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Energie

25.07.2014

Wind-Prognosen und Wind-Halbwahrheiten

Wie viel Strom erzeugen Anlagen im Brugger Forst? Was herauskommt, wenn Äpfel mit Birnen verglichen werden

Wie viel Strom erzeugt einmal der Windpark mit fünf Anlagen, der derzeit im Brugger Forst an der A8 zwischen Adelzhausen und Odelzhausen gebaut wird? Die Firma Uhl Windkraft, die auch vier Windräder westlich von Baar beantragt hat, geht von sechs Millionen Kilowattstunden pro Anlage und Jahr aus. Johanna Ruisinger, Zweite Bürgermeisterin von Baar und erklärte Gegnerin des Projekts in ihrer Heimatgemeinde, hält diese Prognose von Uhl für schöngerechnet und falsch. Windräder seien bei den Windstärken in unserer Region einfach nicht rentabel.

In einem Leserbrief verweist sie auf Zahlen aus dem Bayerischen Windatlas: Statt sechs Millionen Kilowattstunden sei demnach „vermutlich nicht einmal mit einem Ertrag von circa 3,9 Millionen Kilowattstunden Strom pro Anlage zu rechnen“. Ihre Vermutung sieht sie bestätigt durch den Ertrag, den der Windpark Zöschingen (Kreis Dillingen) im Jahr 2013 erzielt habe. Die dortigen acht Windkraftanlagen (Leistung wie im Brugger Forst: 2,4 Megawatt) seien im Schnitt nur auf 2,87 Millionen Kilowattstunden Strom gekommen, so Ruisinger. Also nicht einmal die Hälfte dessen, was eine Anlage im Brugger Forst laut Uhl erreichen soll.

Georg Honold junior, Betreiber der Windräder in Zöschingen, will das so auf keinen Fall stehen lassen. Zum einen habe er für seinen Windpark eine deutlich niedrigere Prognose von 4,7 Millionen Kilowattstunden pro Anlage angesetzt. Die Generatoren in Zöschingen und bei Odelzhausen seien mit 2,4 Megawatt zwar gleich groß, so Honold auf Anfrage unserer Zeitung. Durch Genehmigungsauflagen wurden die Windräder im Kreis Dillingen aber auf eine Gesamthöhe (inklusive Rotor) von 180 Meter begrenzt. Im Brugger Forst werden sie dagegen 200 Meter hoch. Jeder Meter mehr bringt laut Honold etwa ein Prozent mehr Stromertrag. Zum anderen sei die erste Anlage bei Zöschingen erst im Februar ans Netz gegangen. Die Weiteren folgten nach und nach. Dazu komme eine zweimonatige Anlaufphase ohne volle Leistung, was normal sei. Der ganze Windpark sei so richtig erst ab Jahresmitte gelaufen. Das erkläre den Stromertrag. Dennoch könne man mit der Ausbeute nicht zufrieden sein, räumt Honold ein. Das liege schlicht und einfach daran, dass 2013 insgesamt „ein sehr schlechtes Windjahr war“ – und das in ganz Deutschland. Honold legt aber Wert darauf, dass an die Investoren der Windgenossenschaft Dillinger Land trotz eines unterdurchschnittlichen Ertragsjahrs und des fast halbjährigen Vorlaufs immer noch eine Verzinsung von 2,25 Prozent auf ihre Anteile ausgezahlt worden sei. Und das sei ein Vierfaches der aktuellen Sparbuchkonditionen. (cli)

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