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Hollenbach-Igenhausen

17.08.2020

Wolf in Igenhausen: Ein Tierhalter fürchtet um seine Existenz

Vor dreieinhalb Wochen riss ein Wolf sieben Schafe in Igenhausen (Hollenbach). Stunden später nahm eine Wildkamera dieses Foto auf.
Bild: Josef Haimer

Plus Hollenbachs Bürgermeister reagiert gelassen auf den Nachweis, dass ein Wolf die Schafe in Igenhausen riss. Ein Schäfer, der auch einen Pflegeauftrag im Landkreis hat, sorgt sich.

Richard Kiemer bezeichnet sich als Tierfreund. Das gilt nicht nur für die rund 600 Mutterschafe seines Zuchtbetriebs mit Wanderschafhaltung, den er in Unterumbach ( Pfaffenhofen an der Glonn) knapp hinter der Landkreisgrenze von Aichach-Friedberg und Dachau betreibt. Sondern für alle Tiere, inklusive den Wolf. Dennoch macht er sich große Sorgen, seit vor dreieinhalb Wochen ein Wolf sieben Schafe in Igenhausen (Hollenbach) riss, was ein DNA-Test inzwischen nachwies. Kiemer betreibt Landschaftspflege in Klosterlechfeld (Kreis Augsburg) und hat auch den Pflegeauftrag für den Solarpark in Haberskirch ( Friedberg). Dort stehen Schafe seines Bruders.

Wenn ein einzelner Wolf unterwegs sei, sei das grundsätzlich kein Problem. Doch wenn Wölfe sesshaft würden, gäbe es langfristig keine Weidetierhaltung in Deutschland mehr. Naturschutzgebiete würden verbuschen, weil dort keine Landschaftspflege mehr betrieben werden könnte, befürchtet Kiemer. 70 Prozent seiner Betriebseinnahmen macht die Landschaftspflege aus. Ohne sie „könnte ich zusperren“.

Schäfer fordert: Gebiete für den Wolf ausweisen

Er fordert, Gebiete auszuweisen, wo Wölfe leben können. Kiemer klagt: „Unsere Familie ist hilflos. Wir wissen nicht, wie wir unsere Tiere schützen sollen.“ Abends werden sie in einen Nachtpferch gebracht, tagsüber stehen sie auf der Weide und werden gehütet. Der Schäfer sieht die Herdenschutzmaßnahmen in Bayern kritisch. „Ein vernünftiges Konzept“ fehle: „Wir trainieren den Wolf, dass er immer cleverer wird.“ Auf 90 Zentimeter hohe Zäune folgten 120 Zentimeter hohe, danach ein Untergrabschutz.

Hinzu komme: Wölfe fräßen nicht nur Schafe, sondern beispielsweise auch Haustiere, wenn sie an sie herankämen. Was helfe eine finanzielle Entschädigung, wenn ein lieb gewordenes Tier, um das man sich lange gekümmert habe, tot sei, gibt Kiemer zu bedenken.

Landesamt für Umwelt: Wolf in Igenhausen war männlich, Herkunft unklar

Das Landesamt für Umwelt (LfU) hat am Montag seine Angaben auf Nachfrage präzisiert. Eine Sprecherin sagte: „Die vorliegenden Ergebnisse der Genanalyse bestätigen einen männlichen Wolf als Verursacher.“ Seine Herkunft habe nicht bestimmt werden können. Seit der Wolf die Schafe in Igenhausen riss, wurde er im Landkreis nicht mehr gesehen. Auch bei der Polizei Aichach gingen keine Meldungen ein.

Seit ein Wolf sieben Schafe in Igenhausen riss, sorgen sich Schafhalter verstärkt um ihre Tiere. Das Bild zeigt die Herde von Richard Kiemer.
Bild: Richard Kieme

Auf die Frage, ob es in den vergangenen Wochen viele Nachfragen von Nutztierhaltern gegeben habe, äußerte sich das LfU nicht konkret. Es verwies darauf, dass zur Prävention erneuter Übergriffe auf Weidetiere die Förderkulisse zum Herdenschutz auf das Gebiet um Hollenbach ausgeweitet worden sei. Weidetierhalter könnten so Fördermittel zum Herdenschutz in Anspruch nehmen. „Weidetierhalter wurden informiert, Beratungen über Schutzmaßnahmen durchgeführt.“

Hollenbachs Bürgermeister: Bürger haben „cool“ reagiert

Hollenbachs Bürgermeister Franz Xaver Ziegler reagierte auf die Nachricht vom Gennachweis gelassen. Aufgrund der Einschätzungen des LfU sei er „davon ausgegangen, dass der Test so ausfällt“. Von Bürgern habe es „vereinzelte Nachfragen“ sachlicher Natur gegeben. „Die Hollenbacher haben das ganz cool aufgenommen.“ Natürlich sei auch er derzeit besonders wachsam, wenn er im Wald unterwegs sei. „Ich gehe davon aus, dass der Wolf weitergezogen ist“, so Ziegler. Viele Nutztierhalter hätten ihre Tiere von der Weide geholt. Damit sei dem Wolf seine Nahrungsgrundlage entzogen.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Gentest zum Wolf in Igenhausen gibt Gewissheit – und das ist gut so

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