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Asyl im Wittelsbacher Land

04.02.2016

Wessiszeller fürchten um ihre Privatsphäre

Zahlreiche Zuhörer waren ins Feuerwehrhaus gekommen, um ihre Kritik an den Unterbringung weiterer Flüchtlinge in Wessiszell vorzubringen.
Bild: Peter Stöbich

Bei der Infoveranstaltung wird es laut. Die Unterbringung von weiteren Flüchtlingen stößt bei Nachbarn auf Kritik.

Der Wunsch von Sieglinde Jacob, Integrationsbeauftragte der Verwaltungsgemeinschaft Dasing, die Vorurteile möglichst im Keim zu ersticken, ging an diesem Abend nicht in Erfüllung. Zu groß ist offensichtlich die Angst vor dem Fremdartigen und davor, „dass die dauernd über unseren Gartenzaun schauen und die Privatsphäre stören“, wie es aus den Reihen der Anwohner hieß. Bemängelt wurde ebenso die fehlende Infrastruktur, denn in Wessiszell gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten und kaum Busverbindungen.

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Doch auch andernorts und schon vor einigen Jahren in Dasing habe man solche Probleme gemeinsam lösen können, sagte 2. Bürgermeisterin Anne Glas. Sie hatte Mühe, die emotionale Diskussion in geordnete Bahnen zu lenken, und versuchte die Kritiker zu beruhigen: „Falls es wirklich irgendwelche Schwierigkeiten geben sollte, kennen Sie jetzt ja die richtigen Ansprechpartner!“

Höchstens 15 Personen will das Landratsamt kommende Woche in Wessiszell unterbringen. Ob das Familien sein werden und welcher Herkunft, konnte Sabine Altmann, die stellvertretende Sachgebietsleiterin im Landratsamt, den Bürgern nicht beantworten. „Die Regierung schickt uns die Leute einfach und wir müssen dann schauen, dass wir sie irgendwie unterbringen können.“ Das werde bei rund 60 Neuankömmlingen pro Woche immer schwieriger; momentan gibt es im Landkreis bereits mehr als hundert dezentrale Unterkünfte und insgesamt 1600 Asylsuchende.

Wessiszeller fürchten um ihre Privatsphäre

Auch im südlichen Landkreis regt sich Widerstand gegen Pläne des Jugendamts, in einem Haus in der Kissinger Nelkenstraße unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einzuquartieren (wir berichteten); Nachbarn haben dort bereits eine Unterschriftenaktion organisiert und trafen sich zu einem Gespräch mit Mitgliedern des Gemeinderats.

In Dasing erläuterte Altmann den üblichen Aufnahme- und Verteilmodus; sie betonte, dass allein das Bundesamt für Migration über Ablehnung oder Bleiberecht entscheide. Um die vorgebrachte Kritik zu entkräften, sagte Jacob „Glauben Sie bloß nicht alles, was Sie über Flüchtlingsquartiere zu hören bekommen!“ Dort gebe es weder Köchinnen noch Putzfrauen, sondern nur das Notwendigste.

Anne Glas wies darauf hin, dass der Deutschunterricht in der Gemeinde gut funktioniere. „Und jene Flüchtlinge, die schon länger bei uns sind, können den Neuankömmlingen ebenfalls helfen – es kommen Menschen und keine Monster!“ Nachdem alle Argumente zum Teil recht lautstark ausgetauscht waren, trugen sich etliche Zuhörer in Listen für einen neuen Helferkreis ein; Jacob verteilte im Feuerwehrhaus den Leitfaden des Landratsamts für Ehrenamtliche.

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