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Gastronomie

26.05.2020

Wie Brauereien in Aichach-Friedberg unter der Corona-Krise leiden

Auch im Sudhaus der Brauerei Kühbach ist die Produktion zurückgefahren worden. Es wurde aber kein Bier weggeschüttet.
Bild: Brauerei Kühbach

Plus Wegen der Corona-Pandemie wurden Feste abgesagt und Gaststätten geschlossen. Lokale Brauer stellt der sinkende Bierabsatz vor ein Problem.

2500 Liter Bier. So viel hat der Aichacher Brauer Norbert Zandtner in den Abguss kippen müssen. 2500 Liter von seinem Hinterhof-Bräu. Er hatte keine Flaschen, keine Fässer mehr, um das Bier abzufüllen. „Und so ein Bier hat natürlich auch eine Haltbarkeit“, sagt Zandtner. Er klingt am Telefon resigniert, es ist ihm sehr schwergefallen, sein eigenes Bier wegzuschütten. „Aber eine andere Möglichkeit habe ich nicht mehr gesehen.“ Damit so etwas nicht wieder vorkommt, hat er den nächsten Schritt gemacht: Er hat die Bierproduktion eingestellt. Bis nach Corona. Es sei wirtschaftlich nicht mehr zu tragen gewesen. „Eine Brauerei hat enorme laufende Kosten“, erklärt Zandtner. Er hat als Ersatz einen neuen Job begonnen, um finanziell durch die Monate ohne Brauerei zu kommen. Seine Kneipe will er dagegen weiterbetreiben. Wenn sein eigenes Bier aus ist, schenkt er dort Bier von anderen kleinen Brauereien ein. „Dann hält man zumindest zusammen.“

Auch bei größeren Brauereien ist der Bierabsatz rückläufig. Bei der Schlossbrauerei Unterbaar geht der Absatz im Mai um die 30 Prozent zurück. Laut Brauereichef Franz Freiherr Groß von Trockau ist bereits seit März die Produktion zurückgegangen. „Die Unsicherheit war groß, es gab schon bei manchen Festen Absagen“, so Groß von Trockau. Im Flaschenbier-Bereich verzeichnet die Brauerei zwar ein Plus. Das kompensiere aber natürlich nicht die Gastronomie, Vereinsheime und Feste. Und selbst, wenn die Gastronomie jetzt wieder öffnet, ist sich Groß von Trockau sicher: „Es wird nicht zu einem Umsatz kommen, wie wir das vor der Pandemie gekannt haben.“

Brauerei Kühbach: Aktionen sollen Bierverkauf ankurbeln

Auch bei der Brauerei Kühbach wurde die Produktion frühzeitig zurückgefahren, wie Chef Umberto Freiherr von Beck-Peccoz berichtet: „Um etwa 30 Prozent. Es gab auch Wochen, in denen wir gar keinen Sud eingekocht haben. Gott sei Dank mussten wir so kein Bier wegschütten.“ Stattdessen ließ sich die Brauerei allerhand Aktionen einfallen: „Wir haben Maßkrüge oder Weizengläser den Kästen beigelegt oder Verlosungen gemacht.“ In den sozialen Medien wurde das laut Beck-Peccoz gut angenommen: „Wir wollten ein bisschen die Stimmung in dieser schwierigen Zeit heben, die Rückmeldungen waren positiv.“ Mit dem Flaschenverkauf ist Beck-Peccoz zufrieden, aber er betont: „Das kann die Ausfälle aber bei Weitem nicht auffangen.“ Dennoch bleibt der Kühbacher Brauereichef optimistisch: „Die Bestellungen ziehen seit Öffnung der Biergärten wieder an. Ich hoffe, dass sich der Absatz bald wieder normalisiert.“ Nur ein Bier wird es in diesem Jahr nicht mehr geben: „Da alle Feste abgesagt werden, brauen wir auch kein Festbier.“

