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Tag des offenen Denkmals

11.09.2018

Zweites Sisi-Schloss im Wittelsbacher Land?

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4 Bilder
Beim Tag des offenen Denkmals öffneten am Sonntag zahlreiche historische Stätten ihre Pforten für Besucher. Im Landkreis war unter anderem der Park von Schloss Rapperzell bei Schiltberg zu besichtigen, in welchem wohl auch schon die spätere Kaiserin Sisi als Kind gewandelt war.
Bild: Manfred Zeiselmair

Der Schiltberger Ortsteil Rapperzell mit seinem Schloss, der Kirche und einem Bodendenkmal, das von einer früheren Burg zeugt, steht im Mittelpunkt.

Zwei Steinböcke flankieren den Vorplatz des Schlosses Rapperzell (Gemeinde Schiltberg) – die Wappentiere der Familie von Beck-Peccoz. Zwischen ihnen stehend, eröffnete Landrat Klaus Metzger am Sonntag den Tag des offenen Denkmals im Wittelsbacher Land. Etwa 150 interessierte Besucher sind dazu in den Schiltberger Ortsteil gekommen.

Der 25. Tag des offenen Denkmals steht unter dem Motto „Entdecken was uns verbindet“. Einige Besucher sind bei herrlichem Ausflugswetter zu der laut Metzger „bestbesuchten kulturellen Veranstaltung der Bundesrepublik“ mit dem Fahrrad gekommen. Auch viele Rapperzeller waren dabei, unter anderem Jakob Tyroller mit Familie, der im Schlossweiher „das Schwimmen gelernt“ hat.

Nach einer kurzen Einführung des Hausherrn Federico von Beck-Peccoz, übernahm Kreisheimatpfleger Michael Schmidberger aus Schiltberg das Wort. Er ging in seiner, mit zahlreichen Bildern und Kupferstich-Abbildungen veranschaulichten Führung zunächst auf die Vor- und Frühgeschichte Rapperzells ein. Ein prähistorischer Siedlungsplatz müsse der frühe Vorläufer für eine Wasserburg und das Schloss gewesen sein, erzählt er. Dies sei aufgrund archäologischer Funde wie Hügelgräber und Eisenerz-Schlacke sowie der günstigen topographischen Lage in dem nach Süden offenen Talkessel mehr als wahrscheinlich.

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Eine außergewöhnliche Anlage sei der im Schlossgarten gelegene Burgstall (von Burgstelle), so Schmidberger. Dieses Bodendenkmal besteht aus einer kreisförmigen Insel (mit einem Durchmesser von etwa 20 Metern) in einem am Hang gelegenen Weiher als umlaufender Wassergraben. Schmidberger selbst hat im März 1990 festgestellt, dass die Insel wohl bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts einen gemauerten, bewohnbaren Turm getragen hatte, wie er berichtet. Der Orkan Wiebke habe damals eine mächtige Fichte umgerissen, dessen Wurzeln die historischen Backstein- und Ziegelfragmente freilegten. Die Wasser- oder Turmburg war Sitz wittelsbachischer Ministerialen, die in Urkunden erstmals 1283 mit Rüdiger von Ratpretscelle genannt wurden.

Das im 16. Jahrhundert erstmals erwähnte Schloss Rapperzell musste 1694 einem Neubau weichen. Dieses von den Freiherren von Widnmann als zweigeschossiger Satteldachbau mit geschwungenem Südgiebel erbaute neue Schloss ist bis heute nahezu originalgetreu erhalten geblieben.

Über die Freiherren von Leyden aus Affing war der Besitz, zusammen mit dem Bräuhaus Kühbach und den Rittergütern Rapperzell und Motzenhofen, im Jahr 1838 an Herzog Max in Bayern übergegangen. Der im Volksmund als „Zither-Maxl“ bekannte Vater der späteren Kaiserin Sisi und Schlossherr von Unterwittelsbach nutzte als Jagdpächter von Allenberg und Rapperzell das Schloss wohl als Erholungsstätte. Naheliegend sei, dass ihn auch Tochter Sisi dorthin begleitet hat, weshalb der Hinweis Schmidbergers auf „ein zweites Sisi-Schloss“ im Landkreis nicht ganz aus der Luft gegriffen schien.

Die Barone von Kühbach, die seit 1890 durch königliche Entschließung den Namen Freiherren von Beck-Peccoz tragen, sind seit 1862 bis heute Jagdpächter und Schlosseigentümer in Rapperzell. Nach einem Umbau im Jahre 1905 diente es bis 1954 als Schulhaus mit einem Klassenzimmer für 50 bis 60 Schüler. Die letzte Restaurierung war 1996/97. Aktuell wird das Schloss von der Familie Portenlänger mit ihren drei Kindern bewohnt.

Die Kapelle beim Schloss wurde um das Jahr 1810 abgerissen. Ein neuer Bildstock an der Hauptstraße erinnert noch daran. Aus dem Inneren ist eine lebensgroße Nepomuk-Statue aus dem Jahr 1735 erhalten, die nun den Altarraum der Kirche St. Markus ziert. Dorthin führte der zweite Teil der Veranstaltung, den Kreisheimatpfleger Hubert Raab aus Friedberg begleitete.

Der Standort der Kirche auf einem burgstallartigen Hügel lässt Hubert Raab vermuten, dass hier der Ursprung des Ortes wohl im 9. Jahrhundert zu suchen sei. Demnach bildete sich erst später ein zweiter Ortsteil um die damalige Wasserburg beim heutigen Schloss. Der spätgotische Kirchenbau aus der Zeit um 1500, der möglicherweise auf dem Fundament eines Vorgängerbaus errichtet worden war, wurde 1724 erweitert. Bemerkenswert ist laut Raab die figürliche Ausstattung der Kirche, von denen die meisten der spätgotischen Zeit Ende des 15. Jahrhunderts angehören.

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