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Aichach

19.02.2020

Zugunglück von Aichach: Er will dem Tod seiner Mutter einen Sinn geben

Seine Mutter ist beim Aichacher Zugunglück im Mai 2018 gestorben. Daniel Scheerer kämpft seitdem für grundsätzliche Verbesserungen bei der Bahn.
Bild: Blende 11

Plus Eine Frau stirbt beim Aichacher Zugunglück im Mai 2018. Ihr Sohn Daniel Scheerer kämpft seitdem für eine bessere Bahn und startete eine Online-Petition.

Seine Mutter ist beim Aichacher Zugunglück im Mai 2018 ums Leben gekommen. Dem sinnlosen Tod der 73-jährigen Frau will ihr Sohn nachträglich einen Sinn verleihen. Daniel Scheerer kämpft deshalb für grundsätzliche Verbesserungen bei der Bahn. Dafür hat er eine Online-Petition für den Deutschen Bundestag gestartet.

Der seelische Schmerz über den plötzlichen Tod seiner Mutter war groß. Damals schwor sich Scheerer, „nicht mehr zu ruhen, bis alle Stellwerke und Bahnübergänge auf dem technisch neuesten Stand sind“. Damals, so ist er überzeugt, hätte er über Nacht 50.000 Unterschriften für seine Petition bekommen. Jetzt ist das öffentliche Interesse abgeflaut. Die Petition „#DB reform – für eine zukunftssichere Bahninfrastruktur“ ist seit Ende Januar online. 400 Menschen haben sie unterzeichnet. Dafür, dass er allein sei, sei die Resonanz „gar nicht schlecht“, findet Scheerer.

Der Aufwand, den er dafür betrieben hat, ist groß. Der Vater zweier Söhne im Teenageralter ist froh, dass seine Familie hinter ihm steht. Er sagt, er habe Monate seines Lebens investiert. Dabei ist er auch an Grenzen gestoßen. Von der Bahn werde er ignoriert, vom Bundesverkehrsministerium auch. Der Informatiker und Informationssicherheitsexperte betont: Er erwarte gar nicht, dass die Bundesregierung ihren Koalitionsvertrag ändere. Aber er hoffe, dass er die Öffentlichkeit erreiche und zum Nachdenken anrege.

Zugunglück 2018 in Aichach: Daniel Scheerer kämpft mit Petition

Scheerer hat nie dem Fahrdienstleiter, der in jener Nacht in Aichach Dienst hatte, die Schuld gegeben. Strafrechtlich sieht das anders aus. Wie berichtet, erhielt der damals 24-Jährige eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Gefährdung des Bahnverkehrs. Der Mann hatte die Einfahrt des Personenzuges in den Bahnhof auf Gleis zwei freigegeben, obwohl dort ein Güterzug stand. Bei dem Aufprall starb Scheerers Mutter, ebenso der 37-jährige Zugführer. 13 Menschen wurden verletzt.

Daniel Scheerer sagte schon früh, dass technische Sicherheitsmaßnahmen die tödlichen Konsequenzen verhindert hätten. Die Bahn stellte zwar nie einen Zusammenhang her, hat aber nun die Modernisierung von 600 alten mechanischen Stellwerken in Angriff genommen. Sie werden mit elektronischen Warnanlagen nachgerüstet. Aichach gehört zu den ersten Bahnhöfen. Die Arbeiten sind im Dezember gestartet. Scheerer freut das. „Das könnte ich mir auch noch auf die Fahne schreiben“, sagt er. In seiner Petition fordert er den aktuellen Stand der Technik für den Bahnverkehr in Deutschland. Ebenso geht es ihm um Grundsätzliches. Infrastruktur müsse gemeinnützig verwaltet werden, nicht gewinnorientiert, wie es bei einem Börsen-Unternehmen wie der Bahn der Fall sei.

Petition: 50.000 Unterstützer sind Ziel von Daniel Scheerer

Scheerer ist gelassener geworden. Er will sich Ziele setzen, „die man sich selbst erfüllen kann“ und am Ende getan haben, „was ich konnte“. Gleichwohl will er dran bleiben, egal wie viele seine Petition unterstützen. Über 50.000 Namen würde er sich freuen. Dann dürfte er im Petitionsausschuss sprechen. Denn er ist überzeugt: „Geschichten, die Menschen zu erzählen haben, bringen einen zum Überlegen.“

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