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Aichach: Als halb Aichach Karl Mosers Spielplatz war

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Als halb Aichach Karl Mosers Spielplatz war

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    Der Teil von Aichach um Zimmerei und Dampfsägewerk Karl Merk herum war Karl Mosers Spielplatz, als er ein Kind war.
    Der Teil von Aichach um Zimmerei und Dampfsägewerk Karl Merk herum war Karl Mosers Spielplatz, als er ein Kind war. Foto: Stadtarchiv Aichach

    Die meisten Menschen kennen Karl Moser als Unternehmer, Ingenieur, Politiker und Kulturliebhaber. Doch wer dem mittlerweile 81-Jährigen schon einmal begegnet ist, weiß, dass er außerdem ein unterhaltsamer Erzähler mit einem reichen Erinnerungsschatz ist. Erlebnisse aus seiner Kindheit teilt er jetzt in einem Buch über seine "Aichacher Lausbubenjahre". Es ist Mosers zweites Buch nach seinem 2020 veröffentlichten Roman "Holzland. Eine Utopie".

    Die "Lausbubenjahre" beginnen 1945, als Moser gerade mal dreieinhalb Jahre alt war, und reichen bis 1952, als die vierjährige Volksschulzeit für den Zehnjährigen endete. Es sind humorvolle Erinnerungen an eine glückliche Kindheit in einem behüteten, gutbürgerlichen Zuhause, und an eine Zeit, als halb Aichach Mosers Spielplatz war. Darüber hinaus erfahren die Leserinnen und Leser viel über das damalige Aichach und die Lebensumstände in dieser Zeit. 

    Hauptschauplätze in Aichach bezeichnet er als "Die Tatorte"

    Die Hauptschauplätze listet Moser gleich im Einband des Buches auf. Den Lausbubengeschichten entsprechend bezeichnet er sie augenzwinkernd als "Die Tatorte". Sie liegen in dem Umfeld, in dem Moser aufgewachsen ist: im Bereich um das Wohnhaus der Mosers und den Familienbetrieb herum, den Moser später zu einem weltweit agierenden, innovativen Holzbauunternehmen machte. Unter dem Namen Züblin Timber steht das Unternehmen heute noch für innovative Holzbauprojekte. 

    Damals lagen Zimmerei und Dampfsägewerk Karl Merk an der Münchener Straße, wo heute der Einkaufsmarkt E-Center steht, und das Wohnhaus der Familie gleich auf der anderen Seite der Theodor-Heuss-Straße, als sie noch Sonnenstraße hieß. 

    Karl Moser mit Schulranzen: In seinem Buch "Aichacher Lausbubenjahre" erinnert er sich an die Zeit von 1945 bis 1952.
    Karl Moser mit Schulranzen: In seinem Buch "Aichacher Lausbubenjahre" erinnert er sich an die Zeit von 1945 bis 1952. Foto: Repro Familie Moser

    Das Buch setzt mit den letzten Kriegstagen ein mit Fliegeralarmen und den Einmarsch der Amerikaner. Die richteten sich vorübergehend im Wohnhaus der Familie ein. Mit auffälligem Winken vom Betonpfosten des Hoftores aus sicherte der kleine Karl Moser sich die Versorgung mit Süßigkeiten von den GIs. Gar nicht so schlimm fand er selbst – im Gegensatz zu seinen Eltern – im Nachhinein eine Kollision mit einem Jeep, als er, ohne zu schauen, über die Augsburger Straße lief. Er wachte erst im Krankenhaus wieder auf, dem heutigen Stadtmuseum. 

    Unfälle hatte Moser immer wieder mal. Glücklicherweise gingen sie alle relativ glimpflich aus. Die Kollision beim Schlittenfahren an der Martinshöhe mit einem Baum ebenso wie der Sturz von einem Kieslaster, als im Betrieb etwas betoniert werden musste.

    Moser erzählt, wie viel interessanter als der Kindergarten der Weg dorthin war, den er – heute unvorstellbar – ohne erwachsene Begleitung bewältigte. Nicht jeden Tag kam er da auch tatsächlich im Kindergarten an, gab es doch andernorts viel mehr zu entdecken. Auch von daheim entwich er des Öfteren unerlaubt durchs Fenster, wenn draußen sein Freund, der Sporer Sepp, pfiff, was sich dann auf der Liste der Schandtaten wiederfand, die der Nikolaus bei seinem Besuch präsentierte. 

    Die Ecknach war der "Mississippi"

    Das Buch erzählt von Kinderjahren voller Abenteuer, wo die Ecknach der "Mississippi" war, und Verteidigungsanlagen gegen "Feinde" aus der Unteren Vorstadt gebaut wurden. In der eigens gebuddelten Fallgrube musste dann wenigstens ein Mädchen mit weißem Kleid landen … 

    Noch lieber als im Freibad badeten die Kinder in der Paar mit ihrem "Batz".
    Noch lieber als im Freibad badeten die Kinder in der Paar mit ihrem "Batz". Foto: Archiv Franz Achter

    Mosers Interesse an Maschinenbau machte sich früh bemerkbar, zum Beispiel, als er sich einen Antrieb für die Kaffeemühle ausdachte, der aber nie zum Einsatz kam. Funktioniert hat das kleine Dampfschiff mit Rückstoßantrieb aus einem ausgeblasenen Hühnerei. Seine Leidenschaft für Wasserfahrzeuge gab es also damals schon. Ein Floß, das für Fahrten auf der Ecknach gebaut werden sollte, wurde nie fertig. Ganz im Gegensatz zu den Modellschiffen, die Moser bis heute in der Werkstatt seines Wohnhauses baut

    Erinnerungen an Aichacher Geschäfte, die längst verschwunden sind

    Ältere werden sich mit Moser an vieles erinnern, was aus dem Aichacher Stadtbild verschwunden ist. Die Gastwirtschaft Gallus Keller an der Münchener Straße, in der es "Kracherl" mit Schokoladengeschmack und eine Kegelbahn im Biergarten gab. 

    Karl Moser mit Schwester Anneliese und Vater im Garten: An dem Zaun im Hintergrund blieb er beim eiligen Überklettern mit den Hosenträgern hängen.
    Karl Moser mit Schwester Anneliese und Vater im Garten: An dem Zaun im Hintergrund blieb er beim eiligen Überklettern mit den Hosenträgern hängen. Foto: Repro Familie Moser

    Das Geschäft von Tante Rosa Johler, bei der es nicht nur Zigaretten für den Vater, sondern auch Bonbons gab, das Elektrogeschäft Waltner, wo Moser die für seine Basteleien nötigen Batterien und Birnchen bekam, Eisenwaren Meisinger, wo es die heißersehnten Werkzeuge gab, das Feinkostgeschäft Werthmann oder das Textilgeschäft Geistbeck. Für Jüngere ist es eine Entdeckungsreise.

    Drei Bücher zu gewinnen

    Die zahlreichen Bilder stammen aus Familienbesitz, aus dem Stadtarchiv und aus der Sammlung von Franz Achter. 

    Die "Aichacher Lausbubenjahre" sind im Wißner-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich. Die Aichacher Nachrichten verlosen drei Exemplare. Wer eines gewinnen will, schickt bis spätestens Montag, 6. März, 12 Uhr, eine E-Mail an redaktion@aichacher-nachrichten.de mit dem Kennwort "Lausbub" sowie Ihrem Namen, Adresse und Telefonnummer. Bitte beachten Sie auch die Hinweise zum Datenschutz und die Informationspflichten nach Art. 13. DSGVO unter: augsburger-allgemeine.de/datenschutz oder unter Telefon 0821/777-2355. 

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