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Hintergrund

11.10.2019

Wer kandidiert wieder für den Kreistag von Aichach-Friedberg?

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Wer wird ab Mai 2020 im Kreistag sitzen? Einige Mitglieder treten bei der Kommunalwahl nicht mehr an, andere schon. (Archivfoto)

Plus Am Freitag nominieren CSU und SPD ihre Kreistagslisten für die Kommunalwahl. Darauf stehen zwei Kreisräte, die aktuell zusammen auf 100 (!) Dienstjahre kommen.

Im Vorfeld einer Kommunalwahl stellt sich für die Wähler vor allem die K-Frage: Wer kandidiert als Landrat, Bürgermeister, Kreis-, Stadt- oder Gemeinderat und für welche Partei oder Liste? Mindestens genauso interessant ist aber auch die genau gegensätzliche Fragestellung: Wer tritt 2020 nicht mehr an und warum?

Bei den Rathauschefs hat sich da der Bodennebel längst verzogen. Das Wittelsbacher Land steht im nächsten Jahr vor einem der größten kommunalpolitischen Umbrüche seit der Landkreisfusion 1972: insbesondere im nördlichen Landkreis, denn dort stehen neun von 16 Bürgermeistern nicht mehr zur Wahl. Im ganzen Landkreis sind es mit zwölf von 24 genau die Hälfte.

Darunter sind Rathauschefs wie zum Beispiel Josef Schwegler (Obergriesbach), Leonhard Kandler (Baar), Hans-Dieter Kandler (Mering) und Hans Lotterschmid (Kühbach) die dann 30, 26 oder wie die beiden Letztgenannten jeweils 24 Jahre im Amt waren. Zusammengerechnet enden so (mit dem Kissinger Bürgermeister Manfred Wolf, der schon heuer nach 23 Jahren aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat) zum 30. April im Landkreis Aichach-Friedberg insgesamt 237 Bürgermeisterjahre.

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Viel politische Erfahrung verabschiedet sich

Aber auch im neuen Kreistag, der im Mai seine Arbeit aufnimmt, wird politische Erfahrung fehlen, die über Jahrzehnte hinweg die Weichen im Wittelsbacher Land mit gestellt hat.

Wenn am Freitagabend die CSU und die SPD bei der Firma Finstral im Gewerbepark in Derching (Friedberg) und im Dasinger Bauernmarkt nahezu zeitgleich ihre Listen für die Kreistagswahl nominieren, dann werden einige bekannte Namen nicht mehr draufstehen.

Vom "wilden" Quartett bleibt nur noch Einer

Bei den Christsozialen gehört dazu Matthias Stegmeir. Der Rinnenthaler startete 1984 gemeinsam mit dem späteren Landrat Christian Knauer, Manfred Losinger und Peter Bergmair (von 2002 bis 2014 von der SPD nominierter Bürgermeister in Friedberg) als „Junge Wilde der CSU“ im Blauen Palais. Vom „wilden“ Quartett bleibt dann nur noch der heute nicht mehr ganz so junge Losinger, derzeit Stellvertretender Landrat, auf der Liste.

Stegmair, der heuer seinen 70. Geburtstag feierte, war insgesamt 24 Jahre Stellvertreter des Landrats und galt über Jahre hinweg als erste Führungsreserve seiner Partei. Nicht mehr auf der CSU-Liste kandidieren auch Hanni Held aus Andersbach (Stadt Aichach), die wie Stegmair im nächsten Jahr ebenfalls ununterbrochen seit 36 Jahren im Amt ist, und Josef Schwegler.

Bei den Genossen stellt sich der langjährige Kissinger Bürgermeister Manfred Wolf nicht mehr zur Wahl und steigt damit komplett aus der Kommunalpolitik aus. Seit 1990 ist Wally Walkmann aus dem Friedberger Ortsteil Bachern im Parlament des Landkreises und hört im nächsten Jahr ebenfalls auf.

Eine Personalie ist heikel

Dazu kommt die heikle Personalie Roland Fuchs: Der langjährige Fraktionschef im Kreistag verlässt nach internen Querelen in der Friedberger SPD die Partei und wechselt im Friedberger Stadtrat als parteifreies Mitglied in die CSU-Fraktion. Seit 1990 ist Fuchs im Kreistag und führt nahezu von Anfang an, also seit knapp drei Jahrzehnten, die SPD-Fraktion. Der 75-Jährige hat seit 45 Jahren ein rotes Parteibuch und kandidierte für seine Partei auch zweimal (1989 und 1996) als Landrat. Jetzt will er sich aus der Kreispolitik zurückziehen.

Wer sich in der Kommunalpolitik im Wittelsbacher Land nur ein klein wenig auskennt, der stellt sich beim Lesen der Auflistung der nicht mehr antretenden Kreisräte vermutlich längst die Frage nach zwei ganz bestimmten Namen, die noch nicht gefallen sind. Die werden doch nicht noch mal …? Doch, sie werden! Wenn die Floskel „Politisches Urgestein“ jemals seine Berechtigung hatte, dann für Rupert Reitberger (CSU, seit 1966) und Peter Feile (SPD, seit 1972). Sie gehören mit zusammen aktuell exakt 100 Dienstjahren sozusagen zum Inventar des Kreistags – und sie wollen 2020 noch mal antreten.

Kreisvorsitzende wollen nicht auf Erfahrung und Zugkraft verzichten

Auf ausdrücklichen Wunsch von Peter Tomaschko (CSU) und Sandra Lederer (SPD). Die zwei Kreisvorsitzenden sind im Vergleich zu diesem Duo wahre Jungspunde und sie wollen nicht auf die Erfahrung und auch nicht auf die Zugkraft der beiden verzichten.

Feile habe sich bereit erklärt, die Partei noch mal zu unterstützen, berichtet Lederer. Er soll einen Platz in der Mitte der Liste einnehmen.

Reitberger musste über Monate hinweg geradezu weichgeklopft werden, erzählt Tomaschko. Er habe nämlich frühzeitig angekündigt, nicht mehr anzutreten, doch die Kollegen hätten einfach nicht locker gelassen. Reitberger soll auf dem symbolträchtigen letzten Listenplatz 60 stehen. Von dort aus noch mal den Sprung in den Kreistag zu schaffen, ist sehr schwierig. Beim Bekanntheitsgrad von Reitberger durch seine vielen Ehrenämter über fast sechs Jahrzehnte hinweg in Kommunalpolitik, Sozialverbänden, Musik, Sport und Gartenbau im Wittelsbacher Land aber auch nicht unmöglich.

Seit 53 Jahren im Kreistag

Der Igenhausener (Hollenbach) ist seit über 53 Jahren (neunte Wahlperiode) im Kreistag. So eine kommunale Serie gibt es heute schon in Bayern und laut früherer Auskunft des Landkreistags vermutlich auch in ganz Deutschland nicht mehr. Bei einer Wiederwahl wäre es Reitbergers zehnte Wahlperiode in Folge.

Der 81-Jährige ist Peter Feile (SPD) aber nur eine Länge voraus. Der Friedberger ist heuer 80 geworden und seit der Gründung des Landkreises ununterbrochen Mitglied im Kreistag von Aichach-Friedberg. Seit 1991 ist der frühere Bundestagsabgeordnete auch durchgehend bis heute Stellvertreter von drei Landräten. Zuerst von Theo Körner, dann von Christian Knauer und jetzt von Klaus Metzger.

Lesen Sie auch: Kreispolitik: Der doppelte Fuchs-Wechsel wühlt die Kreisräte auf

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