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Kino

08.11.2017

Wenn Vilsmaier ins Plaudern kommt

Joseph Vilsmaier (links) plauderte mit dem Kinopublikum über seinen aktuellen Film und beantwortete Fragen.
Bild: Gerlinde Drexler

Der 79-jährige Filmemacher stellt im Aichacher Cineplex seine Dokumentation „Bayern-Sagenhaft“ vor. Dem Publikum hat’s gefallen. Nur etwas wird vermisst.

Einmal ins Plaudern gekommen, fällt Joseph Vilsmaier immer noch eine Begebenheit ein. Der 79-jährige Filmemacher besuchte am Montagabend das Aichacher Kino, wo seine Dokumentation „Bayern-Sagenhaft“ lief. Vilsmaier unterhielt sich im Kinosaal mit dem Publikum und beantwortete Fragen. „Schee“ war der Film, lobten die Zuschauer. Nur der schwäbische Anteil war ihnen zu kurz gekommen.

Der Untertitel des Filmes sagt schon, um was es geht: „ein kurioser Reigen“ von Festen, Bräuchen und Traditionen im Freistaat. Vilsmaier zeigt zum Beispiel Drachenkämpfe in der Oberpfalz, Wallfahrer im Berechtesgadener Land, Hopfenzupfer in der Hallertau oder besucht Benediktiner in Niederbayern.

Vier Jahre habe er an der Dokumentation gearbeitet, erzählt der bekannte Regisseur. Dass es so lange dauerte, hat vor allem einen Grund: Manche Feste finden nur alle paar Jahre statt: die Landshuter Hochzeit zum Beispiel nur alle vier Jahre, das Ochsenrennen in Münsing nur alle fünf Jahre. Und als er die Allmer Wallfahrt filmen wollte, bei der mehrere Tausend Pilger über das Steinerne Meer zum Königssee pilgern, spielte das Wetter nicht mit.

Eine solche Dokumentation zu machen, habe er nicht geplant gehabt, berichtet Vilsmaier in Aaichach. Denn: „Ich bin nicht so der Dokumentarfilmer.“ Er drehte Kinofilme wie „Stalingrad“, „Schlafes Bruder“, „Comedian Harmonists“ oder „Bergkristall“. Vor rund fünf Jahren filmte er eine „Traumreise durch Bayern“. Eine Dokumentation, bei der er den Freistaat vor allem von oben zeigte.

Damals habe er viele Motive aus dem Allgäu und Franken verwendet, erinnerte sich der Filmemacher. „Ich habe mich geweigert, die wieder herzunehmen.“ Deshalb sei das Schwabenland diesmal etwas kürzer gekommen, antwortete er auf den Einwand eines Zuschauers. Wer genau aufpasste, entdeckte dafür zum Beispiel eine Szene aus dem Kinofilm „Herbstmilch“, in der Dreschen wie anno dazumal gezeigt wird. Auch der Einmarsch der Amerikaner aus „Rama dama“ ist zu sehen.

Es wäre viel zu teuer gewesen, das alles neu zu drehen, erklärt der Filmemacher, warum er bei historischen Szenen auf vorhandenes Material zurückgegriffen hatte. Den Film habe er komplett selbst finanziert, betont er. Auch von den Firmen, die er in seinem Wirtschaftsblock vorstellt, „habe ich keinen Cent angenommen“. Auf seiner Reise durch Bayern zeigt Vilsmaier auch Kurioses. Den Himalaya-Park in Wiesent bei Regensburg zum Beispiel, auf den ihn der Musiker Haindling aufmerksam gemacht hatte. Oder das „Stüberl“, eine Rundsynagoge, die der als „Alpenjude“ bekannt gewordene Isak Schilling neben seinen historischen Bauernhof baute. Mit Lederhose und Kippa bekleidet, ging es zum Beten in die Synagoge. Eine Szene, über die Vilsmaier beim Erzählen noch immer lachen muss. Ebenso wie über die rasante Moderation von Kabarettistin Monika Gruber beim Ochsenrennen in Münsing: „Da war sie so gut drauf, dass wir die Szene nur ein Mal gedreht haben.“

Für manche Aufnahmen musste der Filmemacher tricksen. Das Neujahrsgebet der Benediktinermönche in Metten filmte er im Frühjahr. Damit der grüne Klostergarten durch die Fenster nicht zu sehen war, klebte das Filmteam sie mit Eisspray zu. Das klebte so gut, dass weder der Filmemacher noch die Mönche es wieder abbekamen. Vilsmaier erzählte: „Der Abt musste die Fenster auswechseln.“

25 Stunden Filmmaterial sammelte er für „Bayern – sagenhaft“. Ein Jahr dauerte die Arbeit im Schneideraum, bei der die Szenen ausgewählt wurden. „Es war eine furchtbare Arbeit“, erinnerte sich Vilsmaier. Ob er mit seiner Auswahl richtig lag, weiß er bis heute nicht. Spaß beim Drehen hatte das Team auf jeden Fall. Vilsmaier sagt selbst über seinen „kuriosen Reigen“: „Der ganze Film war schräg.“

Sein nächstes Werk ist schon in Arbeit. Vorlage ist der Roman „Briefe in die chinesische Vergangenheit“ von Herbert Rosendorfer. Weihnachten 2018 soll er in die Kinos kommen. Dann will Vilsmaier Aichach wieder besuchen.

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