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Aichach

06.01.2021

Würgte ein Security-Mann einen Gast beim Kühbacher Brauereifest?

Der Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes stand in Aichach vor Gericht.
Foto: Matthias Becker (Symbolfoto)

Plus Ein 23-Jähriger hat nach dem Besuch des Brauereifestes in Kühbach eine Schädelprellung und eine Verletzung am Ohr. Zeugen sagen vor dem Amtsgericht Aichach aus.

Bei der Polizei waren sich die Zeugen vor rund eineinhalb Jahren noch sicher gewesen: Ein Security-Mitarbeiter hatte im Mai auf dem Brauereifest in Kühbach den Kopf eines heute 23-Jährigen mehrmals gegen einen Holzbalken geschlagen und ihn gewürgt. Der heute 38-Jährige aus dem Landkreis Dachau, der nebenberuflich bei einem Sicherheitsdienst arbeitet, war deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Zehn Zeugen sagten vor dem Amtsgericht Aichach aus. Ein klares Bild ergab sich daraus nicht für das Gericht.

Die Stimmung in der Clique schien gut gewesen zu sein. Sie standen auf den Bierbänken und einzelne tanzten auch auf den Tischen. Wie der 23-Jährige aus dem nördlichen Landkreis, der deshalb von dem Sicherheitsmitarbeiter auch schon ermahnt worden war. Daran konnten sich mehrere Zeugen erinnern. Als der Security-Mann erneut am Tisch der Gruppe vorbeikam, stand der 23-Jährige noch immer auf dem Tisch. Je nach Aussagen der Zeugen, wurde er von dem Sicherheitsmitarbeiter mal vom Tisch gerissen oder gezogen.

Das Amtsgericht Aichach.
Foto: Katja Röderer (Symbol)

Brauereifest in Kühbach: Angeklagter drückte 23-Jährigen nach unten

Der 38-Jährige selbst, der im Hauptberuf als Metzger arbeitet, sagte aus, dass er ihn am Hosenbein gezupft und aufgefordert habe, vom Tisch runterzukommen und das Bierzelt zu verlassen. Daraufhin sei der 23-Jährige mit voller Wucht auf die Bierbank gesprungen und habe abhauen wollen. Darüber, was weiter geschah, gehen die Zeugenaussagen auseinander. Der Angeklagte sagte aus, dass er den 23-Jährigen, der sich heftig wehrte, mit seinem Oberkörper nach unten gedrückt habe. Dass darunter ein Balken war, habe er nicht gesehen, entschuldigte er sich.

Der 23-Jährige sagte aus, er habe freiwillig das Zelt verlassen wollen, der Security-Mitarbeiter sei darauf aber nicht eingegangen. Zwei Sicherheitskräfte fixierten ihn laut seiner Aussage am Boden, der Angeklagte habe den Kopf des 23-Jährigen auf einen Holzbalken gelegt und ihm mehrmals auf den Kopf geschlagen. Außerdem habe der 38-Jährige ihn mit den Händen so lange gewürgt, bis er bewusstlos wurde.

Ein 22-Jähriger Zeuge sagte aus, er habe gesehen, wie sein Kumpel zu Boden ging. Ein Security-Mitarbeiter habe ihn festgehalten und ein anderer habe ihn mit dem Knie auf der Brust nach unten gedrückt. Schläge hatte er allerdings ebenso wenig gesehen wie Würgen. Ein 19-Jähriger sah, wie ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes dem am Boden liegenden 23-Jährigen den Fuß umbog, während der Angeklagte ihn mit dem Kopf an die Holzbande drückte. Ein anderer erinnerte sich, dass der 38-Jährige seinen Kumpel mit dem Knie im Nacken unten gehalten hatte.

Die Zeugenaussagen zum Brauereifest in Kühbach gehen auseinander

Der Angeklagte sei auf seinem Kumpel "draufgeflackt" und habe mit dem Knie voraus ihm auf den Kopf gedrückt, sagte ein 21-Jähriger aus. Der 23-Jährige habe immer wieder versucht, sich raus zu winden, sagten mehrere Zeugen aus. Laut einem Arbeitskollegen des Angeklagten war beim Fixieren "alles im normalen Bereich".

Kurioserweise ermittelte die Polizei am Anfang nicht gegen den Angeklagten, sondern gegen den 23-Jährigen, weil er den Sicherheitsmitarbeiter geschlagen hatte. Im Laufe der Ermittlungen habe sich dann ein anderes Bild ergeben, sagte der Sachbearbeiter aus. Der 23-Jährige, der eine Schädelprellung und eine Hautverletzung am rechten Ohr davontrug, hatte keine Anzeige erstattet.

Mitarbeiter beim Kühbacher Brauereifest wird in Prozess nicht verurteilt

Den Vorwurf, dass der Angeklagte sechs Mal den Kopf des 23-Jährigen auf einen Holzbalken geschlagen und ihn gewürgt haben soll, sah Staatsanwältin Regine Pätzel durch die vielen unterschiedlichen Zeugenaussagen nicht bestätigt. "Letztendlich reicht es für mich nicht, um eine vorsätzliche Körperverletzung nachzuweisen." Sie plädierte für Freispruch. Dem schlossen sich Verteidiger Reinhard Grund und Richter Walter Hell an.

In seinem Schlusswort machte der Richter klar, dass der Angeklagte nur knapp einer Verurteilung entgangen war: "Hätte einer der Zeugen definitiv ein Schlagen oder Würgen gesehen, dann hätte ich Sie verurteilt." Hell hatte Verständnis dafür, dass ein gewisses Maß an Gewalt zum Berufsbild dazugehöre. "Die Grenze zur unzulässigen Gewalt ist sehr schnell überschritten." Das Urteil sei kein Freibrief, betonte der Richter.

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