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Aichach-Friedberg

14.09.2015

Wie Gebäude Geschichte erzählen

In guter Well-Manier griff Hausherr Helmut Well (vorne links) beim Tag des offenen Denkmals in die Akkordeontasten. Knapp 50 Gäste waren bereits bei der ersten Führung unter Leitung von Kreisheimatpflegerin Susanne Kühnlein-Vollmar am Sonntagvormittag beim Rundgang durch die alte Mühle dabei.
Bild: Vicky Jeanty

Beim Tag des offenen Denkmals erhielten die Besucher in Unterschneitbach (Aichach) und Schiltberg Einblicke in die Vergangenheit.

Aichach-Unterschneitbach/Schiltberg Die alte Mühle in Unterschneitbach, der Hofberg in Schiltberg samt der örtlichen Pfarrkirche St. Maria Magdalena genießen besondere Aufmerksamkeit am gestrigen Tag des offenen Denkmals. Die ortsprägenden Gebäude stehen im Zentrum des Interesses zahlreicher Besucher.

Die denkmalgeschützte Mühle im kleinen Aichacher Stadtteil Unterschneitbach empfängt zur ersten von drei Führungen Punkt 11 Uhr knapp 50 Interessierte. Kreisheimatpflegerin Susanne Kühnlein-Vollmar gibt ihnen einen ersten Einblick in die Historie und vor allem in die laufenden Restaurierungsarbeiten.

Bekanntlich haben Helmut und Sylvia Well die vom Verfall bedrohte Mühle vor drei Jahren gekauft mit dem Anspruch, das fast 400 Jahre alte Gebäude originaltreu zu restaurieren. „Ich freu mich jeden Tag, am Haus zu arbeiten“, sagt Well.

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Der Profi-Schreiner im Ruhestand schätzt die alte Handwerkskunst, auf die er immer wieder stößt. Das bestens erhaltene Gebälk, uralte Fensterläden. „Alles Handarbeit“, die er im gleichen Stil genauso wieder anbringen will. An der Wand lehnen geschwungene Fensterumrahmungen aus Holz, von Well eigenhändig angefertigt. An den Außenwänden hat der Maurer Ritzereien im Putz entdeckt und vorsichtig abgenommen. „Die kommen alle wieder ran“, so Well.

Noch steigen die Besucher über provisorische Stiegen und Holzbohlen ins Innere des Gebäudes. „Putz von 1900, Putz von 1690“ – Hinweise an teilweise abgeklopften Wänden verweisen auf diverse Bauetappen. Ein Ehepaar aus Aichach, selbst altbauerprobt, hat so seine Zweifel. Ob jemals die Feuchte aus dem Mauerwerk kommt? Unterkellert ist das Gebäude nicht, die Paar fließt direkt an der Haustür vorbei. Anschauen schon, aber drin wohnen? Nein, so die prompte Antwort eines Meringer Paars. Ähnlich äußern sich Besucher aus Friedberg.

Dabei versprechen die vier geplanten Wohneinheiten in der Mühle samt angrenzendem Austragshäusl einiges an Wohnqualität. Allein 180 Quadratmeter misst das Loft im Dachgeschoss. Hier erwartet Kreisbaumeister Johannes Neumann die Gäste, um über die diffizile Dachrestaurierung Auskunft zu geben. Helmut Well spielt ein paar Melodien auf dem Akkordeon, geht auf die Fragen der Besucher ein. Er selbst hat sich gegenüber der Mühle einen praktischen Quadratbau hingestellt. „Zu was Altem gehört was Neues hin“, meint er. Seine Frau Sylvia bevorzugt den Neubau.

Am Nachmittag ist Stelldichein auf der Hofbergbühne in Schiltberg. Landrat Klaus Metzger, Bürgermeister Josef Schreier und Kreisheimatpfleger Michael Schmidberger heißen die Gäste willkommen. Als „eine Perle im Wittelsbacher Land“ bezeichnet der Landrat die einstige Burganlage, die seit vielen Jahren ihr Renommee der Hofberg-Freilichtbühne verdankt. Gut 80 Besucher lassen sich von Schmidberger in die geschichtlichen Ursprünge, Irrungen und Wirrungen der einst stolzen Burg einweisen.

Im Anschluss geht es bergauf, bergab, durch die bewaldete Burganlage. Dank minutiöser Erläuterungen auf der Karte folgt man dem einstigen Burgwall, rekapituliert gedanklich, wo wohl die Zugbrücke war, rutscht unverdrossen wieder talwärts. Neuland, erstaunlicherweise auch für etliche Schiltberger und Kühbacher.

Zu Fuß geht es zur Pfarrkirche St. Maria Magdalena. Detailliert gehen Kreisarchivpfleger Helmut Rischert und Kreisheimatpfleger Hubert Raab auf deren Historie ein, die bereits um 1189 dank der Patronatsrechte des Deutschen Ritterordens ihren Ursprung nahm. Blickfang ist der 1173 errichtete gotische Turm, im Innern sind das zweifellos die um 1754 gemalten Fresken des Mittenwalder Künstlers Johann Dieffenbrunner.

Mit 621 Baudenkmälern allein im Wittelsbacher Land, so der Landrat, bleibt der Landkreis ein wahres Eldorado sehenswerter Altertümer. Die Besucher-Resonanz spricht für sich.

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