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Pöttmes-Schorn

08.07.2020

Wie ein Hirsch Autofahrer bei Pöttmes ans Tempolimit erinnert

Zunächst graste der Pöttmeser Weidenhirsch direkt neben dem Ortsschild der Marktgemeinde – und war gerade bei schlechten Sichtverhältnissen kaum von einem echten Hirsch zu unterscheiden.
Bild: Stefanie Brand

Plus Die Landwirtin Renate Glas aus dem Pöttmeser Ortsteil Schorn hat ihn erschaffen: Den Hirsch, der Autofahrer zum Bremsen animierte. Jetzt ist er weitergezogen.

Einige Zeit reckte er sein Hinterteil in Richtung Ortsschild und seinen Kopf zu Boden. Zu sehen bekamen ihn alle jene, die vom Pöttmeser Ortsteil Schorn in Richtung Marktgemeinde fuhren. Mittlerweile hat der Hirsch aus Weidenruten seinen Standort gewechselt. Weit „gewandert“ ist der Hirsch nicht. Denn offensichtlich bleibt er immer in der Nähe der Frau, die ihn zum Leben erweckt hat: Renate Glas.

Tempolimit-Hirsch steht dort, wo ein Kätzchen überfahren wurde

Die 46-jährige Landwirtin lebt und arbeitet direkt hinter dem Ortsschild von Schorn, neben dem der Hirsch vor zwei Monaten stand. Warum er eben dort einige Tage verbrachte? Weil eines ihrer Kätzchen auf der Straße überfahren wurde und Renate Glas durch den vermeintlich echten Hirsch am Ortsschild auf das Tempolimit hinweisen wollte.

Ihre Idee zeigte Wirkung, denn bei unklaren Sichtverhältnissen, wie etwa bei Nebel, brachte der Hirsch aus Weidenruten schon so manchen Autofahrer zum Bremsen.

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Dass der Hirsch aus Weidenruten so täuschend echt aussieht, ist auf die jahrelange Erfahrung der 46-Jährigen zurückzuführen. Mit 15 Jahren hat sie mit dem Weidenflechten begonnen und zunächst ganz klassisch Weidenkörbe geflochten. Mittlerweile hat sie einige Kurse belegt, war auf Märkten zu Gast, hat beim Flechten einer Kinderwiege geholfen und im Ferienprogramm das Weidenflechten angeboten.

Bei Renate Glas wird es öfter einmal tierisch. Der Weidenhirsch ist mittlerweile gewandert, vor ihrer Haustür steht dieser Hase und vielleicht wird sich bald noch eine Kuh aus Weiden zum tierischen Weidenzoo dazugesellen.
Bild: Stefanie Brand

Diejenigen, die um die kreative Handwerksgabe von Renate Glas wissen, kommen gerne zu ihr – auch um Skulpturen aus Weidenruten anfertigen zu lassen, etwa wie den Hirsch, der neben dem Ortsschild stand und nun einige Grünstreifen weiter gezogen ist.

Aktuell hat die Landwirtin Weidenruten für ein kleineres Projekt in der Badewanne eingelegt. Drei bis vier Wochen müssen die Weiden im Wasser einweichen, bevor sie biegbar sind. Ein Büschel von etwa 20 Zentimetern Durchmesser braucht Renate Glas, um ihr nächstes Werk fertigzustellen.

Eine Ente soll es werden. Für den Hirsch hat sie um ein Vielfaches mehr gebraucht, verrät die zweifache Mutter und zeigt mit den Armen an, dass der Weidenbüschel, den sie für den Hirsch benötigt hat, weit über einen halben Meter an Durchmesser gehabt hat – bevor sie den Hirsch daraus formte.

Pöttmes: Corona "half" beim Hirsch-Projekt

Der Hirsch sei ein Corona-Abendprojekt gewesen, verrät sie lachend. Etwa 24 Stunden hat es gedauert, bis die Skulptur fertig war. Die Vorlage für das Tier hat sie im Internet gefunden. Das nächste Großprojekt, bei dem es sich ebenfalls um ein Tier handeln wird, hat Renate Glas bereits im Kopf. „Es soll eine Kuh werden – in Lebensgröße“, verrät sie und erklärt, dass sie die Kuh vielleicht in ihren eigenen Garten stellen wird. Für diese Skulptur hat Renate Glas aktuell nicht mehr genug Weiden auf Vorrat.

Renate Glas prüft, ob die Weiden, die sie bereits seit mehreren Wochen in der Badewanne einweicht, nun weich geworden sind. Sobald sie leicht biegbar sind, wird aus diesen Weiden eine Ente.
Bild: Stefanie Brand

Deswegen wird das Projekt warten müssen, bis sie wieder im Umkreis von 15 bis 20 Kilometern auf „Weidenfang“ gehen kann. Geschnitten werden die Weiden dann, wenn sie ihre Blätter verlieren, also etwa ab Oktober/November. Dann ist der Schnitt bis März erlaubt.

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