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Bund Naturschutz

21.10.2017

Zwischen Niedergeschlagenheit und Hoffnung

Für Peter Mießl ist das Glas in Sachen erneuerbare Energien „nicht halb leer, eher halb voll“. Eduard Belotti im Hintergrund und Ernst Haile (rechts) sahen das nüchterner.
Bild: Martin Golling

Al Gores neuer Film „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ wird in Aichach engagiert diskutiert

Es gab zwei Reaktionen nach dem Film „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ im Aichacher Cineplex: Die einen waren niedergeschlagen von den Fakten, die anderen schöpften Hoffnung, dass sich nun die erneuerbaren Energien verstärkt durchsetzen werden. Gezeigt hat den Film die Kreisgruppe Aichach-Friedberg im Bund Naturschutz.

Wie eng und komplex der ehemalige Vize-Präsident der Vereinigten Staaten die Sache mit der Rettung der Menschheit vor dem Klimawandel sieht, wird vielleicht am deutlichsten in den Filmpassagen über die Klimakonferenz in Paris (Beginn: 30. November 2016), die ja mit einer sensationellen, Einigkeit demonstrierenden Erklärung zu Ende gegangen war. Was ist von der Aufbruchsstimmung im November 2016 geblieben? Trumps „Amerika first“ will zurück zur Kohle und aus dem Vertrag aussteigen. Und der einstige Musterschüler Deutschland hat seine Vorreiterrolle eingebüßt, erreicht nicht einmal mehr die Vorgaben des Pariser Abkommens.

Warum waren dennoch so viele Kinobesucher positiv gestimmt? Indien war bei der Pariser Konferenz lange der Hemmschuh, über den die gemeinsame Erklärung nicht hinwegkam. Es hatte zu dieser Zeit noch geplant, 400 neue Kohlekraftwerke zu errichten. Die sind vom Tisch, weil Al Gore kurzfristig günstige Kredite für Solarkraftwerke in Aussicht stellen konnte, und weil die Inder selbst erkannt hatten: Die Sonne schickt keine Rechnung, für ein Solarkraftwerk muss ich keine Kohlezeche anlegen, keine Züge voll- und entladen, keine Schlacke entsorgen und: Die Luft bleibt sauber. Und noch etwas: Als die Diplomaten in Paris um die Einigung rangen, setzten Rekordniederschläge ganze Landesteile Indiens unter Wasser, was den Premierminister veranlasste zu verkünden: „Hier sind für jeden die Folgen des Klimawandels sichtbar.“

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China wird aus denselben Gründen wie Indien etliche geplante Kraftwerke mit fossilen Energieträgern nicht verwirklichen. In Chile hat sich erst von 2014 auf 2015 der Zuwachs an Solarenergie verdreifacht, nun sieht es aktuell so aus, dass sich die Energie aus Sonne noch einmal binnen Jahresfrist ver-15-facht. Auf noch eines verweist Al Gore: Am 13. November 2016, zwei Wochen vor der Konferenz, war Paris Ziel eines koordinierten Terrorangriffs mit vielen Toten. „Viele Menschen sehen einen Zusammenhang zwischen Öl und kriegerischen Handlungen“, sagt Al Gore. Eine ergreifende Botschaft sendet er, wenn er auf das blaue Raumschiff Erde zeigt und eindringlich formuliert: „Das hier ist unsere Heimat.“

Ernst Haile, Vorsitzender Bund-Naturschutz-Kreisgruppe, war emotional berührt von dem Film. Eher pragmatisch breitete Fachmann Eduard Belotti aus, was in Deutschland seiner Meinung nach bezüglich der Erneuerbaren falsch läuft: Die letzte Regierung habe es geschafft, dass das EEG praktisch nicht mehr existiere. „Es liegt nun an uns, vor Ort den Klimaschutz voranzubringen.“ Laut Belotti kann es noch schlimmer kommen: Die Klimaleugner säßen nun im Bundestag, und die Bundesumweltbehörde sei faktisch in ihrer Hand.

Mut machte Peter Mießl, dem zweiten Energieexperten in der Runde, dass Strom aus Photovoltaik mittlerweile fast konkurrenzlos billig ist. Er verwies auf den republikanischen Bürgermeister von Georgetown in Texas aus Al Gores Film: Er will seine Stadt mit hundert Prozent erneuerbaren Energien versorgen – „weil das am kostengünstigsten ist“. Für Sepp Bichler steht fest: „Es war richtig, dass wir Deutschen die Energie aus der Photovoltaik-Technik wirtschaftlich interessant gemacht haben.“ Nun seien Strom aus PV für fünf Cent pro Kilowattstunde (kWh) und Strom aus Wind für vier Cent pro kWh zu haben. Belotti ergänzte: Zu diesen Preisen sei der Bau von Kraftwerken mit fossilen Energieträgern wirtschaftlich schon lange nicht mehr zu verantworten. „Dafür bekommen nicht einmal mehr die großen Energieversorger Deutschlands Kredite von den Banken.“ Belotti: „Die Erneuerbaren sind günstiger als fossile Energie, aber sie werden gerade entdemokratisiert.“ (mgw)

Der Film „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ wird im Cineplex Aichach erneut am Sonntag, 29. Oktober um 12.30 Uhr vorgeführt. Das Katholische Landvolk, Dekanat Aichach, zeigt am Mittwoch, 8. November, den Film „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen“. Beginn ist um 19.30 Uhr.

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