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Verlag

31.12.2017

Zeit ist ihr Geschäft

Verlagsleiterin Andrea Röder und Betriebsleiter Thomas Swart im Lager.
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Verlagsleiterin Andrea Röder und Betriebsleiter Thomas Swart im Lager.
Bild: Maria Heinrich

Korsch zählt zu den bekanntesten Namen der Branche. Von der Paarstadt aus werden 5,5 Millionen Stück im Jahr versendet. Warum digitale Kalender keine Konkurrenz sind.

Das neue Jahr steht vor der Tür, Sylvesterfeiern werden geplant und gute Vorsätze geschmiedet. 2018 ist für Andrea Röder aber längst überholt. Sie ist gedanklich weit voraus: im Jahr 2020. Andrea Röder ist die Leiterin des Korsch-Verlags und erzählt: „In meinem Kopf bin ich immer viel weiter.“ Sie muss jetzt schon Ideen für Produkte sammeln, die erst in zwei Jahren auf den Markt kommen. „Wenn ich eine Karte oder einen Brief unterzeichne, dann kann es durchaus mal passieren, dass eine falsche Jahreszahl auf dem Papier steht.“

Der Korsch-Verlag zählt zu den führenden Verlagshäusern in Deutschland. Er hat seinen Sitz in Gilching und Aichach und vertreibt vor allem Kalender und Grußkarten. Rund 700 verschiedene Kalender sind im neuen Jahr im Programm. Heuer brachte der Verlag circa 5,5 Millionen Stück an die Wand, beziehungsweise auf den Schreibtisch – vor allem im deutschsprachigen Raum. Andrea Röder ist seit über 20 Jahren im Unternehmen und nutzt im Moment drei Kalender: zu Hause einen Wandkalender, im Büro einen Schreibtisch- und einen Wochenplaner. Sie sagt: „Meine Aufgabe ist es, dass der Verlag jedes Jahr ein erfolgreiches Programm auf den Markt bringt. Inhaber Niels Meyne lässt mir dabei völlig freie Hand.“

Am Standort Gilching, das liegt im Westen von München, werden alle Produkte entwickelt und das Unternehmen verwaltet. In Aichach werden Kalender und Co. gelagert, die Bestellungen bearbeitet und die Ware ausgeliefert.

Bald ist 2018 und es beginnt ein neues Geschäftsjahr beim Korsch-Verlag. Von Monat zu Monat ist es genau getaktet. Von Jahresanfang bis Februar sammeln Andrea Röder und ihr Team Ideen für neue Produkte. „Wir müssen mit offenen Augen durch die Welt gehen, um Trends zu erkennen“, erklärt Andrea Röder. „Beim Fernsehen kommen mir zum Beispiel Ideen“, erzählt sie. „Ich suche nach Trends und entdecke gleichzeitig unsere Kalender als Requisiten. Im Tatort wurden schon oft unsere Produkte gezeigt.“ Ab März werden die Ideen vorgestellt. „Bei Kunstkalendern sind es meistens 60 Vorschläge, aber nur etwa zehn werden umgesetzt“, sagt sie. Bis September werden neue Produkte entwickelt und das bestehende Programm angepasst. Die Grafiker müssen in dieser Zeit die Motive gestalten, die sogenannte Reprografie erstellt die Druckdaten. Von September bis Jahresende werden Kalender und Karten produziert. Ein Großteil kommt aus der Druckerei Staudigl in Donauwörth.

Die enge Planung für die übernächste Saison macht es schwierig, auf aktuelle Trends zu reagieren. Verlagsleiterin Andrea Röder erzählt: „Mitte 2016 war das Ausmalen von Bildern zum Beispiel sehr beliebt. Wir haben kurzfristig zehn Ausmalkalender rausgeschossen, waren aber zu spät dran und haben den Hype verpasst.“

Der Korsch-Verlag ist ein mittelständischer Familienbetrieb und hat in der Branche viel Konkurrenz. Andrea Röder erklärt: „Wir beobachten einen Konzentrationstrend. Kleine Verlage schließen sich entweder zusammen oder werden von großen Konzernen aufgesaugt. So werden sie sehr stark. Wir sind der letzte Mohikaner, der sich auf dem Markt behauptet.“ Die Verlage kämpfen dabei nicht nur um Kunden, sondern auch um Personal. „Es ist schwierig, im Raum München gute Mitarbeiter zu finden“, erzählt Andrea Röder. „Dort ist der Markt wie leer gefegt. Die Stadt saugt viele gute Leute auf. Meine letzte Neueinstellung musste ich deshalb aus London abwerben.“ Die Konkurrenz kommt vor allem von anderen Verlagen. Im Wettbewerb sind digitale Kalender in Smartphones oder Computern dagegen kaum relevant.„Ich selbst nutze die Kalenderfunktion am Handy gar nicht. Und ich habe den Eindruck, dass es vielen Menschen genauso geht. Print stirbt eben doch nicht aus“, sagt Verlagsleiterin Röder.

