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Aichach-Friedberg

21.04.2019

Wie läuft’s eigentlich bei den Feldhasen?

Diesen Wettlauf bei Gundelsdorf gewinnt garantiert der Feldhase. Und wie läuft es sonst bei Meister Lampe im Wittelsbacher Land? Die Naturschützer sehen einen Rückgang des Bestands. Die Jäger sprechen dagegen von Stabilität.
Bild: Wolfgang Sellmeier (Archiv)

Geht’s nach Naturschützern, ist der Feldhase bei uns bedroht. Sie plädieren dafür, mehr Rückzugsraum zu schaffen. Warum es aber für die Tiere ganz gut aussieht.

Er bringt die Eier und ist im Brauchtum fixer Teil des Festes: Die Osterhasen aus Schokolade sind definitiv nicht im Bestand gefährdet. Aber wie geht’s ihren leibhaftigen Artgenossen, die auf Feld, Wiese und am Waldrand leben?

Das Volksbegehren für mehr Artenvielfalt „Rettet die Bienen“ in Bayern hat auch Vorteile für Feldhasen. Das sagt Ernst Haile, Vorsitzender der Kreisgruppe Aichach-Friedberg des Bundes Naturschutz. Der Lepus europaeus habe in den vergangenen zehn Jahren einen dramatischen Rückgang im Wittelsbacher Land erlebt. „Der Feldhase braucht sichere Strukturen“, sagt Haile und meint damit Wiesen, Hecken, Ackerland-Streifen. Das passt zum Volksbegehren, das sich dafür einsetzt, Grünland zu erhalten und damit die Biodiversität bei Pflanzen und Tiere zu sichern.

Im Süden des Landkreises entstehen immer mehr Baugebiete und Straßen

Geht es nach Naturschützer Haile, müssten die Lebensbedingungen des Feldhasen deutlich besser werden. Ein Faktor sei, dass besonders im Süden des Landkreises immer mehr Baugebiete und Straßen entstünden. Ein zweiter Aspekt, der dem Feldhasen zusetze, seien die Landmaschinen der Bauern. „Wenn Landwirte die Felder umpflügen, sterben viele Hasen“, sagt Haile, der in Pöttmes lebt. „Wenn Bauern mit hoher Geschwindigkeit über die Felder fahren, können sie die Feldhasen kaum sehen.“ Die alten Hasen könnten zwar fliehen, die jungen duckten sich jedoch weg, verharrten und würden getötet.

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Um das zu vermeiden, schlägt er vor, dass am Vorabend Jäger mit Hunden die Hasen aus dem zu mähenden Feld vertreiben. Eine andere Möglichkeit wäre, dass Jäger in den frühen Morgenstunden mit Drohnen und Wärmebildkameras das Feld absuchten.

Wichtig für die Hasen sei, dass sie ausreichend Rückzugsgebiete haben, wenn Gefahr auf dem Feld droht. Landwirte sorgten für immer mehr blühende Randstreifen. „Das ist eine gute Aktion“, sagt Haile. Der 59-Jährige würde sich aber auch darüber freuen, wenn die Landwirte Blühfenster auf den Feldern schaffen würden, in denen sich die Hasen geschützt fühlen könnten. Auch vor ihrem natürlichen Feind: dem Fuchs.

Jäger: Hasenbestand im Landkreis ist stabil

Nicht ganz so kritisch sieht Paul Berchtenbreiter die Situation des Feldhasen. Er ist Jäger und Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Kreis Aichach. „Ich sehe fast immer Hasen, wenn ich draußen bin und freue mich darüber“, sagt er. „Wir Jäger wollen wie die Spaziergänger etwas anschauen.“ Er beurteilt den Hasenbestand als stabil. Besonders das trockene Frühjahr komme den Tieren zu Gute. Die jährliche Hasen-Zählung des Deutschen Jagdverbandes ergab, dass der Bestand seit rund zehn Jahren stabil ist. Etwa zwölf Feldhasen gab es im Frühjahr des vergangenen Jahres je Quadratkilometer.

In seinem Revier in Hollenbach gebe es eher wenig Hasen, sagt Berchtenbreiter. Deshalb schieße er sie nicht. In anderen Waldstücken, in denen es besser aussehe, würden seine Kollegen sie aber schon schießen. Feldhasen gehören wie Wildschweine zum Niederwild, das im Gegensatz zu Rehen unbegrenzt geschossen werden darf.

Was den Feldhasen am meisten zusetzt

Faktoren, die dem Feldhasen zusetzen, seien Raubvögel, Autoverkehr und technischer Fortschritt in der Landwirtschaft. Der 69-Jährige sagt: „Wir haben ein gutes Verhältnis zu den Bauern.“ Aber intensive Landwirtschaft mit großen Mähwerken sei ein Problem für die Hasen. Allein Füchse freuten sich hinterher über die toten Hasen.

Doch sehen Landwirte Hasen wirklich nicht, wenn sie ein Feld bearbeiten? Reinhard Herb, Landwirt in Sielenbach und Obmann des Bayerischen Bauernverbandes im Kreis, ist gerade in Aichach-Untermauerbach unterwegs, fährt Gülle aus. Zwar nicht wegen der Hasen, aber: „Gülle ist wichtig, sie warnt die Hasen.“ Wenn er ein Feld umpflüge, könne er die Feldhasen und ihre Verstecke erkennen. Täglich sehe er welche fliehen. Er fahre dann langsamer als die üblichen zehn Stundenkilometer. Doch die Gefahr für die Hasen gehe nicht unbedingt von den Maschinen aus, auch wenn derzeit die Böden stark bearbeitet würden. „Die moderne Bodenbearbeitung ist flach. Das kommt dem Feldhasen zu Gute“, sagt Herb. Die Landwirtschaft insgesamt stelle immer mehr auf boden-schonende Maßnahmen um.

Landwirt: In zwei Dritteln der Felder finden Hasen Schutz

Die Feldhasen fänden auch in zwei Dritteln der Felder Schutz, etwa in Getreide-, Raps-, Gersten- und Mais-Feldern, sagt der Bauer aus Sielenbach. Von Mai an passiere den Hasen ohnehin nichts mehr, da sie groß und viele Felder kniehoch bewachsen seien. In ihnen seien die Hasen nicht nur vor Maschinen sicher, sondern auch vor einem natürlichen Feind: den Krähen. Wenn mehrere Krähen doch einen Hasen entdeckten und packten, sei das ein grausamer Moment, sagt Herb.

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