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Kirche

15.03.2018

Wie man das Leben nicht versäumt

Pfarrgemeinderatsvorsitzender Rupert Jung bedankte sich bei Pater Anselm Grün.
Bild: Thomas Anderl

Pater Anselm Grün weiß im Aichacher Pfarrzentrum Rat für jedes Lebensalter. Grüße gab es vom Papst

Ein persönlicher Segensgruß des Papstes war das überraschende Geschenk des Aichacher Pfarrgemeinderats an Pater Anselm Grün bei seinem Vortrag im Aichacher Pfarrzentrum. Vorsitzender Rupert Jung hatte Papst Franziskus beim Besuch im November mit Stadtpfarrer Herbert Gugler gefragt, ob er Grüns Bücher kenne. Papst Franziskus bejahte und war gerne bereit, in die Kamera den Segensgruß zu sprechen. Pater Anselm Grün freute sich sichtlich über dieses einmalige Geschenk.

Über 300 Bücher, die über 20 Millionen Mal verkauft wurden, hat der Benediktinerpater geschrieben, und jedes Jahr kommen bis zu zehn neue Bücher hinzu. Er hält weit über 100 Vorträge im Jahr, in kleinen Gemeinden und vor Managern großer Firmen. Geld aber hat er keines, da er nach den Regeln des heiligen Benedikts von Nursia lebt, die kein Eigentum erlauben.

Im seit Wochen ausverkauften Pfarrzentrum sprach er über das Thema „Versäume nicht dein Leben“. Was er damit meint, erläuterte Grün so: Er begegne immer wieder Menschen, die „nicht in die Gänge kommen, weil sie sich absichern wollen, weil die Bedenken den Mut überwiegen, etwas zu wagen.“ Er kenne junge Menschen, die sich ständig aus- und fortbilden, und dann mit 40 Jahren noch nicht konkret gearbeitet hätten. Das könne zwei Gründe haben: ein übersteigertes Selbstbild, das sich auf durchschnittliche Anforderungen nicht einlassen könne, oder einen Mangel an Selbstvertrauen, der verhindere, die eigenen Fähigkeiten und Grenzen auszuloten. Neues zu beginnen könne zu Verletzungen führen, das aber sei besser als nur zuzuschauen und nicht aktiv zu werden.

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Grün erzählte aus der Bibel von Maria und Josef. Vor ihrer Flucht nach Ägypten waren sie unsicher, was sie tun sollten. Und da erschien ihnen im Traum ein Engel, der zu ihnen sagte: „Steh auf und geh!“ Dies könne man vielen Menschen bei uns zurufen. „Wacht auf, lasst euch nicht von Illusionen einlullen, sondern geht ins Leben, damit ihr es nicht versäumt!“, rät er vielen Leuten. Dieser Aufbruch werde aber bei vielen Menschen dadurch gebremst oder verhindert, weil sie keinen Sinn im Leben sehen. Sinnfindung gelinge manchmal allein dadurch, keine zu großen Erwartungen zu haben.

Grün sprach auch über das „Kreisen um sich selbst.“ Ein junger Mann habe ihm erzählt, er unterhalte sich nur mit Menschen, von denen er glaube, das bringe ihm etwas – privat oder geschäftlich. Dies sei ein typisches Beispiel für den weitverbreiteten Narzissmus. Er führe dazu, dass die Menschen am Leben vorbei leben und es so versäumen.

Man könne aber sein Leben nicht nur in jungen Jahren, sondern auch in der Lebensmitte versäumen, so der Pater. Die Lebensmitte sei eine Phase, in der sich viele gemütlich eingerichtet hätten und weder die Hoffnung oder die Lust auf Neues hätten. Eine neue Lebendigkeit stelle sich nur ein, wenn man auch für die zweite Lebenshälfte einen Sinn entdecke.

Auch bei alten Menschen tauche oft das Gefühl, das Leben versäumt zu haben, auf, berichtete Grün aus vielen Gesprächen. „Ich habe mich immer nur angepasst. Aber ich habe nicht wirklich gelebt. Ich habe nie gewagt, meine Lebensträume zu verwirklichen“, beklagte sich eine alte Frau. Er antwortete ihr, es sei nie zu spät, mit dem Leben anzufangen. Und er forderte sie auf, auch das bisherige Leben zu würdigen und dankbar zu sein für das, was sie fertiggebracht habe.

Zum Schluss ermunterte Grün dazu, vom Begriff des Veränderns abzurücken. „Verändern ist aggressiv, bewirkt in mir immer Schuldgefühle, alles falsch gemacht zu haben.“ Verwandlung aber sei sanfter, befreie von Schuldgefühlen. Sie würdige das Leben so wie es geworden ist, mit all dem Versäumten, aber voller Hoffnung und Gottesvertrauen, dass es sich auf alle Fälle lohnt, das Leben zu wagen. (AN)

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