Thomas Swart ist seit zwei Jahren der Betriebsleiter am Standort Aichach mit 85 festen Mitarbeitern. Er erzählt: „Mittlerweile ist unser Lager zu klein geworden. Deshalb müssen wir Produkte in die Gebäude der ehemaligen Zinkerei Mea auslagern.“ Das neue Jahr läuft hier ruhig an. „Erst mal werden die Retouren bearbeitet und das Lager aufgeräumt und umgestaltet“, erzählt Thomas Swart. „Aber ab Februar und März kommen wieder die ersten neuen Waren.“ Die Hochsaison geht in Aichach von Juni bis Dezember, im September und Oktober wird am meisten ausgeliefert.

Thomas Swart und Andrea Röder schätzen, dass jeder Deutsche etwa zwei bis drei Kalender besitzt. Der Kunde hat schließlich auch eine große Auswahl: Es gibt Bild-, Ratgeber-, Postkarten-, Namens- und Geburtstagskalender, dazu noch Familientimer, Wochenplaner und Bürokalender. „Wir glauben, dass das große Sortiment ein deutsches Phänomen ist. In Amerika zum Beispiel gibt es nur eine einzige Art: den Broschürenkalender“, sagt Andrea Röder.

In wenigen Tagen wird das alte Jahr verabschiedet und das neue mit Raketen und Sekt begrüßt. Für die meisten beginnt 2018. Für die Mitarbeiter des Korsch-Verlags heißt es dagegen: Willkommen im Jahr 2020.

Wissenswertes über den Korsch-Verlag

Historie Adolf Korsch gründete 1951 den Verlag mit elf Mitarbeitern und hatte sieben Bildkalender im Programm. Die Glückwunschkarten nahm er erst mit der Zeit ins Sortiment auf. 15 Jahre später war das Unternehmen mit 56 Kalendern und circa 3500 Karten Markt- beziehungsweise Teilmarktführer. 1968 übernahm Jens Meyne die Geschäftsführung, 1989 folgte sein Sohn Niels. Weil das Unternehmen schnell wuchs, wurde der Verlag aus Platzmangel zunächst auf vier Standorte aufgeteilt. Mittlerweile gibt es aber nur noch zwei Niederlassungen, in Gilching und Aichach.

Standort GilchingIn der Zentrale im Westen von München sitzt die Geschäftsführung. Dort kümmern sich die Mitarbeiter um die Produktentwicklung, den Vertrieb und die Verwaltung des Unternehmens.

Standort AichachIm Wittelsbacher Land werden alle Produkte gelagert und ausgeliefert. Die Lagerfläche in der Dachauer Straße in Aichach umfasst etwa 7400 Quadratmeter. Bei einigen Produkten arbeitet das Unternehmen mit den Ulrichswerkstätten und der Justizvollzugsanstalt zusammen.

Mitarbeiter Der Verlag beschäftigt mittlerweile 160 Mitarbeiter. 75 von ihnen arbeiten am Standort Gilching. In Aichach sind derzeit 85 Festangestellte beschäftigt. Dazu kommen während der Hochsaison Ferien- und Aushilfskräfte sowie Heimarbeiter.

Sortiment Für das Jahr 2018 sind 700 verschiedene Kalender im Programm. Von den verschiedenen Titeln brachte der Verlag 2017 insgesamt 5,5 Millionen Stück an die Kunden. In Deutschland, Österreich und Schweiz werden die meisten Kalender verkauft, manche werden sogar weltweit ausgeliefert.

Trends für 2018 Bereits im Jahr 2016 wurden die Trends für das kommende Jahr in der Zentrale in Gilching entwickelt. Einer davon ist die sogenannte Typo-Art. Das sind kunstvoll gestaltete Sprüche in ungewöhnlicher Typografie.

Verkaufsschlager Einige Kalender sind schon seit mehreren Jahren bei den Kunden beliebt. Dazu zählen Bildkalender von Claude Monet, zeitgenössische Afrika-Kunst von Natalia Schäfer, der Bauernkalender und der XL-Familienplaner. (AN)

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