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Finale

18.09.2017

Wehmut in der Western-City

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Die Festspielsaison ist vorbei, Reitkurse und Seminare finden im Winter statt.
Bild: Peter Stöbich

In Dasing gingen die Karl-May-Festspiele mit Abschluss-Show und Flaggenübergabe zu Ende. Wie der Regisseur die Lage einschätzt.

Mit einer Abschluss-Show und der traditionellen Flaggenübergabe sind am Sonntag die Süddeutschen Karl-May-Festspiele in Dasing zu Ende gegangen. Zwiespältige Gefühle hatte beim Schluss-applaus in der Arena Peter Görlach, der seit über einem Jahrzehnt als Autor, Regisseur und Schauspieler in der Western-City tätig ist. „Dass wir nach der Brandkatastrophe vor wenigen Wochen weiterspielen konnten und uns so viele Fans ihre Unterstützung versichert haben, ist eine sehr schöne Erfahrung“, sagt er. „Aber es ist auch todtraurig, wenn ich vor den verkohlten Trümmern von Fred Rais Lebenswerk stehe und nicht weiß, wie es mit unserer Arbeit weitergehen kann.“

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Auf das übliche Feuerwerk zum Saisonende hatte man aus naheliegenden Gründen verzichtet. Die Flaggenübergabe fand erstmals in der Freilichtbühne statt, denn auch der Western-Saloon liegt in Schutt und Asche. „Die Entsorgung der riesigen Trümmerhaufen wird eine Menge Geld kosten“, sagt Geschäftsführer Volker Waschk; er hofft ebenso wie Görlach, dass im kommenden Jahr eine Finanzierung der Karl-May-Veranstaltungen möglich sein wird.

Marktplatz und Saloon, Gefängniszelle und Kino gibt es nach dem verheerenden Brand in der Western-City nicht mehr. Der verstorbene Gründer Fred Rai hatte vor Jahrzehnten beim Stadtfest in Gummersbach die Westernkulissen als Teil einer Gage für einen Auftritt bekommen. Er vermietete die Teile zunächst an Unternehmen und baute sie dann für ein Fest auf seinem bis dahin privaten Gelände in Dasing auf. Nach und nach wurden die mobilen Teile ersetzt, ausgebaut – und schließlich zur Western-City. Das Stück „Die Felsenburg“ war Görlachs zwölfte Inszenierung. „Nach drei Dutzend Vorstellungen spürt man nach dem Sommer schon seine Knochen“, räumt er ein. Normalerweise arbeitet er während der Wintermonate schon an der Vorbereitung für die nächsten Festspiele, aber zum jetzigen Zeitpunkt kann noch niemand sagen, wie es 2018 weitergehen wird.

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Einige Mitarbeiter der Western-City haben bei der Katastrophe ihr komplettes Hab und Gut verloren, „aber wenigstens sind keine Menschen und Tiere verletzt worden“, sagt Görlach. Er hatte in der Brandnacht zu Hause die Sirenen der Einsatzfahrzeuge gehört und kurz danach telefonisch die Hiobsbotschaft bekommen. „Auch alle Kostüme unserer bisherigen Vorstellungen und viele unwiederbringlichen Erinnerungsstücke von Fred Rai sind verbrannt.“ Von der Ranch des Gründers, wie er sie nannte, seinen Musikinstrumenten und einem kleinen Museum mit raren Fotos, Dokumenten und Schallplatten ist nichts mehr übrig.

„Außer Fred als Freund und Partner fehlt jetzt auch die einmalige Atmosphäre, wenn nach den Vorstellungen früher fröhliches buntes Treiben am Marktplatz herrschte“, bedauert Görlach. Doch die Mitarbeiter ließen den Kopf nicht hängen und improvisierten für die Besucher im Bereich des Ferienlagers eine kleine Gastronomie. Winnetou-Darsteller Matthias M. sang wie jedes Jahr seine Countrylieder von Garth Brooks und so mussten nur drei Aufführungen ausfallen.

Reitunterricht, Kurse und Seminare sollen auch im Winter stattfinden, kündigt die Western-City auf der Internetseite an.

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