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Singstunde

12.03.2017

Wo sie fröhlich singen, da lass dich ruhig nieder ...

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6 Bilder
Die Musiker Pit Mezger, Robert Fischer, Norbert Schiller, Franko, Ulli Mägele und Wolfgang Neukäufer bei einem der letzten Lieder des Abends.
Bild: Martin Golling

Im DJK-Sportheim in Gebenhofen kommen Hobby-Sänger aus der Umgebung zusammen, um zu singen und Spaß zu haben. Was vor 13 Jahren an einem Stammtisch begann, ist heute ein Magnet

Gemeinsames Singen eint nicht nur die Fußballfans in den Arenen der Welt, es schafft ganz allgemein ein Glücks- und Zusammengehörigkeitsgefühl. In Gebenhofen setzt diese Übung unter dem Namen „Aufspuin und Aufsinga beim Wirt“ seit 13 Jahren Endorphine frei und schenkt schöne, lustige und manchmal auch ergreifende Momente.

„Spuids hoid amoi do herinn’! Spuids de oidn Liada, dass ma wieda singa kenna so wia friara.“ So zitiert Norbert Schiller „die Alten“ vom Stammtisch im Gebenhofener Sportheim. Norbert Schiller und Wolfgang Neukäufer willigten im Februar 2003 ein und hielten für den Stammtisch eine Singstunde ab. „Mit so um die 15 Leuten“, wie Schiller sich erinnert. Das sprach sich schnell herum, und bei den Wiederholungen kamen immer mehr Sangesfreunde. „Wir gehen nun ins 14. Jahr mit diesen Veranstaltungen. Es hat sich herausgestellt, dass vier Mal im Jahr optimal ist“, begrüßte Norbert Schiller rund 90 Gäste im DJK-Sportheim in Gebenhofen.

Die Veranstaltung ist Kult und lockt die musikbegeisterten Menschen nicht allein aus dem Gebenhofener Umfeld. Anni aus Münster (Landkreis Donau-Ries) hat ihre Schwester Erna aus Gaulzhofen mitgebracht. Beide singen schon beim ersten Lied kräftig mit – so wie alle, denn dieses Lied, die Bayernhymne, eröffnet traditionell den Abend. Sie gehört mit zum Kult um den Wirtshausgesang in Gebenhofen.

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Zwar haben sich wie immer auch an diesem Abend einige Musikerkollegen eingefunden, doch Schiller betont: „Das Hauptaugenmerk liegt stets auf dem Singen.“ Gemeinsam spielen Pit Mezger an der Gitarre, Robert Fischer am Kontrabass und Norbert Schiller am Akkordeon das Reh-Ragout. Ein Blick in die Runde zeigt, da sitzt kaum jemand an den Tischen, der nicht mitsingt, wenn es heißt: „Ja gibt’s denn ned wos Feiner’s, von da tot’n Sau a Schweiners, heit gibt’s a Reh-Ragout…“ Dann steht einer auf: „Der Lukas aus Gersthofen“, wie er sich vorstellt. Schon beim dritten, wirklich gekonnt vorgetragenen Witz müssen sich nicht nur Anni und Erna die Lach-Tränen von den Wangen wischen. Den Josef Lechner kennen im Landkreis viele Menschen, bringt er doch als Busfahrer seit Jahrzehnten Menschen sicher zur Arbeit und wieder nach Hause. Dass der Sepp seit zehn Jahren die diatonische Ziach gekonnt bedienen kann, wissen die wenigsten. Zur Verstärkung der Melodie trägt Trompeter Ulli Mägele glasklare Töne bei.

Was sind das für Menschen, die auf solche Singabende gehen? Josef Bachmeir aus Gebenhofen sagt, er sei so gut wie jedes Mal hier. Conny Stolz ist zum ersten Mal dabei und mit einer Gruppe aus Rehling herübergefahren. Sie unterhält sich bestens: „Eine gute Stimmung“, sagt sie kurz, ihr lachender Gesichtsausdruck verrät mehr. Wer fehlt, das sind die Teenies, doch am heutigen Freitagabend haben Jugendliche halt einfach andere Prämissen.

Die Lieder des Abends sind eine bunte Mischung aus altem Volksliedgut („Im Märzen der Bauer“), Stücke mit Flair, wie das Fiakerlied aus Wien („I bin hoid a Fuhrmann, a schwarer“), und durchaus Gesänge, die einem gewissen Heino noch Hitparadenplätze verschafften (Caramba, Caracho).

Damit Neukäufer und Schiller auf Stimmungen flexibler reagieren können, haben sie aktuell ein zweites Textbuch herausgegeben. Beide Bücher tragen den Titel „Sing ma oans“. Es geht also weiter mit dem Wirtshausgesang in Gebenhofen, zumal es dabei nur Gewinner gibt: Die Musiker sind mit Freude und Engagement dabei, das Publikum applaudiert und singt begeistert mit – gemäß den Sprüchen auf den Liederheften: „Wo man singt, da lass dich nieder. Böse Menschen haben keine Lieder.“ Und: „Der Sänger singt mit Leichtigkeit, wenn’s ihm nicht fehlt an Feichtigkeit“. Na dann: nächster Termin ist am Freitag, 21. April, im DJK-Sportheim in Affing-Gebenhofen.

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