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Augsburg / Aichach

21.07.2019

Zugausfälle bei der Regiobahn: Auch Ersatz-Busse sorgen für Frust

Vom Friedberger P+R-Platz mit dem Bus nach Aichach: Bei der Bayerischen Regiobahn fallen noch bis September Züge aus. Die Fahrgäste können Schienenersatzverkehr nutzen.
Bild: Philipp Schulte

Plus Viele Fahrgäste aus der Region ärgern sich über die Zugausfälle bei der Bayerischen Regiobahn. Warum die Ersatz-Busse kaum genutzt werden.

Der Fahrdienstleiter in Aichach muss sich in diesen Tagen einiges anhören. A..., faule Sau, unfähige Bahn. „Ich habe schon fast alle Schimpfwörter gehört“, sagt er. So schlimm wie seit vergangener Woche Montag sei es in seinem Job noch nicht gewesen. Es wäre besser, sagt der Mann, wenn das Stellwerk am Bahnhof, in dem er seinen Dienst tut, nicht ebenerdig angesiedelt wäre. Sondern weiter weg von den Fahrgästen, etwa in der ersten Etage des Bahnhofs.

Der Unmut kommt daher: Seit zwei Wochen fallen bei der Bayerischen Regiobahn (BRB) zahlreiche Züge aus. Auf der Strecke Augsburg-Aichach verkehren ihre blau-gelb-weiße Bahnen meist nur noch im Stunden- statt im Halbstundentakt. Zwischen Augsburg und Friedberg entfällt häufig der Viertelstundentakt, auch auf den Strecken Augsburg-Schongau und Augsburg-Landsberg gibt es Probleme. Zwischen Ingolstadt und Eichstätt fahren gar keine Regiobahnen mehr (wir berichteten).

Der BRB fehlen nach eigenen Angaben Triebfahrzeugführer, wie es bei vielen Eisenbahnunternehmen der Fall sei. Sie haben Elternzeit genommen, sind krank, in Urlaub oder wechseln die Arbeitsstelle. Mitte dieser Woche wurde bekannt, dass sich die Situation entgegen der Ankündigungen lediglich auf der Strecke Augsburg-Aichach von Ende Juli an verbessert. Wer dennoch zur gewohnten Uhrzeit fahren will, muss auf einen Schienenersatzverkehr ausweichen. Die Busse brauchen aber länger für die Strecken.

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Am Friedberger P+R-Parkplatz liegt Josef Mahl am Donnerstagmorgen in seinem Busfahrer-Sitz und macht ein Nickerchen. Den Sitz kann er beliebig verstellen und es sich bequem machen. Erst in zwanzig Minuten startet seine Fahrt nach Aichach. Ein Schild mit Schienenersatzverkehr (SEV) hinter der Windschutzscheibe weist daraufhin, dass er keinen Linienbus fährt. Das war aber auch schon alles.

Die Anzeige seines Busses bleibt leer, am Bussteig ist nur mit viel Mühe ein DIN-A4-Zettel zu finden, auf dem Busse nach Aichach terminiert sind. Das Wort Schienenersatzverkehr fehlt. Kein Wunder, dass auch Mahls Bus leer bleibt. „Die Leute sind nicht informiert worden“, sagt er. Drei Fahrgästen habe er in den zwei Wochen in der Spitze in seinem AVV-Bus gehabt. Die Leute stellten sich aber auch nicht um, sie seien die Zugfahrten gewöhnt, sagt Mahl.

Schienenersatzverkehr nach Aichach: Gar kein Halt im Fahrplan vorgesehen

Der Bus biegt links auf die B 300, hält nicht am Friedberger Festplatz, von wo aus Besucher das Altstadtfest gut erreichen können. Im Fahrplan ist dort eigentlich ein Halt vorgesehen. „Davon weiß ich nichts“, sagt Mahl und steuert Richtung Dasing. Auch am Friedberger Bahnhof, einer Station der Paartalbahn, hält der Bus nicht.

Am Dasinger Bahnhof steigt Mahl aus, um nach Fahrgästen zu suchen. „Nicht, dass man den Wald vor lauter Leuten nicht sieht“, sagt er und steigt wieder ein. Wenn er dann mal Fahrgäste habe, seien die Leute froh, dass es ihn gebe und sie mit ihm fahren könnten. Auch in Dasing gibt es wieder nur ein Blatt. „Man könnte ja auch dazu schreiben: bitte auf Bahnsteig A oder B“, sagt Mahl, , graues Haar, frisch rasiert, Kugelschreiber in der Hemdtasche.

Weiter nach Aichach, vorbei an Radfahrern, Maisfeldern, Sonnenblumen, Wiesen, Einfamilienhäuser. „Für mich ist das eine Spazierfahrt“, sagt der Busfahrer. Sonst fährt er kreuz und quer durch Europa: Rom, Bukarest, Odessa, Lichterfahrten. Dann sind seine Busse voll. Bei seiner heutigen Fahrt, sagt er, müsse man sich schon fragen, ob das aus Sicht der Umwelt Sinn mache. Immerhin: Am Aichacher Bahnhof wartet ein Fahrgast für die Fahrt zurück nach Augsburg. Mahls Kollege übernimmt – mit einem Neunsitzer.

Anruf bei Christopher Raabe. Er ist Pressesprecher bei der Regiobahn, die eine Tochter des französischen Konzerns Transdev ist, und wartet gerade am Münchner Hauptbahnhof auf einen Zug. Sein Unternehmen bildet Triebfahrzeugführer aus, sechs von ihnen sollen bis Mitte August Bahn-Verbindungen übernehmen. Sofern sie die Prüfungen bestehen, sagt Raabe. Danach fehlten der Firma jedoch immer noch sechs Triebfahrzeugführer. 15 weitere Azubis würden bis Mitte September abschließen und könnten in den Dienst übergehen. Für diesen Zeitpunkt hat die BRB angekündigt, dass die Züge auf allen Strecken wieder normal fahren.

Schüler finden die Situation "madig und nervig"

Schlechte Bahn-Noten: Drei Schüler aus Aichach sind auf den Zug angewiesen.
Bild: Philipp Schulte

Drei Schüler, die gerade aus Friedberg mit dem Zug in Aichach ankommen, freuen sich, dass sie in den Ferien nicht pendeln müssen. Als „madig und nervig“ bezeichnen sie die Situation. Manchmal warteten sie 40 Minuten am Friedberger Bahnhof auf den Zug. „Wenn er dann auch noch Verspätung hat, sind es zehn Minuten mehr“, sagt einer. Die drei hat gewundert, dass die Ersatz-Busse nicht am Bahnhof halten. Außerdem fülle sich der Zug in Friedberg ziemlich und es gebe nur zwei Zugteile.

Der Fahrdienstleiter in Aichach kämpft gegen den Frust der Leute. Er hat am Stellwerk-Häuschen einen Aushang mit den Ersatzverkehr-Zeiten angebracht. Große Zettel und kleine zum Mitnehmen. Und das, obwohl er für die deutsche Bahn arbeitet. „Ich kann das nicht“, sagt er. „Die Leute im Stich lassen.“ Er verstehe die Wut der Leute und helfe ihnen trotzdem gerne. Vielleicht ist es bald nicht mehr ganz so laut, wenn die Fahrgäste am Stellwerk-Häuschen vorbeilaufen.

Lesen Sie dazu auch: Einschränkungen für Fahrgäste: Regiobahn verlängert Notfahrplan

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