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Theater

02.12.2015

Wildererglück, Jagdlust und Kult um die Beute

Beim neuen Jäger (Christian Braunmüller, links) stehen grundsätzlich alle unter Wilderer-Verdacht. Da kommen auch die Hirschberg Rosl (Hannelore Wolf) und der Holz-Michl (Walter Pasker) nicht ungeschoren davon.
Bild: Martin Golling

Die Volksbühne Aindling zeigt ein Stück, in dem der neue Jäger im Wald und im Jagdhaus auf die Pirsch geht

Um’s „Wildererglück“ geht es bei der Volksbühne Aindling heuer auf der Bühne im Moosbräusaal. So sehr die Ganghofer-Romane und die Nachkriegs-Heimatfilme das Thema auch verklärten. Das Wittelsbacher Land habe mit dem boarischen Hiasl und dem 1914 erschossenen Förster Menzinger im Frechholzhauser Wald bei Affing genug lokale Erfahrung mit diesem Stoff, meinte die Vorsitzende der Volksbühne Aindling, Andrea Rohn, in ihrer Begrüßung. Wenn Theaterautor Erwin Zweng daraus einen Schwank machen kann, dann eben nur, weil das Wilderer- und Jägerglück mehrere Tragödien verhindert. Am Samstag hatte das Stück Premiere.

Gleich zu Beginn fällt ein Schuss. Der neue, forsche Jäger Brenner stellt zwar den Wilderer Anderl (Stefan Ohm). Der jedoch kann mit einbrechender Dunkelheit aus seinem uneinnehmbaren Versteck unerkannt fliehen. Seine beiden Wilderer-Kumpanen Lenz (Isidor Held) und Luggi (Michael Weichenberger) entgehen ebenfalls nur knapp dem Oberjäger Waldhofer (Josef Schoder).

Als die drei wieder vereint sind, zeigen sich ihre unterschiedlichen Charaktere. Anderl ist äußerst sensibel, ja ängstlich, Luggi ein Draufgänger und prahlerischer Großsprecher, Lenz dagegen opportunistisch, mal so, mal so. Herrlich gelingt es den Dreien, die Wesensunterschiede ihrer Rollen herauszuarbeiten. Überhaupt ist es Spielleiter Josef Schoder einmal mehr gelungen, die Rollen optimal zu verteilen. Liebevoll haben die Theaterfreunde am Lechrain ihre Bühne präpariert.

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Die Hütte scheint tatsächlich aus wettergegerbten Brettern zu bestehen. Ebenso wie das Plumpsklo – selbstverständlich mit Herzerl in der Tür. Autor Zweng hat eine gut beobachtete, allzu menschliche Unsitte in sein Stück eingearbeitet: die Jagdlust, den Kult um die besondere Beute. Ein neuer Gamsbock ist ins Revier von Oberjäger Waldhofer gezogen „so wuid, so schwarz, so stoiz“, lässt Zweng den Wilderer Luggi auch in Vertretung der Jägerschaft schwärmen. Sogar der Jagdherr, Baron Rednitz (Jens Rindt), wird aufmerksam und der steife Snob wünscht sich, den Bock vor die Flinte serviert zu bekommen.

Was wäre so ein Schwank ohne die typische Ernie-Singerl-Rolle. Dafür haben die Aindlinger Mimen Hannelore Wolf. Wenn sie als Hirschberg Rosl auch nur die Gesichtszüge spielen lässt, verbiegt sich kichernd das Publikum. Und dann erst die Zoten und Frotzeleien. Sie kommen so unnachahmlich schnoddrig, da wird jeder Satz von den Leuten im Moosbräu aufgesogen und in Lachsalven umgewandelt. Der Wald hat tausend Augen, sagt ein Sprichwort. Kräuterweiberl Afra (Andrea Rohn) ist ständig im Wald und weiß dennoch – oder gerade deshalb – , wer gerade was und mit wem hat. Es wäre ja auch kein Schwank, wenn nicht am Ende (fast) jeder Wilderer und Jäger sein Mädchen bekommen würde. Auch das gehört zum Wildererglück.

Weitere Spieltermine des Theatervereins Volksbühne Aindling sind am Samstag, 5. Dezember, um 19.30 Uhr und am Sonntag, 6. Dezember, um 17 Uhr im Gasthof Moosbräu, Peter-Sengl-Straße 12, in Aindling. Der Einlass ist jeweils eine Stunde vorher. Kartenvorverkauf bei Schreibwaren Stevens, Telefon 08237/262.

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