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Aichach-Friedberg

16.07.2010

"Wenn es nicht bald regnet, wird es dramatisch"

Bauern im Landkreis Aichach-Friedberg befürchten wegen hoher Temperaturen gravierende Ernteausfälle bei Mais und Getreide. Futter für Rinder wird knapp. Von Gerlinde Drexler

Die Hitze macht nicht nur den Menschen zu schaffen. Auch die Natur leidet unter den hohen Temperaturen. Während der Wald das Wetter momentan noch gut wegstecken kann, hinterlässt der heiße, trockene Sommer gerade in der Landwirtschaft deutliche Spuren. Dort wünschen sich die Landwirte nichts sehnlicher als Regen.

Die Felder sind trocken und rissig, der Mais wächst im Vergleich zu den Vorjahren kümmerlich und der Weizen geht sogar schon in die Notreife. "Diese extreme Gluthitze vertragen auch die Pflanzen nicht", sagt Reinhard Herb, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). Genau wie der Mensch könnten auch die Pflanzen bei extremen Temperaturen keine Höchstleistungen bringen.

Der Mais liebt es zwar warm. "Aber er braucht zum Wachsen auch Wasser", sagt Herb. Etwas, das ihm zur Zeit extrem fehle. Die Folge ist, dass einige der Pflanzen sogar schon dürr werden und absterben. Auf vielen anderen Feldern ist der Mais nicht so hoch gewachsen, wie es um diese Zeit sein sollte. Außerdem ist jetzt die Zeit, in der die Pflanze die Kolben heranbildet. "Eine besonders kritische Phase", sagt der BBV-Obmann.

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Von den großen Kartoffeln, die zur Herstellung von Pommes Frites verwendet werden, werde es dieses Jahr nicht viele geben, glaubt er. "Es sind weniger und kleiner Kartoffeln." Der Grund ist der Wassermangel. Unterdurchschnittlich schlecht sei die Getreideernte ausgefallen. Ähnlich könnte es beim Winterweizen, der noch steht, aussehen, befürchtet Herb. Weil er kein Wasser hat, gehe er schon in die Notreife, was für die Landwirte erhebliche Ertragseinbußen bedeute. Auch der Raps leidet unter der Hitze und dem Wassermangel.

Lediglich die Zuckerrübe könne derzeit noch einiges kompensieren, wenn es bald regnen würde, sagt Herb. "Momentan kann sie die Witterung noch einigermaßen wegstecken." Längstens allerdings noch eine Woche, schätzt der Fachmann. Dann wird es auch hier kritisch. Selbst das Futter für die Rinder werde schon knapp, weil die Wiesen seit dem letzten Schnitt nicht mehr gewachsen sind. Weshalb Landwirte teilweise schon dazu übergehen, Weizen zu silieren, um den Verlust vom Mais als Futterpflanze für die Tiere auszugleichen.

Situation im Landkreis-Süden ist etwas entspannter

"Wenn es die nächsten Tage nicht wenigstens mal ein bisschen regnet, dann wird es dramatisch", fasst er die momentane Situation in der Landwirtschaft zusammen. Wobei es im Süden des Landkreises, wo die Böden schwerer sind und das Wasser besser halten können, etwas besser aussieht, als im Norden. "Auf den Sandböden ist die Situation dramatischer", sagt Herb.

"Noch ganz okay", sei laut Martin Hollfelder, stellvertretender Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung (WBV) zur Zeit die Lage im Wald. Kritisch werde es für die Altbäume erst, wenn es weitere 14 Tage nicht regnet und weiterhin so heiß bleibt. Die Frühjahrskulturen, die noch kein richtiges Wurzelwerk haben und deshalb nicht an die Wasserreserven tiefer im Boden kommen, leiden dagegen unter den Temperaturen. "Es kann sein, dass es da große Schäden gibt."

Etwas Gutes hat die Hitze allerdings doch. Denn Temperaturen um die 30 Grad sind auch dem Borkenkäfer zu viel. "Wenn es heiß wird, lassen seine Aktivitäten nach", sagt Hollfelder.

Das bedeutet auch, dass sich seine Population dann nur zögerlich entwickeln wird. Von Gerlinde Drexler

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