Aichach: Eindrücke im Erdbebengebiet sind für Helfer der Humanitas ein Schock
Aichach
Eindrücke im Erdbebengebiet sind für Helfer der Humanitas ein Schock
Rund 40 Ehrenamtliche helfen bei einer Spendenaktion der Humanitas Aichach. Bei einem Stehempfang im Landratsamt erzählen sie von der Fahrt ins Krisengebiet.
Die Erdbebenkatastrophe begann am 6. Februar. Seitdem gab es türkischen Angaben zufolge mehrere Tausend Nachbeben. Foto: Emrah Gurel, AP/dpa
Das Entsetzen, das die ehrenamtlichen Helfer der Humanitas Aichach bei ihrer Ankunft im Erdbebengebiet in der Türkei empfunden haben, können sie kaum in Worte fassen. Bei einem Stehempfang im Landratsamt erzählen sie von der Vorbereitung der Fahrt sowie ihren Erlebnissen und Eindrücken vor Ort. Die Hilfe soll fortgesetzt werden – auch im syrischen Grenzgebiet.
Humanitas-Vorsitzende: Es war eine riesige Hilfswelle
Humanitas-Vorsitzende Lissy Pfundmair-Bischoff war ebenfalls dort. Sie habe Betroffenheit und Fassungslosigkeit ebenso gespürt wie eine wilde Entschlossenheit, sofort zu helfen. „Blitzschnell war eine Bedarfsliste aufgestellt und ging in die sozialen Medien“, erzählt sie. Nachts sei es schon losgegangen. Menschen in und um Aichach brachten Spenden. „Es war eine riesige Hilfswelle.“ Am selben Tag hatte der Verein fünf Sprinter und einen 40-Tonner-Lastwagen zur Verfügung gestellt bekommen, um die Hilfsgüter in das Erdbebengebiet zu bringen.
Tolga Buldu (vorne) mit einem Teil der Humanitas-Helfer (Bekir Gögüs, Fatih Özcan, Feray Acikgöz, Abdullah, Hüseyin Dagdelen) und türkischen Soldaten bei der Ankunft in Mersin. Foto: Tolga Buldu
Rund 40 Helferinnen und Helfer sortierten im alten Aichacher Feuerwehrhaus bei Minustemperaturen und teilweise im Schichtbetrieb die eingegangenen Spenden und verpackten sie in Kartons. Von den Nachbarn sei Strom und Licht gekommen und ein Heizpilz sei aufgestellt gewesen, berichtet die Vorsitzende. Bereits am Donnerstag zeichnete sich ab, dass sämtliche Fahrzeuge voll sind. Am Freitag startete der Konvoi mit der insgesamt elfköpfigen Gruppe der Aichacher Hilfsorganisation. Als wichtiger Koordinator vor Ort fungierte der türkischstämmige Tolga Buldu.
Humanitas-Mitglied: "Den Geruch vom Tod haben wir noch in der Nase"
Danach habe man sich entschlossen, direkt ins Erdbebengebiet zu fahren, um in die entlegenen Dörfer Hilfe zu bringen, so Buldu. Zu den ersten Eindrücken über die Zerstörung sagt er: „Das war für uns sehr emotional und ein Schock.“ Wie tief der Schock gewesen sein muss, zeigt der nächste Satz, den er sagt: „Wir konnten einiges nicht filmen. Es war uns einfach nicht möglich.“ Es habe die Helfer alle sehr mitgenommen. „Den Geruch vom Tod haben wir immer noch in der Nase.“
Humanitas Aichach will auch Menschen in Syrien unterstützen
Er erzählt, dass sie von der Bürgermeisterin Begleitschutz zur Verfügung gestellt bekamen, weil es wegen der Plünderer gefährlich war, allein im Krisengebiet unterwegs zu sein. In Antakya fragten sie die Menschen vor Ort, was sie brauchen, und kauften es mit den Spendengeldern ein. Darunter auch einen Lastwagen voller Unterwäsche, den sie mit dem Begleitschutz gerade noch davor bewahren konnten, geplündert zu werden. Buldu betont: „Wir sind noch nicht fertig mit der Hilfe. Wir werden auf jeden Fall weitermachen. Kein Cent, der gespendet wird, wird nicht genutzt werden.“
Parallel zu dem Erdbebengebiet in der Türkei will die Humanitas auch die Menschen auf der syrischen Seite unterstützen. Sie hätten bereits Kontakte aufgebaut, erzählt Dritter Vorsitzender Paul Pfundmair. Momentan würden Zelte aufgebaut, in denen jeweils etwa sieben Menschen Platz hätten. „Die ersten 20 Zelte sind im Entstehen.“ Am Dienstag will sich die Humanitas erneut treffen, um weitere Schritte vorzubereiten.
Mit einem Stehempfang im Landratsamt würdigte Landrat Klaus Metzger den Einsatz der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer im Erdbebengebiet.Foto: Gerlinde Drexler
Landrat Klaus Metzger würdigt Einsatz der Erdbeben-Helfer
Um seine Anerkennung für die Helferinnen und Helfer zum Ausdruck zu bringen, lud Landrat Klaus Metzger sie zu einem Stehempfang ins Landratsamt ein. Für das Großartige, was die Helfer geleistet hätten, sei es schwierig, die richtigen Worte zu finden, sagte er. „Sie haben Mitmenschlichkeit in einem extremen Maß bewiesen.“ Es sei eine außergewöhnliche Aktion gewesen. „So etwas gab es bisher im Landkreis nicht.“ Der Landrat sicherte der Aichacher Hilfsorganisation finanzielle Unterstützung zu.
Info Wer helfen will, kann das mit einer Spende tun an: Humanitas Aichach e. V., Sparkasse Aichach, Iban: DE86 7205 1210 0000 0042 42, Verwendungszweck: Erdbebenhilfe Türkei/Syrien.