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Bauantrag

09.03.2017

Weißes Gewächshaus – schwarz gebaut

An der falschen Stelle hat die Gemeinschaft auf Schloss Blumenthal das Gewächshaus für ihre Solidarische Landwirtschaft gebaut.
Bild: Erich Echter

Blumenthaler Gemeinschaft muss Bau verlegen, weil er den Blick auf das historische Ensemble stört

Eine Solidarische Landwirtschaft (Solawi) will die Gemeinschaft auf Schloss Blumenthal betreiben. Dabei zahlen die Mitglieder einen monatlichen Betrag, um die Kosten des Betriebs zu decken. Im Gegenzug wird die Ernte unter den Mitgliedern aufgeteilt. Für das neue Projekt hat die Blumenthal GmbH schon ein Gewächshaus gebaut. Und ist damit ordentlich bei der Stadt angeeckt. Derzeit handelt es sich quasi um einen Schwarzbau.

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Die Schloss Blumenthal GmbH hatte in einem Schreiben an die Stadt ihr Bedauern geäußert. Man sei nach informellen Gesprächen mit dem Landratsamt der Ansicht gewesen, dass es sich um ein privilegiertes Bauvorhaben handelt und somit verfahrensfrei sei. Wie Illgner erläuterte, sei das richtig, vorausgesetzt, die Privilegierung könne nachgewiesen werden. „Verfahrensfreiheit bedeutet aber nicht rechtsfrei“, sagte sie. An dieser Stelle gehe es trotz Privilegierung nicht.

Für das historische Ensemble hat die Stadt eigens einen Bebauungsplan aufgestellt. Er legt genau fest, wo in dem historischen Ensemble gebaut werden darf. Das Gewächshaus nun liegt zwar im Geltungsbereich des Bebauungsplans, aber außerhalb der genehmigten Baufenster. Wie Bauamtsleiterin Martina Illgner mit Fotos zeigte, liegt das Gewächshaus am höchsten Punkt des Geländes und beeinträchtigt, wenn man aus Richtung Gallenbach kommt, den Blick auf das historische Ensemble. Damit seien die Grundzüge der Planung – hier der Schutz des Ensembles – berührt. Eine Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans, wie die Gemeinschaft zunächst beantragt hatte, sah sie als problematisch an.

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Nach einer Bauberatung hat die Blumenthal GmbH nun eine geänderte Planung vorgelegt. Das Gewächshaus mit einer Nutzfläche von 400 Quadratmetern soll möglichst noch in diesem Jahr so verlagert werden, dass es die Ansicht der Komturei nicht mehr stört. Der Antrag sieht auch gleich den Bau eines weiteren Gewächshauses gleicher Größe in drei bis fünf Jahren vor. Ob es sich um ein privilegiertes Vorhaben handelt, prüft das Landratsamt. Für den Fall, dass es die Privilegierung bestätigt, schlug Illgner vor, dem Bauantrag das Einvernehmen zu erteilen, „damit es nicht fünfmal hin und her geht“.

Die Bauausschussmitglieder sahen das teilweise skeptisch. Helmut Beck (CSU) stellte fest: „Der Bauantrag kommt normalerweise vor dem Bau.“ So äußerte sich auch Georg Robert Jung (FWG): „Ich könnte nur zustimmen, wenn die Privilegierung dauerhaft anerkannt wird.“ Marc Sturm (CSU) forderte, im Bauausschuss für alle den gleichen Maßstab anzulegen. Er erinnerte an einen Landwirt, der keinen Unterstand für einen Traktor bauen durfte, weil das Vorhaben nicht als privilegiert anerkannt wurde, und eine Grundstücksmauer, die abgerissen werden musste. Um gerecht zu sein, müsse man auf Rückbau drängen.

Erich Echter (CWG) sah kritisch, dass das historische Ensemble ringsum zugebaut werde. Für ihn stand die Frage im Raum, ob System dahinterstecke. Kristina Kolb-Djoka befand: „Das ist nicht sehr glücklich gelaufen.“ Die Bauherren hätten sich besser informieren können. Aber wenn es sich um ein privilegiertes Vorhaben handle, kämen die Gewächshäuser sowieso. Marion Zott (Grüne) war überzeugt, dass kein böser Gedanke dahinterstecke. Eine Lanze für die Gemeinschaft brach Bürgermeister Klaus Habermann. Wäre das Schlossgut nicht in die Hände der neuen Eigentümer gekommen, würde es heute anders dastehen, war er überzeugt.

Mit 7:5 Stimmen erteilte der Bauausschuss schließlich sein Einvernehmen. Dagegen stimmten Helmut Beck, Marc Sturm, Johanna Held und Anton Friedl (alle CSU) sowie Erich Echter (CWG). (bac)

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