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Geschichte

03.04.2016

Wie aus den Mooswiesen bei Todtenweis fruchtbares Land wurde

Bei der Achregulierung  wurden sogenannte Loren auf Feldbahnen zum Abtransport des Aushubs verwendet. Im Hintergrund die östliche Lechleite zwischen Sand und Bach.
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Bei der Achregulierung  wurden sogenannte Loren auf Feldbahnen zum Abtransport des Aushubs verwendet. Im Hintergrund die östliche Lechleite zwischen Sand und Bach.
Bild: Repro Franz Riss

Vor 90 Jahren wurde mit dem damals größten Projekt in Bayern begonnen, um Überschwemmungen zu vermeiden. Die Friedberger Ach ist seither auf knapp 13 Kilometern Länge im Lechfeld begradigt

Im August 1926 begann das Mammutprojekt: Die Regulierung der Friedberger Ach. Damit verbunden war die Trockenlegung der Mooswiesen im Lechfeld von Mühlhausen bis nach Thierhaupten. 1,4 Millionen Reichsmark kostete das Unternehmen, das vom Kulturbauamt Ingolstadt projektiert und geleitet wurde. 500 Arbeiter aus dem Notstandsprogramm zur Beschäftigung arbeitsloser Menschen waren zeitweise daran beteiligt. Es umfasste die Gemarkungen der fünf Gemeinden Mühlhausen, Anwalting, Rehling, Todtenweis und Thierhaupten.

Initiator und treibende Kraft war der Bürgermeister von Todtenweis, Josef Riß. Er war zum Vorsitzenden des Zweckverbandes zur Regulierung der Friedberger Ach und der Entwässerung des Achmooses gewählt worden. 600 Grundstücksbesitzer aus 15 Orten waren daran beteiligt. Wie Josef Riß in seinen Erinnerungen notierte, war die Idee der Achregulierung schon in seinem ersten Amtsjahr als Bürgermeister 1912 geboren. In diesem regenreichen Jahr war es zu großen Überschwemmungen der Ach in Todtenweis-Sand gekommen. Es hatte viele Beschwerden von Ach-Anrainern über den Mühlenbesitzer Wiesmüller gegeben, dem wegen angeblich unzureichender Achräumung die Schuld an den Überschwemmungen gegeben worden war. Der Bürgermeister sah sich die Situation vor Ort an und stellte fest: Nicht der Müller in Sand war schuld, sondern die Gemeinde Rehling im Oberlauf der Ach. Sie war ihren Räumverpflichtungen nicht nachgekommen. Deshalb verfasste Josef Riß eine Beschwerdeschrift an das Kulturbauamt Ingolstadt und machte dabei erstmals den Vorschlag für eine Regulierung der Friedberger Ach.

Doch der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 und die Nachkriegsjahre verzögerten die Umsetzung. 1920 nahm der Bürgermeister die Pläne wieder in die Hand und stellte die Anträge beim Kulturbauamt Ingolstadt. Die Planungen zogen sich über fünf Jahre hin. Das Kulturbauamt rechtfertigte sich nach einer Landtagsanfrage für diese lange Zeit: „… dass die Bearbeitung eines so umfangreichen Projektes – wohl das größte in ganz Bayern – besonderer Sorgfalt bedarf“.

Wie aus den Mooswiesen bei Todtenweis fruchtbares Land wurde

Bei Versammlungen versuchte der Bürgermeister, die Grundstücksbesitzer der Mooswiesen zu überzeugen und ihr Einverständnis für das Gemeinschaftsprojekt zu gewinnen. Für die Wiesenbesitzer war das Unternehmen trotz Zuschüssen mit hohen Kosten verbunden. Viele sahen zunächst nur die Ausgaben. Die meisten von ihnen waren Kleinbauern, die aus Todtenweis und aus den benachbarten Gemeinden Aindling, Gaulzhofen, Stotzard, Edenhausen, Pichl, und Binnenbach kamen. Sie hatten die vielen kleinen Grundstücke nach der Rodung des Lechfeldes in den vergangenen Jahrhunderten für wenig Geld erwerben können.

Die Grundstücke bestanden größtenteils aus versumpften, mit sauren oder für die Landwirte minderwertigen Gräsern bewachsenen Wiesen. Durch dieses „Lechfeld-Moos“ floss die Friedberger Ach. Mit ihren jährlichen Überschwemmungen trug sie zum Erhalt des Moosgrundes bei. Die Feuchtwiesen waren oft nur als Streuwiesen zu verwenden. Das Gras ließen die Bauern bis in den Spätsommer oder Herbst hinein stehen. So wurden die Halme trockener, haltbarer und saugfähiger. Die Wiesen wurden nur einmal im Jahr mit der Sense gemäht. Nach kurzem Trocknen wurde der Stall mit der gewonnenen Einstreu ausgelegt.

Nach der Überzeugungsarbeit des Bürgermeisters wurde der Zweckverband in Todtenweis gegründet. Ihm gehörten 15 Orte an. In den folgenden vier Jahren wurde die Friedberger Ach in einer Länge von 12,6 Kilometer reguliert und begradigt. Die Achwiesen wurden auf einer Fläche von 1400 Hektar (4200 Tagwerk) entwässert.

Zur Vermeidung von Überschwemmungen wurden zwei Flutkanäle erstellt und zwei Wehre mit selbsttätiger Hochwasserableitung an der Ach gebaut: Flutkanal I zwischen Bach und dem Lech in einer Länge von 1,6 Kilometer mit dem Wehr westlich von Bach und Flutkanal II zwischen Anwalting und Sand in einer Länge von 6,8 Kilometer mit einem Wehr unterhalb von Anwalting. Für Flutkanal II wurde im Unterlauf teilweise das Bachbett des ehemaligen Riedgrabens verwendet. Deshalb nennen ihn die Todtenweiser bis heute Riedgraben.

Zudem wurden einige Unterläufe der einmündenden Gewässer wie Kabisbach (zwischen Todtenweis und Bach), Gamlinggraben (zwischen Unterach und Sand) und Affinger Bach (im Bereich von Anwalting) begradigt und teilweise in neue Bachbetten verlegt. Für die Entwässerung der Mooswiesen wurden drei Entwässerungsgräben von fünf Kilometern Länge angelegt.

Da die Grundstücke jetzt trocken waren, hatten sie einen wesentlich höheren Wirtschaftswert. Eine großzügige Grundstückseinteilung durch Zusammenlegung kleinerer Grundstücke zu großen landwirtschaftlichen Flächen sowie der Ausbau der Feldwege erleichterten nun erheblich die Arbeit im Lechfeld. Die Bonität der Böden wurde verbessert. Jetzt konnte beinahe jede Frucht im „Moos“ angebaut werden. Die erste Flurbereinigung im Gemeindegebiet Todtenweis, die hauptsächlich die Gemarkung nördlich und südlich von Sand und westlich bis zur Ach umfasste, wurde 1935 abgeschlossen. Der Zweckverband wurde erst 1987 aufgelöst.

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