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16.09.2013

Wer Bauer ist, hat immer zu tun

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Der Inchenhofener Ortsteil Oberbachern ist Heimat von 65 Einwohnern. Viele gehen der Landwirtschaft nach

Inchenhofen-Oberbachern Gut drei Kilometer nordwestlich von Inchenhofen, zwischen einigen Maisfeldern und Hügeln, liegt der kleine Ort Oberbachern. Eine schmale, gewundene Straße führt durch ihn hindurch und windet sich dabei vorbei an Höfen und modernen Anlagen. Der saure Geruch von Biogasanlagen und Viehbetrieben liegt in der Luft und immer wieder dröhnen Traktoren vorbei. Es herrscht viel Betrieb in dem kleinen Örtchen mit seinen gut 65 Einwohnern: Oberbachern (Markt Inchenhofen) ist wohl einer der ganz wenigen Flecken in Bayern, an dem fast alle Einwohner noch immer Landwirte im Vollerwerb sind. So wollen die Tiere versorgt, die Felder abgeerntet, die Wiesen gemäht werden. Arbeit findet sich da immer.

Auch Landwirt Anton Heinrich ist bereits fleißig. Laut dröhnt sein Handmäher durch Oberbachern. Hund Bobby springt vor seinem Herrchen hin und her. Heute ist der große Garten dran, in dem einige Obstbäume wachsen. Es ist die tägliche Pflege, wie Heinrich erklärt. Mit einem Schulterzucken deutet er auf seinen Hof im Hintergrund. Vom Dach schimmern große Solarpaneele herunter. „Als Landwirt hat man eben nie Urlaub. Es gibt immer was zu tun.“ Kurz überlegt Heinrich, der bereits sein ganzes Leben in Oberbachern verbracht hat. Den Hof übernahm er von seinen Eltern. „Ich bin jetzt 45 und hatte so gesehen jetzt noch nicht einen Tag Urlaub.“ Das stört ihn jedoch nicht, wie der Landwirt anschließend mit einem Lächeln erklärt. „Hier fehlt sich nichts. Ich bin glücklich, so wie es ist.“ Arbeit, die hat Heinrich genug. So wirft er seinen Handmäher wieder an. Er will fertig werden.

Auf der anderen Straßenseite kommt in diesem Moment Florian Höger mit seiner Oma vorbei. Sie sind auf dem Weg in den eigenen Stall. Wie auch bei der Familie Heinrich von gegenüber gibt es hier gut 40 Milchkühe. Florian hat derzeit Sommerferien und ist der jüngste Spross der Högers, die 1955 den Hof übernahmen.

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Vor allem seine Großmutter Katharina erinnert sich noch gut daran. „Die Familie, die früher hier lebte, hatte keine Erben. Also haben sie meinen Mann adoptiert, damit er den Hof fortführt.“ Ja, das mit den Erben sei auch irgendwie generell ein Problem, seufzt Oma Katharina anschließend. Sie deutet auf Florian. „Aber er sagt jetzt schon, dass er mal Bauer wird. Das macht Hoffnung.“ Der 13-jährige Schüler nickt. Seine beiden älteren Brüder haben nämlich kein Interesse.

Richard Schwarz ist ebenfalls Landwirt im Vollerwerb und besitzt den größten Hof in Oberbachern. Gewaltige Maschinen stehen herum, im Hintergrund brummt eine Biogasanlage und auch bei ihm sind Solaranlagen auf den Dächern. Seit fünf Jahren ist Schwarz der Herr über den betriebsamen Hof, der inzwischen immer mehr zum Energieerzeuger wird. „Strom aus erneuerbaren Energien, das ist die Zukunft“, erklärt der Landwirt stolz. Auch, wenn es in der Vergangenheit oft Streit um seine Biogasanlage gab. Sogar ein Prozess musste deswegen geführt werden. Heute sei es jedoch ruhiger geworden, sagt er. Die Entscheidung, auf die neue Energie zu setzen, bereut Schwarz nicht. „Man muss immer weitermachen und neue Wege beschreiten. Stehen zu bleiben wäre der größte Fehler.“

Doch Oberbachern bietet auch einen Blick zurück in die Vergangenheit. Die kleine Hofkapelle des Ortes und vor allem der Hof der Familie Wittkopf legen davon Zeugnis ab. Dort wohnen heute noch Sophie Wittkopf und ihre Tante. Die beiden Frauen sind 77 und 87 Jahre alt.

Im ganzen Dorf kennt man sie, bei den Nachbarn sind sie beliebt. Auf gut 200 Jahre schätzt Sophie Wittkopf das Wohnhaus des Hofes. Genau kann sie es jedoch nicht sagen. „Ich bin hier geboren worden und da war es schon alt“, erklärt die lustige Frau lachend. Sie deutet auf den Stall des Hofes. Über dem Tor ist eine Gravur, die auf das Jahr 1905 zurückdatiert. „Der kam aber erst später dazu“, so Wittkopf weiter.

Als Urgesteine des Dorfes sehen sie sich die Frauen jedoch nicht. „In Oberbachern gibt es viele Familie, mit einer langen Tradition, die noch immer die Landwirtschaft würdig vertreten.“ Kurz muss Sophie schmunzeln. „Und übrigens: Um Urgesteine zu sein, sind wir noch viel zu jung!“

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