zeichnet sich laut Lotterschmid ab, dass die Zahl der Geburten wieder niedriger sein wird.

Nicole Balleis aus dem Ortsteil Unterbernbach ist dreifache Mutter und betreut ein Pflegekind. Sie findet es gut, dass es auch in Unterbernbach einen Kindergarten gibt. Überhaupt sei in dem Ortsteil „rundherum alles sehr kinderfreundlich.“ Es gebe viele Vereine und auch die Anbindung sei „trotz Dorf sehr gut“.

Vorteil: Verwandte und Familie sind in der Nähe

Den großen Vorteil gegenüber einer Stadt sieht Balleis darin, dass auf dem Dorf meistens Familie und Verwandte in der Nähe sind und die Mütter unterstützen können. Bei der Entscheidung für mehrere Kinder sei nicht nur das dörfliche Umfeld ein Kriterium, glaubt Balleis. Auch die staatlichen Zuschüsse spielen ihrer Meinung nach eine Rolle. Und noch ein anderer Faktor spielt für Balleis mit: „Schwanger sein ist ansteckend.“ Sei im Freundeskreis jemand schwanger, bleibe sie meistens nicht lange die Einzige.

Als einen „heimeligen Ort, an dem es alles gibt“, beschreibt Susanne Weise Kühbach. Vor zehn Jahren zog sie deshalb mit ihrem Mann in die Gemeinde. Vor gut vier Jahren kam ihr Sohn zur Welt. Alles, was mit Kindern zu tun habe, sei hier reaktiv gut organisiert, sagt Weise. „Es gibt genügend Betreuungsangebote für Kinder“, die Kindergartengebühren seien okay und wegen der guten Infrastruktur bräuchten Mütter theoretisch gar kein Auto, um die Familie zu versorgen.

Die hohen Geburtenzahlen führt Weise vor allem auf „das gute Leben“ in der Gemeinde mit insgesamt rund 4300 Einwohnern zurück. Es gebe keine sozialen Brennpunkte, dafür aber eine Nachbarschaft, die sich untereinander kennt und hilft. „Da kann man auch sein neunjähriges Kind abends noch im Dunkeln herummarschieren lassen.“

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