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Feurerwehr

10.07.2016

Wo mehr Frauen als Männer löschen

Wenn's brennt muss es schnell gehen. Dann rückt die Feuerwehr mir Blaulicht aus - egal ob männliche oder weibliche Helfer unterwegs sind.
Bild: Symbolfoto/Alexander Kaya

Während im Kreis bei 104 Wehren ein Zehntel der Brandschützer weiblich ist, sind es in Hochdorf gleich viermal so viele. Warum der Kreisbrandrat Frauen bei der Wehr wichtig findet

Von Sebastian Mayr

Die Frauen sollen stärker gefördert werden, das hat Kreisbrandrat Ben Bockemühl bei der vergangenen Vollversammlung der 104 Feuerwehren im Landkreis Aichach-Friedberg gefordert. Gerade einmal elf Prozent der Feuerwehrler im Landkreis sind Frauen. Früher sind diese bei den Brandschützern in manchen Orten auf Ablehnung gestoßen. Jetzt, betont Bockemühl, sei das anders. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwo eine Feuerwehr gäbe, die für Frauen nicht offen wäre“, sagt der Kreisbrandrat.

In Hochdorf muss sich keiner von Bockemühls Aufruf angesprochen fühlen. Denn die Wehr des Merchinger Ortsteils ist in Sachen Frauen ein Vorreiter im Landkreis. „Ihr helft’s ja sowieso mit, habt ihr nicht Lust, dabei zu sein?“, hat Werner Sirch gefragt. Das war nach dem Großbrand 1989, bei dem auch die Frauen das Vieh aus einem rauchenden Stall getrieben hatten. Sirch war zu dieser Zeit Kommandant der Hochdorfer Feuerwehr. Seine Frau Maria gehörte zu den ersten acht Frauen, die seinem Vorschlag folgten. Noch heute ist Maria Sirch aktives Mitglied der Brandschützer, als eine von neun Frauen der Wehr.

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Hochdorf ist klein, gerade mal 93 Einwohner zählt der Ortsteil von Merching. 60 von ihnen sind Mitglieder der Feuerwehr, 23 davon aktiv. Ziemlich genau 40 Prozent der Aktiven sind weiblich. Eine Quote, die als Vorbild dienen kann. „Helfen kann jeder“, sagt Ben Bockemühl. Der Kreisbrandrat hofft, dass sich auch anderen Feuerwehren mehr Frauen anschließen – aus Gründen der Gleichberechtigung und weil jeder eigene Stärken habe, die er einbringen könne. Die erste Landkreis-Wehr mit weiblichen Mitgliedern war Hochdorf wohl nicht. Im Rieder Ortsteil Eismannsberg gab es früh Feuerwehrfrauen, Schiltberg und der Affinger Ortsteil Haunswies hatten Frauengruppen, die ein Auf und Ab erlebten. In Mühlhausen (Gemeinde Affing), im Aichacher Ortsteil Edenried und im Pöttmeser Ortsteil Reicherstein haben Frauen heute Führungspositionen in der Feuerwehr. Von einer Frauengruppe, die ganz ohne männliche Unterstützung ausrücken könnte, weiß der Kreisbrandrat aktuell nur aus Hochdorf. Acht Mitglieder und einen Gruppenführer zählt eine Löschgruppe. So viele Frauen, wie zur Feuerwehr Hochdorf gehören. Diese hat nur wenige Einsätze, für die Gemeinde ist sie dennoch unverzichtbar, nicht nur der Sicherheit wegen. Fragt man die Hochdorfer, was die Feuerwehr für sie bedeutet, dann ist Gemeinschaft das Wort, das am häufigsten fällt.

Zu der gehören auch die Frauen. Erkämpfen mussten sie sich diese Zugehörigkeit nicht, seit 27 Jahren sind sie in Hochdorf vollwertige und völlig ernst genommene Mitglieder. Anderswo, erinnert sich Maria Sirch, hätten sich die Kommandanten bei Festansprachen anfangs teilweise etwas schwergetan mit der Begrüßung der Hochdorferinnen. Bei Lehrgängen fühle man sich als einzige Frau durchaus stärker beobachtet als andere Teilnehmer, sagt Monika Helfer. Gerade einmal zwei Wochen, nachdem sie der Liebe wegen nach Hochdorf gezogen war, trat sie der Feuerwehr bei. 1995 war das. „Der Verein, die Feuerwehrarbeit, der Zusammenhalt, das dörfliche Leben“, zählt Helfer auf, was ihr damals gefallen hat und was sie noch heute überzeugt.

Renate Bress hat vor Kurzem den gleichen Schritt wie Monika Helfer gewagt. Die Lebensgefährtin des Kommandanten Andreas Christl ist erst seit ein paar Monaten Hochdorferin und etwa genauso lang Feuerwehrlerin. „So wohl wie hier hab ich mich noch nie gefühlt“, sagt Bress, die jeden Tag zum Arbeiten nach Johanneskirchen in den Münchner Norden pendelt. Andere Frauen sind tagsüber im Notfall leichter greifbar, weil sie in Teilzeit arbeiten oder in Elternzeit sind. Bei einem Einsatz tagsüber und unter der Woche können mehr Frauen als Männer alarmiert werden. So auch in Hochdorf, wo sie das als große Stärke der Wehr sehen.

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