Aichach: Mehrdimensionale Kunst beeindruckt Publikum im San Depot
Aichach
Mehrdimensionale Kunst beeindruckt Publikum im San Depot
Der Kunstverein präsentiert seine Mitgliederausstellung, der Eintritt ist frei. 52 Künstler zeigen jeweils ein Werk. Eine Skulptur fällt besonders auf.
Werner Plöckl (rechts im Bild) eröffnete die Mitgliederausstellung 2024 im San Depot Aichach. Im Vordergrund zu sehen ist die Installation „Die Leiter“ von Misato Iwamura.Foto: Alice Lauria
Mit einem abgewandelten Zitat von John F. Kennedy eröffnete Werner Plöckl jüngst die diesjährige Mitgliederausstellung des Kunstvereins Aichach: „Frag nicht, was der Kunstverein für dich tun kann, frag, was du für den Kunstverein tun kannst.“ Die Mitgliederausstellung gastiert seit 2019 in den geräumigen Weiten des San Depot. Dieses Jahr zeigen 52 Künstler des Kunstvereins ebenso viele Werke, das sind zehn mehr als 2023, wie Plöckl freudig feststellt.
Der 75-jährige serbische Musiker und Künstler Jovan Jovanovic präsentiert ein farbenfrohes brodelndes Bild mit viel Power, inspiriert vom Augsburger Kulturlet, einem Raum für Begegnung und Kreativität auf der Augsburger Maximilianstraße. Foto: Alice Lauria
Bürgermeister Klaus Habermann betonte: „Kunst und Kultur haben enorme gesellschaftliche Bedeutung, sie bieten Reibungsflächen zur Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, sie sind Ausdruck menschlichen Daseins.“ Trotz der Weitläufigkeit des Geländes tummelten sich am Eröffnungstag zahlreiche Gäste und Kunstschaffende in den Hallen und verweilten vor den Exponaten. Die Mitgliederausstellung bietet einmal im Jahr die Möglichkeit des Austauschs und Treffens der Mitglieder untereinander. So unterschiedlich wie die Mitglieder, so individuell präsentieren sich ihre Werke. Viele gemalte, gezeichnete oder fotografierte Bilder hängen im San Depot, einige Skulpturen und eine Installation runden die Ausstellung ab, die früher traditionell im Sisi-Schloss beheimatet war.
Petra Annemarie Schleifenheimer stellt mit selbst bedruckten Kissenhüllen „Letzte Worte“ dar. Zitate vom Ende des Lebens prangen in pinker Farbe auf weißen Kissen, die mit zerschredderten Kontoauszügen gefüllt wurden.Foto: Alice Lauria
Die Installation von Misato Iwamura sticht dem Publikum besonders ins Auge, nicht nur wegen ihrer Größe. Ein filigranes Gespinst aus 3D-Filament, das auch 3D Drucker nutzen, um plastisch zu drucken. Der schwarze Kunststoff wurde für die Installation mit dem Titel „Die Leiter“ mithilfe eines Stifts erhitzt. So entstanden mehrere fein verwobene Einzelteile, welche Iwamura drei Tage lang vor Ort im San Depot Stück für Stück an Perlonfäden immer breiter werdend in die Höhe gehängt hat. Das Werk ist hauchdünn und massiv zugleich. Dem Betrachter zeigt sich ein Kontrast aus Zerbrechlichkeit und enormer Größe.
Iwamura kreiert die Skulptur für sich selbst
Misato Iwamura wurde in Kyoto geboren und studierte in Japan sechs Jahre Kunst. „Nach einer schweren persönlichen Zeit in meinem Leben, wollte ich meine Gedanken und meine Motivation auf eine höhere Ebene bringen, Stück für Stück, so nutzte ich eine Leiter“, schrieb die 33-jährige Künstlerin die Entstehung ihres Werks. „Künstlerisches Schaffen ist sehr emotional“, fügte sie an. Und obwohl sie im Zuge der Ausstellung des Kunstvereins viel positives Feedback zu der eindrucksvollen Installation bekommen hat, betonte sie: „Ich wollte zuallererst für mich selbst ein positives Zeichen setzen, ich habe die Arbeit für mich selbst gemacht.“
Impressionen der Mitgliederausstellung des Kunstvereins Aichach
Werke so vielfältig wie ihre Schöpfer, der Kunstverein Aichach zeigt im San Depot derzeit seine diesjährige Mitgliederausstellung. Dies sind die Kunstwerke.
Iwamura ist seit eineinhalb Jahren Mitglied im Aichacher Kunstverein und seit fünf Jahren in Deutschland. Erst lebte sie in Mering, nun in Augsburg. Die Füße, die die Basis der Skulptur darstellen, formte sie nach dem Modell ihrer eigenen Füße erst aus Ton und ummantelte sie dann mit 3D-Filament. Neben der Skulptur steht auf dem Fußboden des San Depot auch ein Gedicht mit dem 3D-Stift geschrieben, dessen Interpretation überlässt die Künstlerin aber ganz absichtlich dem einzelnen Betrachter, wie sie sage. Insgesamt war Iwamura rund 200 Stunden mit ihrer Kreation beschäftigt.
Inspiriert von Film aus dem Jahr 1945
Mit Drahtzeichnungen auf einer kräftig violett marmorierten Leinwand zeigt die Augsburgerin Ute Ilig „Les Enfants Du Paradies“: Pantomimen, Clowns und eine Figur, die an Charlie Chaplin erinnert. Illig zeigt damit „meine Welt, die ich der gegenwärtigen Welt entgegensetzen möchte“, wie sie erklärte und ergänzte: „eine freundliche, fantastische und verspielte Welt.“ Die Inspiration zu den Figuren nimmt Illig aus dem Film „Die Kinder des Olymp“ aus dem Jahr 1945.
Mit Drahtzeichnungen auf einer kräftig violett marmorierten Leinwand zeigt die Augsburgerin Ute Ilig „Les Enfants Du Paradies.“ Foto: Alice Lauria
Die Sielenbacher Künstlerin Maria Kolbinger steuert ein Acrylgemälde mit dem Titel „Trost“ bei, „Ich wollte die Situation darstellen, wenn man Trost braucht, dass jemand einem zur Seite steht und es wieder aufwärtsgeht und dass man zusammen aufsteht“, beschreibt Kolbinger ihr Bild aus dem Jahr 2022.
Bewerbungsfrist für den Kunstpreis endet bald
Der Vorsitzende des Kunstvereins Werner Plöckl freute sich über das breite Spektrum und die Vielfalt der ausgestellten Arbeiten und erinnerte die anwesenden Künstler an die Bewerbungsfrist für den diesjährigen Kunstpreis, die am 20. Juli endet.
Öffnungszeiten: Die Mitgliederausstellung im San Depot ist noch bis 11. August samstags und sonntags jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.
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