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Todtenweis-Sand

20.02.2016

Was das Ulrichsmarterl erzählen kann

Das Ulrichsmarterl an seinem neuen Standort am nördlichen Ortseingang von Sand. Die Steinsäule zeigt vier Bildmotive, die sich an die hervorstechenden Eigenschaften des Augsburger Bischofs orientieren.
Bild: Franz Riß

Die Regio Augsburg errichtet heuer eine Infotafel am Urlichsmarterl in Sand. Sie weist auf den „Geschichtspfad – 955 Schlacht auf dem Lechfeld“ hin.

Todtenweis-Sand Das Ulrichsmarterl im Todtenweiser Ortsteil Sand wurde lange Zeit wenig beachtet. Die Bedeutung, die das Marterl wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Ungarnschlacht des Jahres 955 hatte, wurde verkannt. Der Bildstock lieferte jedoch lange vor Entdeckung des ungarischen Pferdegeschirrs auf einem Feld westlich des Ortsteils Bach 2012 einen Hinweis: Das Gemeindegebiet von Todtenweis war wohl einer der Schauplätze Schlacht.

Manche Historiker sehen die Auseinandersetzung zwischen einem Truppenverbund aus Bayern, Franken, Schwaben und Böhmen unter Führung von König Otto I. auf der einen Seite und einem ungarischen Heer auf der anderen Seite sogar als die Geburtsstunde Deutschlands an.

Am jetzigen Standort des Ulrichsmarterls am nördlichen Ortseingang von Sand soll in diesem Jahr eine Station des von der Regio Augsburg initiierten Projektes „Der Geschichtspfad – 955 Schlacht auf dem Lechfeld“ aufgestellt werden. Geplant ist eine große Informationstafel mit Wegweiser zur Wallanlage, die sich etwa einen Kilometer nordöstlich des Standortes befindet und eine weitere Station des Geschichtspfades werden soll.

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Das heutige Marterl wurde 1993 neu errichtet und nach einer feierlichen Lichterprozession am 2. Juli vom damaligen Todtenweiser Pfarrer Anton Tischinger zusammen mit Prälat Spoden vom Domkapitel Augsburg eingeweiht. Der neue Bildstock konnte nicht mehr an seinem angestammten Platz nördlich der Kreisstraße zwischen Todtenweis und Sand an der Grundstücksgrenze des Kieswerks Seemüller zurückkehren. Der Platz war nicht mehr geeignet. Ein Marterl soll zum Verweilen und Beten einladen. Das ist an der stark frequentierten Kreisstraße am Kieswerk nicht möglich.

Vorgängerbildstock war eine Steinsäule mit Bild des Heiligen Ulrich

Der Vorgängerbildstock an der alten, seit 1813 durch die Aufnahme des Marterls in die Urkataster-Aufnahme überlieferten Stelle, war eine gemauerte Steinsäule mit dem Bild des Heiligen Ulrichs, die etwa zwei Meter hoch war. Dieses Marterl wurde 1955 auf Betreiben des damaligen Ortspfarrers Karl Michler renoviert und von ihm zur 1000-Jahr-Feier der Lechfeldschlacht eingeweiht.

Erstmals beschrieben wurde die Gedenksäule um 1900 von Gustav Euringer aus Augsburg, der in dieser Zeit viele Wanderungen rund um Augsburg unternahm und dabei auch nach Todtenweis kam. Er hielt seine Eindrücke in einem Wanderbuch fest und erwähnte dabei den Bildstock als „eine mittelalterlich scheinende gemauerte Martersäule“. Wann die erste Sankt-Ulrichs-Gedenksäule errichtet wurde, konnte bisher nicht ermittelt werden.

Sie wurde früher auch als „Sandweg-Seila“ bezeichnet, da diese Straße bis in das 20. Jahrhundert als Sandweg bezeichnet wurde. Die alte Flurbezeichnung geht bis in das ausgehende Mittelalter zurück. Der Legende nach soll zur Erinnerung an die Lechfeldschlacht an der Stelle, an der der Heilige Ulrich den Segen für das deutsche Heer erteilt hatte, eine Martersäule aufgerichtet worden sein.

