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Prozess in Aichach

16.01.2020

Wie ein Unschuldiger vor das Aichacher Amtsgericht kam

Amtsgericht Aichach Symbolfoto Gericht Prozess Richter
Bild: Katja Röderer

Plus Bei einer Rangelei auf einer Weihnachtsfeier geht ein 21-Jähriger zu Boden. Die Zeugen zeigen auf den mutmaßlichen Täter, der davonrennt - ein Missverständnis?

Erst wurde gerappt, dann geschubst und schließlich lag ein 21-jähriger Aichacher nach einem Schlag ins Gesicht auf dem Boden. Das war das Ende einer Weihnachtsfeier, die Mitte Dezember 2018 in einem Aichacher Lokal stattgefunden hatte. Der mutmaßliche Täter, ein 52-Jähriger aus Aichach, erhielt wegen Körperverletzung einen Strafbefehl über 3600 Euro (90 Tagessätze à 40 Euro). Dagegen legte er Widerspruch ein. Er sei an der Schlägerei gar nicht beteiligt gewesen, sagte er am Mittwoch vor dem Aichacher Amtsgericht aus. Die Zeugenaussagen ergaben für Staatsanwaltschaft und Richter ein eindeutiges Bild.

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Kurz nach Mitternacht war bei der Polizei der Anruf wegen einer Schlägerei vor einem Aichacher Lokal eingegangen. Als die Beamten dort ankamen, sei „relativ viel los“ gewesen, beschreibt es der Sachbearbeiter. Etwa zehn Leute standen vor dem Lokal. „Die Stimmung war recht aufgeheizt und es wurde herumgepöbelt.“ Viele Betrunkene waren darunter.

Es war zunächst eine Art Rapp-Battle

Zwei Personen hätten den Polizisten dann geschildert, dass eine Art Rap-Battle stattgefunden habe, der in eine Schubserei ausgeartet sei, sagte der Beamte aus.

Wie ein Unschuldiger vor das Aichacher Amtsgericht kam

Ein 21-jähriger Aichacher bekam einen Schlag ab und ging zu Boden. Vor Gericht konnte sich der 21-Jährige nur noch vage an alles erinnern. „Ich war ziemlich betrunken“, gab er als Grund an. Er wusste noch, dass er dazwischenging, als die Schubserei begann. Dann traf ihn ein Schlag unter dem linken Auge. Von wo der kam, wusste er nicht. An den Angeklagten konnte er sich nicht erinnern.

Konkreter waren die Erinnerungen eines 21-jährigen Studenten. Er sagte aus, dass es ihn beeindruckt habe, wie einer der Anwesenden aus dem Stegreif heraus Beleidigungen über die Anwesenden rappen konnte. Der Aufforderung des Studenten, etwas über ihn zu rappen, war der andere nachgekommen. Dann sei es innerhalb der vierköpfigen Freundesgruppe zu verbalen Provokationen und Geschubse gekommen. Daraufhin sei eine viel größere Rangelei, mit „Beteiligten, die ich bisher gar nicht gesehen hatte“, losgegangen. Den 21-jährigen Aichacher sah der Student am Boden liegen, wusste aber nicht, wer geschlagen hatte.

Student: "Ich habe sogar noch auf einen gezeigt"

Seine Vermutung, dass es ein dunkelhaariger Mann, mit langen, nach hinten gegelten Haaren war, teilte er den Polizeibeamten mit. Der Student vor Gericht: „Ich habe sogar noch auf einen gezeigt, der weggerannt ist.“ Das führte scheinbar zu einem Missverständnis.

Denn als kurz darauf der Angeklagte um die Ecke bog, hielten die beiden Beamten ihn für den Täter. Ohne groß nach dem Warum zu fragen, gab der 52-Jährige den Polizisten seine Personalien und ließ seine Hände fotografieren. Vor Gericht sagte er aus, dass er nach einer Betriebsfeier auf dem Heimweg und an der Schlägerei nicht beteiligt war.

Das bestätigte auch der Student in seiner Aussage: „Es war ganz sicher nicht der Angeklagte.“ Ein Arbeitskollege bestätigte das Alibi des 52-Jährigen. Er habe sich zu der Zeit, als die Polizei eintraf, gerade auf den Heimweg gemacht, konnte also gar nicht der Schläger sein.

Staatsanwältin glaubt an ein Missverständnis

Angesichts der Beweislage sagte Staatsanwältin Alisa Starflinger: „Es handelt sich offensichtlich um ein Missverständnis.“ Sie plädierte ebenso wie Verteidiger Harald Sobottka für Freispruch. Dem schloss sich auch Richter Walter Hell an. Das sei einer der wenigen Fälle, wo die Tat nicht nur nicht nachweisbar, sondern der Angeklagte mit Sicherheit unschuldig sei, sagte er.

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