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Aichach

02.12.2019

Wieso ein Weihnachtsmusical im Kriegsgebiet endet

Die heiligen Drei Nerds. Die Weisen aus dem Morgenland werden sehr modern interpretiert.
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Die heiligen Drei Nerds. Die Weisen aus dem Morgenland werden sehr modern interpretiert.

Schüler des Deutschherren-Gymnasiums in Aichach interpretieren die Weihnachtsgeschichte neu und mahnen Kindermorde an. Minutenlanger Applaus.

Mit einer aufwendigen Bühnenshow brachte das Deutschherren-Gymnasium Aichach am Freitag und Samstag das weihnachtliche Musical „Rock Nativity“ auf die Bühne. Das Stück mit Musik von Jackie Trent und Tony Hatch sowie Texten von David Wood wurde gemeinsam von Arnold Fritscher und seinen Chorschülern bereits im Februar ausgewählt. Entsprechend wurde schuljahresübergreifend an der großen Produktion gearbeitet.

Aichach: Musical behandelt Weihnachtsgeschichte

Das Musical behandelt die bekannte Weihnachtsgeschichte von Beginn der Schwangerschaft Marias über die Reise nach Bethlehem mit der Herbergssuche und der Geburt Christi im Stall. Allerdings geht sie hiernach noch weiter, die Krippenszene beendet lediglich den ersten – deutlich längeren – Akt. Der zweite Akt beschäftigt sich mit einer grausigen Überlieferung aus dem Matthäusevangelium: dem Kindermord von Bethlehem.

Es geht hierbei um die systematische Tötung männlicher Säuglinge und Kleinkinder im Auftrag von König Herodes, aus Angst vor dem prophezeiten „König der Juden“ Jesus, der ihm den Thron streitig machen könnte. Es konnte nie nachgewiesen werden, ob es sich bei dem Massaker um eine historische Begebenheit oder vielmehr eine erfundene Schauergeschichte handelt. Herodes wird vortrefflich bösartig und machthungrig von Sophia Wagner verkörpert. Ihre Rolle symbolisiert im Musical den Tod, das Misstrauen, die Angst und Gewalt. Ihr Gegenspieler, das Gute verkörpernd, das Leben, ist der Erzengel Gabriel alias Kim Schneider.

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Während des gesamten Stücks steht ein Chor aus den Schülern des Gymnasiums auf der Bühne. Er repräsentiert die menschliche Gesellschaft und kommentiert, teilweise eingreifend, das Geschehen. Die über 2000 Jahre alte Geschichte um die Geburt Jesu wurde in diesem besonderen Musical auf moderne Weise neu erzählt. Untermalt mit Klängen aus Rock und Pop – hervorragend vom Orchester des Deutschherren Gymnasiums, unter der Leitung von Arnold Fritscher, gespielt – und vielen auch witzigen modernen Details garniert. So zählen die Hirten im Bierrausch zum Einschlafen Schäfchen und die drei Weisen aus dem Morgenland kann man in dieser speziellen Inszenierung getrost als die heiligen drei Nerds bezeichnen.

Aichach: Kinder in Kriegsgebieten sind zu sehen

Aber auch gesellschaftskritisch und mahnend gibt sich vor allem das Ende des Musicals. In Bezug auf den Kindermord wird durch an die Wand projizierte Bilder von Kindern in Kriegsgebieten darauf aufmerksam gemacht, dass Kindermord keineswegs ein Übel nur aus längst vergangenen Zeiten ist. Passend hierzu werden sämtliche Einnahmen, nach Deckung der Unkosten, von der Schule an die Jemen-Kinderhilfe gespendet. Bei der semiopernartigen grandiosen Schlussszene ertönen die hoffnungsvollen Zeilen „Schafft die Welt von morgen, ihr braucht nicht mehr als Liebe und Verständnis“.

Die 240 Besucher bei der Premiere in der voll besetzten Aula des Gymnasiums würdigen die Aufführung mit minutenlangem Applaus und stehenden Ovationen.

Weitere Vorstellung Da die beiden ersten Vorstellungen restlos ausverkauft waren, gibt es eine Zusatzvorstellung am Donnerstag, 5. Dezember, ab 19.30 Uhr. Tickets gibt es im Weltladen und im Musikhaus Sedlmeyr.

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