Thomas Reißner von der Brauerei Berabecka Boandl-Bräu kurz vor einer Bierausfahrt. In der Corona-Zeit hat die Brauerei Bier vom Fass auf Fahrradtouren ausgeliefert.
Bild: Manfred Fritsch

Manfred Fritsch von Berabecka Boandl-Bräu in Oberbernbach ( Aichach) hat, während die Kneipen geschlossen waren, sein Bier im Fass per Fahrrad ausgeliefert. „Wenn der Gast nicht mehr in die Kneipe kommen kann, muss eben der Wirt zum Gast kommen“, sagt Fritsch und lacht. Als Mitte März die Kneipen schließen mussten, sei er erst in eine Schockstarre verfallen. „Der Bierumsatz ist natürlich komplett abgebrochen.“ Am Osterwochenende habe er mit seinem Ausfahrservice für frisches Fassbier angefangen. Ab dann fuhr er an Wochenenden durch Aichach und die Stadtteile Oberbernbach und Ecknach. Auch in der Richtung von Schrobenhausen waren Fritsch oder seine Mitarbeiter unterwegs. Per E-Mail, Telefon oder auch über den Kurznachrichtendienst WhatsApp konnten Kunden Bier bestellen, und das Fass kam zu ihnen. Viele kamen auch spontan mit Krügen vorbei, wenn sie das Fahrrad sahen. Laut Fritsch kamen ihm gerade in den ersten Wochen nur freundliche Gesichter entgegen. „Man hat das Gefühl gehabt, die meisten waren froh, irgendwen zu sehen“, sagt er. Das könne man gar sich nicht vorstellen, wenn man es nicht gesehen habe.

Den Bier-Lieferservice hat Fritsch inzwischen eingestellt, er hat nur so lange funktioniert, wie die Leute auch zu Hause waren. Er ist aber froh darum, wie gut es in den letzten Wochen gelaufen ist. „Die Leute waren sehr großzügig, die haben das Bier auch aus Solidarität gekauft“, sagt Fritsch. Jetzt startet die Wiedereröffnung der Kneipen. Allerdings laut Fritsch „mit angezogener Handbremse“. Die Kunden seien im Moment noch eher verhalten, hätten wahrscheinlich noch Angst.

Canada-Weißbierbrauerei: Wirt bleibt optimistisch

Um die Zeit ohne Gastwirtschaft zu überbrücken, hat die Canada-Weißbierbrauerei in Obermauerbach (Stadt Aichach) Bier aus der Flasche angeboten. „Wir mussten ja irgendwas machen“, sagt Brauereichef Rainer Knauer. Sie haben alle Flaschen, die sie dahatten, per Hand befüllt und verkauft. Als die Flaschen aus waren, mussten sie immer wieder darauf warten, dass die Leute ihre Flaschen bringen. „Es war lustig und nett“, sagt Knauer. Aber es sei mehr ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen.

Wegschütten mussten sie nichts, aber auch die Brauerei muss ihre Produktion zurückfahren. „Wenn es zu viel wird, dann braut man halt ein paar Wochen nicht“, so Knauer. Sie hätten sowieso einen eher überschaubaren Verkauf außerhalb der eigenen Wirtschaft. Wichtiger sei für ihn finanziell die Gastwirtschaft, die jetzt wieder anläuft. „Die Leute unterstützen uns toll“, sagt Knauer. Aber durch die Beschränkungen seien sie ziemlich schnell voll. „Meistens sind weniger als 50 Prozent der üblichen Plätze besetzt.“ Ohne zu wissen, wie es mit den Corona-Regelungen weitergeht, sei es schwer zu planen. Trotzdem bleibt der Wirt optimistisch: „Man muss das Beste daraus machen. Irgendwas geht immer!“ (mit sry-)

Einen Kommentar zu dem Thema finden Sie hier: Bier in der Corona-Krise: Ein Prosit aus Solidarität

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