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Musikkabarett

07.11.2017

Wellbappn brillieren in Pöttmes

Hans und seine Wellbappn, (von links) Jonas, Tabea und Sarah,  waren auf Einladung der Vereinigten Well-Verehrerinnen nach Pöttmes gekommen. Am Samstagabend hatten sie mitPapa Hans einen furiosen Auftritt im Gasthaus Ochsnwirt.
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Hans und seine Wellbappn, (von links) Jonas, Tabea und Sarah,  waren auf Einladung der Vereinigten Well-Verehrerinnen nach Pöttmes gekommen. Am Samstagabend hatten sie mitPapa Hans einen furiosen Auftritt im Gasthaus Ochsnwirt.
Bild: Vicky Jeanty

Hans Well holt seine Nachkommenschaft ins Boot. Zu viert ziehen sie im Ochsnwirt gekonnt vom Leder. „Großkopferte“, wie auch die Lokalpolitik bekommen dabei Seitenhiebe ab.

Wie gut, dass es Bayern und die Bayern gibt. Tröstlich, dass Horst Seehofer „zu sich selbst heraufschaut“ und sein Land mit einer Obergrenze vor fremdem Übel bewahrt. Wunderbar klingt’s, wenn Markus Söder von Franken aus derart beredt schweigt, dass man es bis nach München hört. Schön, dass es die Granden aus Wirtschaft, Sport und Politik regelmäßig bis auf die Spitze treiben. Ein Genuss für die Wellbappn samt Papa Hans und für ihre Zuhörer.

Die Bappn kommen im mäßig besetzten Gasthaus Ochsnwirt in Pöttmes fix zur Sache und verbeißen sich zum Aufwärmen in die heißen Eisen der Pöttmeser Lokalpolitik. Sie gstanzeln sich unter anderem quer durch das Villenviertel der Moosbeete: „Wer schwarz wählt, auch schwarz baut.“ Sie unken über die Vernässung des schönsten Dorfes Schorn, wenn nicht vorher der Teufel die Naturschützer holt. Einmal drin im kabarettistischen Fahrwasser, ziehen die vier hinaus ins Land der Bajuwaren, das sich als ewiger Quell für bissig-witzige Kommentare erweist.

Alles kommt aus der Feder von Hans Well. 35 Jahre lang war er Texter der Biermösl Blosn, schrieb mit Gerhard Polt, Jörg Hube und Dieter Hildebrandt. Seit 2013 konzentriert er sich auf seine eigene Nachkommenschaft: Die Töchter Tabea und Sarah, 24 und 26 Jahre alt, und der 21-jährige Sohn Jonas touren seitdem mit dem Papa als Wellbappn durch die Lande. Dass die studierten jungen Leute vom Well-Clan genetisch einiges mitbekommen haben, ist unüberhörbar.

Wie bei den famosen Onkeln und Tanten spielen sie virtuos ganz unterschiedliche Instrumente: Jonas (Trompete, Kontrabass, Tuba, Brummelfass, Zither). Tabea (Geige, Mandoline, Akkordeon, Gitarre). Sarah (Geige, Bratsche, Akkordeon, Ukulele, Saxofon). Dass das Trio derart brilliert, ist mit Begabung allein nicht zu erklären. Vater Hans gibt zu: „Wenn Tabea den Geigenunterricht schwänzte, stand das Leben ihres weißen Hasilein auf dem Spiel.“ Tabea beeindruckt mit einem feurigen ungarischen Geigensolo. „Ich habe auch noch einen Hamster“, ergänzt sie trocken.

So locker aus dem Nähkästchen geplaudert wird nicht immer. Die nötige Sprengkraft versprühen die saftigen Seitenhiebe, die der dörflichen Idylle wie der großen Politik den Spiegel vorhalten. „Do bin i dahoam“, sagt die Mutti und braust mit dem Geländeauto zum Supermarkt. Am Fußballfeld heizt sie ihrem Sprössling ein: „Hau ihm d’Haxn zamm’“.

Klimakatastrophe beginnt bei den Bappn mit dem Pfingstwasserl, das vom Dacherl als Bacherl ins Gosserl und von da ins Bierzelt und ins Bier rinnt und das komplett versiegelte Gewerbegebiet überschwemmt. Im „Ersten Pöttmeser Gefangenenchor“ mit dem sinnigen Refrain „Aloha heja“ werden die steigenden Fluten besungen, die die Holländer zu uns schwemmen, dem Allgäu die Malaria und dem Frankenland eine Wüstenei bescheren.

Wortkaskaden, aberwitzige Verdrehungen und Wortspielereien sorgen für große Lacher. Tabea mag keinen Straßenbahnschienenritzenreiniger zum Ehemann, auch keinen Whats-App-Sepp, noch viel weniger einen Feldwebel, der beim Spiegelei-Braten „Rührt euch!“ schreit. Im Integrationslied arbeitet der Araber am Arber, und fragt sich, mit Blick auf den Luftkurort Lam: „Is Lam a Bad?“

Es folgt der Dauerbrenner bayerischer Weltpolitik. Die C-Katastrophe der Bundestagswahl nötigt Bayern zum Exit aus Deutschland. Der Freistaat mauert, Ministerpräsident Söder regiert Mittelfranken, der FC Bayern kickt gegen Pöttmes. Ein kabarettistischer Leckerbissen kommt am Schluss: Aufgereiht wie die Zeiserl trägt das Quartett mit Unschuldsmiene die Wellsche Version der Historia Bavarica in einer Mischung aus Latein, Englisch, Mundart und zackigem Unsinn vor. In der liturgischen Lesung mutiert die „Banca Bavaria in Banana Republica Panama“. Der Heilige Sankt Martin aus Würselen, eine Anspielung auf SPD-Chef Martin Schulz, bleibt mit einem „würgelen, wörgelen“ auf der Strecke.

Die Wellschen Jungbappn sind keine waschechte „Blosn“. Noch lehren sie aufgrund ihrer Jugend der etwas älteren Generation nicht immer das kabarettistische Fürchten. Was ihnen aber bestens gelingt: Mit musikalischem Wind das Wellsche komödiantisch-satirische Gebläse am Laufen zu halten. Der souveräne Papa darf sich freuen.

Eva Ziegler und die anderen Vereinigten Well-Verehrerinnen überreichten einen selbst gebackenen Zopf und „Seelenbrezeln“.

Fernsehen Augsburg TV zeichnete einen Teil des Auftritts auf. Der Beitrag ist am Dienstag, 7. November, ab 18.30 Uhr zu sehen.

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