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Aichach-Friedberg

12.06.2020

Widerstand im Wittelsbacher Land gegen Tariferhöhung des AVV

Der Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund (AVV) will zum 1. Juli die Tarife erhöhen. Dagegen regt sich Widerstand im Wittelsbacher Land.
Bild: Marcus Merk (Symbolfoto)

Plus Die Kreistagsfraktionen von SPD, Grünen und ÖDP kritisieren die Verteuerung des Nahverkehrs als falsches Signal. Sie wollen, dass die Erhöhung ausgesetzt wird.

Die Tariferhöhung, die der Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund (AVV) zum 1. Juli plant, stößt im Wittelsbacher Land auf Widerstand. Im Schnitt sollen die Tickets rund fünf Prozent mehr kosten. Die Kreistagsfraktionen von SPD, Grünen und ÖDP fordern in Pressemitteilungen die Aussetzung der Erhöhung. Hinter dem AVV stehen die Stadt und der Kreis Augsburg sowie die Landkreise Aichach-Friedberg und Dillingen.

Hans-Dieter Kandler, SPD-Fraktionsvorsitzender, sagt: „Wenn der Nahverkehr eine attraktive Alternative zum Auto darstellen soll und wir den Klimaschutz wirksam voranbringen wollen, dürfen wir nicht mit Preissteigerungen arbeiten.“ Die sinkenden Fahrgastzahlen zeigten, dass der ÖPNV als zu unattraktiv wahrgenommen werde. „Dazu tragen die Preise definitiv bei“, so Kandler.

Sein Stellvertreter Andreas Santa ergänzt, unter der Erhöhung würden besonders Menschen auf dem Land leiden, die auf den Nahverkehr angewiesen seien. Eine Preissteigerung sei nur vertretbar, wenn das Angebot deutlich verbessert werde. In diesen ohnehin schwierigen Zeiten sei es nicht vertretbar, die Bürger noch stärker zu belasten. Stellvertretende Landrätin Silvia Rinderhagen befürchtet, die Bürger könnten noch öfter auf das eigene Auto zurückgreifen.

Widerstand im Wittelsbacher Land gegen Tariferhöhung des AVV

SPD: "Teufelsspirale" durch Tariferhöhung des AVV

Die SPD ist der Meinung, die niedrigen Dieselpreise, die Senkung der Mehrwertsteuer und die Finanzspritze des Bundes von 2,5 Milliarden Euro seien Gründe genug, die Tariferhöhung auszusetzen. Durch die Preiserhöhung befürchtet sie eine „Teufelsspirale“: Weitere Fahrgäste gingen verloren, neue würden nicht gewonnen.

Diese Sorge teilen die Grünen. Stellvertretender Fraktionsvorsitzender Stefan Lindauer sagt, eine Erhöhung der Ticketpreise werde keinesfalls mehr Menschen dazu bewegen, das Auto stehen zu lassen. Fraktionsvorsitzende Marion Brülls sagt, angesichts des Klimawandels und der Erderhitzung habe in den vergangenen Jahren ein Umdenken weg vom Individualverkehr hin zum ÖPNV stattgefunden. Durch bessere Angebote im öffentlichen Nahverkehr hätten Fahrgastzahlen und Aboverkäufe zugenommen. Diese Erfolge stünden nun auf dem Spiel.

Die angekündigte Tariferhöhung beim AVV sorgt für Debatten.
Bild: Wyszengrad

Grüne wollen ein 365-Euro-Ticket für alle

Brülls verweist auf die Deutsche Bahn, die die Ticketpreise senkt und damit die Mehrwertsteuersenkung an ihre Kunden weitergibt. Inzwischen gäben zahlreiche Kunden ihre AVV-Abos zurück, so Brülls. Stefan Lindauer findet, es sei der richtige Zeitpunkt, erneut über ein 365-Euro-Ticket für alle zu diskutieren, um den ÖPNV fit für die Zukunft zu bekommen und Fahrgastzahlen zu steigern.

Auch die ÖDP sieht, wie Fraktionsvorsitzende Berta Arzberger schreibt, die Preiserhöhung zusammen mit dem verringerten Takt als „völlig falsches Signal“ an den Verbraucher. Fahrgäste, die vielleicht aus Umweltverantwortung auf den AVV umgestiegen seien oder umsteigen wollten, würden verprellt, so Arzberger. Die Verbraucher zögen derzeit, um die Ansteckungsgefahr zu mindern, das eigene Auto dem ÖPNV vor, zumal auch die Spritkosten niedrig sind. „Eine Umkehr des Klimawandels kann auf diese Weise nicht vorangebracht werden“, so Arzberger. Zudem treffe die Erhöhung vorrangig Menschen mit geringem Einkommen, die sich kein Auto leisten können.

ÖDP: AVV soll Preise senken statt erhöhen

Der Landkreis soll deshalb auf den AVV einwirken, die Preise nicht zu erhöhen und dazu die Mehrwertsteuersenkung wie die Deutsche Bahn an die Kunden weiterzugeben. Außerdem soll der AVV die Taktminderung zurücknehmen, um für die Fahrgäste attraktiv zu sein, insbesondere bei der Linie 6, für die Besucherströme aus Augsburg zur Landesausstellung. Um das Defizit auszugleichen, sollten Fördermittel aus dem Pandemie-Maßnahmenpaket des Bundes und der Länder beantragt werden, und falls diese nicht reichen, eine Erhöhung der Mittel.

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