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Verkehr

19.10.2017

Westumfahrung Mühlhausen steckt in der „Endlosschleife“

Viel Verkehr herrscht auf der Ortsdurchfahrt in Mühlhausen - zu den Stoßzeiten, aber auch am Nachmittag. Die Staatsstraße Richtung Augsburg ist viel befahren. Links im Hintergrund zweigt die Staatsstraße Richtung Rehling ab.
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Viel Verkehr herrscht auf der Ortsdurchfahrt in Mühlhausen - zu den Stoßzeiten, aber auch am Nachmittag. Die Staatsstraße Richtung Augsburg ist viel befahren. Links im Hintergrund zweigt die Staatsstraße Richtung Rehling ab.
Bild: Josef Abt

Diese Befürchtung hegt der Affinger Gemeinderat, nachdem ein neuer Fahrplan vorliegt. Ein Baubeginn ist nicht in Sicht. Dabei ist die aktuelle Verkehrsprognose eindeutig

Es gibt Senioren in Mühlhausen, die trauen sich gar nicht mehr auf die Straße. Wegen der Verkehrslawine in der Ortsdurchfahrt würden sie sich sogar davor fürchten, den Gehweg zu benutzen. So schlimm sei die Lage inzwischen in dem Affinger Ortsteil, erzählte Zweiter Bürgermeister Gerhard Faltermeier am Rande der Gemeinderatssitzung am Dienstag. Der Leidensdruck der Anwohner an der Staatsstraße ist also groß. Groß ist er aber auch bei den vielen Pendlern, die des morgens gen Augsburg unterwegs sind. Doch daran ändern wird sich so schnell nichts.

Denn eine Realisierung der Westumfahrung steht in weiter Ferne. Bürgermeister Markus Winklhofer sagte im Gemeinderat, als er den Fahrplan für das Projekt (siehe Info-Kasten) präsentierte: „Das ist für alle Beteiligten heute kein guter Tag.“ Auch zehn Jahre nach dem Grundsatzbeschluss für die Westumfahrung ist kein Baubeginn in Sicht, lediglich ein möglicher Planfeststellungsbeschluss im Jahr 2020 – wenn aufgrund der Einwendungen beim vorausgehenden Erörterungstermin nicht sogar noch eine Planänderung nötig ist. Dabei untermauert das aktualisierte Verkehrsgutachten eine weitere Zunahme an den neuralgischen Punkten in Mühlhausen.

Das neue Gutachten von Professor Harald Kurzak, das der Gemeinderat im Sommer 2016 in Auftrag gegeben hatte, liegt seit September vor. Die grundlegende Aussage darin lautet so: „Die Belastung der Ortsdurchfahrt Mühlhausen ist seit den letzten Zählungen im Jahr 2009 weiter angestiegen.“ Vor allem der Durchgangsverkehr auf der Staatsstraße 2035 (Mühlhausen-Augsburg) und der Staatsstraße 2381 (Mühlhausen-Rehling) habe um über zehn Prozent zugenommen (siehe auch Grafik). Am südwestlichen Ortsrand ist die Staatsstraße 2035 dem Gutachten zufolge mit 17300 Fahrzeugen pro Tag belastet, 2009 waren es 15100. Im westlichen Bereich in Richtung Affing und Bergen haben sich die Zahlen mit 11000 Fahrzeugen täglich hingegen kaum verändert. Auf der Staatsstraße 2381 ist der Verkehr von 8500 auf 9300 Fahrzeuge gestiegen. Der Blick in die Zukunft sieht nicht besser aus: Bis 2035 rechnet der Gutachter mit einer weiteren Zunahme um 15 Prozent.

Eine Westumfahrung könnte hier effektiv helfen. Für sie prognostiziert Kurzak 8200 Fahrzeuge täglich, davon sechs Prozent Schwerlastverkehr. In Mühlhausen würde das am südwestlichen Ortsrand eine Entlastung um 42 Prozent und am nördlichen Ortsrand sogar um 76 Prozent bedeuten. Kurzak betont: „Die Westumfahrung Mühlhausen ist als eigenständige Maßnahme, unabhängig von einer möglichen Umfahrung Affing, vollständig verkehrswirksam.“

Doch von einer Realisierung ist man derzeit weit entfernt. Das Problem: Man müsse eine „maximale rechtliche Sicherheit“ erlangen, betonte Bürgermeister Winklhofer. Denn bekanntlich herrscht in den Ortsteilen Gebenhofen und Anwalting eine breite Ablehnung der Mühlhausener Umgebung und der ebenfalls geplanten Affinger Umfahrung. Deshalb schwebt ein drohender Rechtsstreit über der Planung. Nun müssen wieder die neuesten Zahlen des Verkehrsgutachtens in der schalltechnischen Untersuchung und in der technischen Planung berücksichtigt werden. Daneben sind die artenschutzrechtliche Prüfung und der Landschaftspflegerische Begleitplan zu aktualisieren. Letztere müssen komplett neu angefertigt werden, weil das existierende Gutachten schon wieder zu veralten droht. Dabei hatte man exakt wegen dieses Gutachtens bereits 2013 das Planfeststellungsverfahren ruhen lassen müssen. Die Haltbarkeit dieser Erhebung, die sich zum Beispiel des Lebensraums von Kiebitzen annimmt, beträgt allerdings nur fünf Jahre.

Gemeinderat Helmut Merwald sprach deshalb davon, dass er sich wie in einer Endlosschleife fühle. Er fasste damit den Frust der Affinger Gemeinderatsmehrheit in Worte, aber auch der Bevölkerung. Und er fragte sich angesichts der Verkehrsprognose: „Wie soll das dann noch tragbar sein?“ Mit Ausnahme der Gemeinderäte aus Gebenhofen und Anwalting war sich der Gemeinderat einig, dass alle Möglichkeiten zur Beschleunigung des Verfahrens ausgeschöpft werden sollten.

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