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Aichach

03.07.2020

Zwei Jahre nach Aichacher Zugunglück: Der Bahnhof ist jetzt sicherer

Zu einem tragischen Zugunglück kam es im Mai 2018 in Aichach. Nun hat die Bahn nachgerüstet.
Bild: Erich Echter (Archiv)

Plus Das Aichacher Zugunglück im Mai 2018 hätte mit moderner Technik verhindert werden können. Wie die neue Technik funktioniert und wieso sie erst jetzt kommt.

Menschliches Versagen war die Ursache für das Aichacher Zugunglück am 7. Mai 2018. Damals war ein Passagierzug aus Richtung Dasing 500 Meter vor dem Bahnhof in einen stehenden Güterzug geprallt. Der 37-jährige Lokführer und eine 73-jährige Passagierin sterben, zwei Menschen werden schwer, elf leicht verletzt. Bald stellt sich heraus: Eine moderne Technik hätte den schweren Unfall verhindern können. Jetzt, über zwei Jahre später, ist es so weit: Das 70 Jahre alte Stellwerk am Bahnhof verfügt über einen modernen Sicherheitsmechanismus.

Am Abend des 7. Mai 2018 unterläuft dem damals 24-jährigen Fahrdienstleiter der verhängnisvolle Fehler. Er gibt für den Passagierzug der Bayerischen Regiobahn ( BRB) die Einfahrt auf Gleis zwei frei, obwohl dort bereits ein Güterzug auf seine Weiterfahrt wartet.

Um 21.17 Uhr kommt es zum Aufprall – etwas gedämpft durch die rasche Reaktion des 37-jährigen Triebfahrzeugführers. Denn als er das Hindernis auf dem Gleis erkennt, bremst er seinen Zug noch von 90 auf 57 Stundenkilometer herunter. In den letzten Sekunden seines Lebens rettet er auf diese Weise vermutlich mehreren Menschen das Leben. Der Fahrdienstleiter erhielt im Januar 2019 eine zehnmonatige Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sowie Gefährdung des Bahnverkehrs.

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Deutsche Bahn: Corona-Krise verzögert Modernisierung des Stellwerks

Etwa zwei Monate nach dem Zugunglück kündigt die Deutsche Bahn (DB) öffentlich an, bis 2023 insgesamt 600 der bis heute bundesweit noch 1000 mechanischen und elektromechanischen Stellwerke zu modernisieren. Das Aichacher sollte zu den Ersten gehören. Die Realisierung hat sich fast zwei Jahre hingezogen. Ursprünglich sollte die neue Technik in Aichach bereits Ende 2019 Einzug halten. Zunächst sorgten der Winter, später die Corona-Krise für Verzögerungen. Letztere verhindert nun auch einen Ortstermin unserer Redaktion mit der Bahn, um die Neuerung in Augenschein nehmen zu können.

Laut einem DB-Sprecher ist schon die Einweisung der Fahrdienstleiter unter Corona-Bedingungen schwierig gewesen. Sie sei als Einzelschulung in den jeweiligen Schichten erfolgt, so der Sprecher. Er erläutert den Kern der Nachrüstung so: „Sollte das Gleis durch einen Zug belegt sein, blockiert die Technik die Einfahrt. Wir sprechen von einer Technischen Unterstützung Fahrweg (TüFa).“

Mehr Sicherheit nach dem Aichacher Zugunglück

Was bedeutet das konkret? Der Fahrdienstleiter am Aichacher Bahnhof arbeitet auch weiterhin so, wie es seit Jahrzehnten üblich ist. 1949 wurde das Stellwerk eingebaut, das bis heute den Bahnverkehr in Aichach regelt. Es handelt sich um die älteste Technik auf der Paartalbahn zwischen Augsburg und Ingolstadt. Was andernorts längst der Computer regelt, ist hier noch reine Handarbeit. Mit Muskelkraft legt der Fahrdienstleiter Hebel um, um die Signale und Weichen zu stellen.

Bei dem Zusammenstoß eines Personen- und eines Güterzuges sind in Aichach am Montag zwei Menschen gestorben. Retter waren mit einem Großaufgebot vor Ort.
18 Bilder
Zugunglück bei Aichach: Regiobahn fährt in Güterzug
Bild: Matthias Balk, dpa

Er arbeitet auf Sicht – auch jetzt noch. Mit einem Blick auf das Gleis überprüft er, ob es frei ist, bevor er das Signal auf Fahrt stellt. Seit Ende Mai gibt es nun allerdings ein Sicherheitsnetz, das den Mitarbeiter im Stellwerk unterstützt: Unterläuft ihm bei der sogenannten Sichtprüfung ein Fehler, blockiert die Technik (TüFa) die Bedienung des Signals, wie es bei der DB Netz AG im Internet heißt.

Bei der BRB, die den Zugverkehr auf der Paartalbahn betreibt, kommt die Neuerung gut an. Die Regiobahn hatte bereits nach dem Zugunglück eine Verbesserung gefordert, damit ein solches Unglück nicht wieder geschieht. Christopher Raabe von der BRB-Pressestelle betont nun: „Wir begrüßen die Modernisierung, denn sie ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu noch mehr Sicherheit im Eisenbahnverkehr."

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar: Nach Aichacher Zugunglück: Ein modernes Stellwerk war bitter nötig

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