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Arbeitsmarkt

14.01.2019

Welchen Frauen im Landkreis droht Altersarmut?

Armutsrisiko Kind: Vor allem Alleinerziehenden droht später Altersarmut, warnt die Agentur für Arbeit. Symbolfoto
Bild: Maurizio Gambarini, dpa

Die Chefin der Arbeitsagentur sieht Alleinerziehende, aber auch Frauen in Lebensgemeinschaften mit Kindern gefährdet. Worauf sie achten sollten

Aichach-Friedberg Alleinerziehende sind besonders häufig von Armut betroffen. Das ist kein Geheimnis und doch hat sich in den vergangenen Jahren in diesem Bereich kaum etwas bewegt. Es sind meist Frauen, die wegen der Kinderbetreuung nur in Teilzeit arbeiten können oder deswegen gar keinen Job mehr finden. Nicht selten kämpfen sie sich erst allein durch den Alltag mit Kindern und später dann durch die Altersarmut. Das Jobcenter Wittelsbacher Land hat deshalb einen Schwerpunkt auf Alleinerziehende gelegt, wie der Leiter des Jobcenters, Gottfried Denkel, berichtet.

Eine Mitarbeiterin sei speziell dafür zuständig, Alleinerziehende in Arbeit zu bringen. Das scheint sich auszuzahlen. Im Moment geht es um 225 Mütter oder Väter im Landkreis, die Hartz IV beziehen. Zum Vergleich: Im Dezember 2017 waren es noch 23 mehr.

Nach einem Baby müssen sie nicht gleich arbeiten

In den ersten drei Jahren nach der Geburt eines Kindes müssen Alleinerziehende keine Jobangebote annehmen. In manchen Fällen rät das Jobcenter trotzdem dazu, schon früher wieder zu arbeiten, wie Gottfried Denkel sagt. Dies geschehe auf freiwilliger Basis.

2018 hat das Aichacher Jobcenter insgesamt 53 Mal das sogenannte Einstiegsgeld vergeben. Es werde hauptsächlich als Motivation für Alleinerziehende ausgezahlt, so Denkel, und zwar immer dann, wenn ihnen unter dem Strich für eine geregelte Arbeit nicht mehr Geld übrig bliebe, als wenn sie Hartz IV erhalten würden. Zwei Mal wurde dieses Einstiegsgeld an Selbstständige ausgegeben und 51 Mal an Menschen in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen.

Insgesamt bekommen etwa 300 Menschen im Landkreis Aichach-Friedberg so wenig Geld für ihre Arbeit, dass sie ihren Lohn vom Jobcenter aufstocken lassen, um die Lebenshaltungskosten decken zu können.

Etwa 250 Menschen stocken nach Angaben des Landratsamtes ihre Altersrente mit einer Grundsicherungsleistung auf. Weitere 150 Menschen kommen dazu, die wegen einer Erwerbsminderung vorzeitig in Rente gegangen sind. Auch sie können von ihren Rentenbezügen allein nicht leben.

Agentur sieht auch den Arbeitgeber gefordert

Die Schwierigkeiten, Job und Kinderbetreuung beizeiten unter einen Hut zu bringen, kennen auch Mütter, die nicht alleinerziehend sind. Elsa Koller-Knedlik, Chefin der Arbeitsagentur Augsburg, sieht für diese Frauen ein erhöhtes Risiko, eines Tages von Altersarmut betroffen zu sein. „Frauen arbeiten oft in Bereichen mit ungünstigen Arbeitszeiten“, erklärt sie und nennt den Handel als Beispiel. „Wir sollten die junge Generation ermutigen, darauf zu achten, welchen Beruf sie wählen.“ Ziel müsse es sein, sich mit dem Lohn der Arbeit selbst versorgen zu können. Das Scheidungsrecht habe sich geändert und jeder könne eines Tages in eine Lage geraten, in der er finanziell auf sich allein gestellt ist.

Frauen sollten sich damit beschäftigen, wovon sie im Rentenalter leben wollen, fordert Elsa Koller-Knedlik. Voraussetzung für eine gute Vorsorge seien unter anderem günstige Bedingungen bei der Kinderbetreuung. Die Chefin der Arbeitsagentur setzt zudem auf die Arbeitgeber. Auch sie seien gefordert. Homeoffice oder Telearbeit seien hilfreich für Familien mit Kindern. In einigen Unternehmen gibt es auch Mutter-Kind-Zimmer, die genutzt werden können, wenn ein Kind erkrankt ist. So können Eltern trotzdem ihrer Arbeit nachgehen.

Ob Mütter ihren Anteil an der Entwicklung der Teilzeit haben, ist unklar. Fest steht laut Elsa Koller-Knedlik aber, dass in einigen Branchen wie etwa im Gesundheitsbereich – und hier besonders in der Pflege – die Teilzeitjobs deutlich stärker zunehmen als die Vollzeitjobs. Noch hat die Arbeitsagentur dafür keine Erklärung.

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