Anmarschweg des deutschen Heeres ist umstritten

Nicht auszuschließen ist, dass das deutsche Heer zumindest an der Ortschaft Todtenweis vorbeikam. Durch den Ort zieht eine alte Straße, die bereits 1425 als „Auf der Herstrass“ Erwähnung findet. Die vorherrschende Meinung der Historiker besagt zwar immer noch, dass das deutsche Heer sich bei Ulm gesammelt habe und sich dann von west-nord-westlicher Richtung Augsburg genähert habe und dass die Schlacht westlich von Augsburg stattfand. Doch dieser Anmarschweg ist umstritten.

Die Meldung des Ungarneinfalls an der Ostgrenze Bayerns musste fast 1000 Kilometer per Reiterstaffel bis Magdeburg befördert werden, um König Otto zu erreichen. Die Ungarn rückten inzwischen weiter nach Westen nach Augsburg vor. Otto musste die Herzogtümer seines Reiches alarmieren und sofort nach Süden aufbrechen. Die Zeitnot dürfte Otto bewogen haben, den Versammlungsraum möglichst nahe am Anmarschweg zu wählen.

Ein Sammelplatz bei Ingolstadt oder Neuburg halten deshalb viele für wahrscheinlicher als einen Sammelplatz bei Ulm. Ein dortiges Zusammenführen der Verbände hätte bedeutet, dass die anmarschierenden Sachsen und Franken zeitraubend weit nach Westen hätten ausweichen müssen.

Zeitgenössischer Biograf Ottos schreibt von Anmarsch auf bayerischem Boden

Widukind, der zeitgenössische Biograf Ottos, schreibt, dass der Anmarsch auf bayrischen Boden und damit ostwärts des Lechs stattfand. Ein Anmarsch von Neuburg aus über Pöttmes und Todtenweis wäre dabei durchaus denkbar, da die alte Heerstraße wahrscheinlich diesen Verlauf hatte.

Außerdem liegt in der Nähe dieser Altstraße auch der Todtenweiser Ungarnwall. Nach neueren Interpretationen dienten diese Wallanlagen nicht nur als Fliehburgen, sondern auch der Stationierung von Soldaten, die die Ungarn nicht nur am Vormarsch zu hindern suchten, sondern sie auch am Rückweg zu stellen suchten.

Interessant ist der alte Standort des Marterls auch im Hinblick auf seine Nähe zum alten Burgweg, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite südwärts zum Burgstall im Sander Holz abzweigte. Der Bildstock könnte so neben seiner religiösen Bedeutung auch als Wegmarke gedient haben und die Abzweigung des alten Aufganges zur Todtenweiser Burg angezeigt haben.

Eine weitere Sage lautet: „Im Jahr 955 lagerten die Ungarn oberhalb von Augsburg. Kaiser Otto mit seinem tapferen Heere bot ihnen die Schlacht an, der Heilige Ulrich betete um den Sieg und zog selbst mit in den heißen Kampf. Endlich mussten die wilden Horden erliegen, die Mehrzahl wurde niedergehauen, ein großer Teil ertrank im Leche, und der letzte Rest wurde von den wüthenden bayerischen Bauern, die alles durch sie verloren hatten, drei Stunden unterhalb von Augsburg erschlagen. Der Ort, wo dieß geschah, heißt Todtenwiese, woselbst nun das Pfarrdorf Todenwies liegt.“

Auch diese Legende hat offenbar einen wahren Kern, denn nach dem bayerischen Schriftsteller Aventin soll es im Anschluss an die Hauptschlacht nahe Augsburg bei Thierhaupten zu einem Nachgefecht gekommen sein.

Das Todtenweiser Lechfeld liegt tatsächlich etwa drei Stunden Gehzeit nördlich von Augsburg. Außerdem befanden sich bei Langweid und Herbertshofen alte Lechfurten, die vermutlich vorrangig von den flüchtenden Ungarn benutzt wurden, falls die Hauptschlacht tatsächlich auf der westlichen Seite des Lechs stattgefunden haben sollte.

Allein bei Todtenweis gab es drei Schutzburgen

Dazu würde passen, dass in der Sachsengeschichte Widukinds, eine der Hauptquellen zur Lechfeldschlacht, Schutzburgen auf dem östlichen Lechrain erwähnt wurden, von deren Besatzungen aus die über den Lech flüchtenden Ungarn nach der Schlacht aufgerieben wurden. Allein bei Todtenweis gab es mit dem Burgstall im Sander Holz, der Wallanlage zwischen Sand und Bach und der ungarnzeitlichen Wallanlage auf dem „Eselsberg“ bei Thierhaupten gleich drei solcher erwähnten Schutzburgen.

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