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Sonderausstellung untersucht Liebesheirat oder Kalkül bei Sisi und Franz Joseph

Aichach-Unterwittelsbach

Liebesheirat oder politisches Kalkül? Neue Sonderausstellung im Sisi-Schloss klärt auf

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    Die neue Sonderausstellung im Sisi-Schloss in Unterwittelsbach geht auch der Frage nach, ob es sich bei Elisabeth und Franz Joseph um eine Liebesheirat oder Politikkalkül gehandelt hat.
    Die neue Sonderausstellung im Sisi-Schloss in Unterwittelsbach geht auch der Frage nach, ob es sich bei Elisabeth und Franz Joseph um eine Liebesheirat oder Politikkalkül gehandelt hat. Foto: Gerlinde Drexler

    Basierte die Ehe von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph I. auf Liebe? Oder war es „nur die Schwärmerei eines 15-jährigen Mädchens?“ Diese Fragen stellte Brigitte Neumaier zum Start der neuen Sonderausstellung „Verliebt, verlobt, verheiratet – Eheglück im Hause Habsburg?“ im Sisi-Schloss in Unterwittelsbach (Stadt Aichach). Klaus Habermann eröffnete sie am Donnerstag zum letzten Mal in seiner Funktion als Bürgermeister und durfte gemeinsam mit der Kuratorin eine Hochzeitstorte anschneiden.

    Die eigene Macht nicht durch Krieg, sondern durch Heirat zu sichern – das war die Strategie der Habsburger. Dynastische Ehen waren politische Verträge, die Bündnisse schufen, Ansprüche festigten und Frieden sichern sollten. Besonders wirkungsvoll sei diese Politik durch die Verbindung von Ehe und Erbfolge gewesen. Neumaier stellte fest: „Geschichte entschied sich nicht nur auf den Schlachtfeldern, sondern auch am Traualtar.“

    Die Sonderausstellung widmet sich auch der Heiratspolitik der Habsburger

    Ein ganzer Ausstellungsraum befasst sich im zweiten Stock mit der Heiratspolitik der Habsburger. Ein anderer geht der Frage nach, ob es sich bei Elisabeth und Franz Joseph wohl um eine Liebesheirat oder politisches Kalkül gehandelt hat. Die neue Sonderausstellung dreht sich aber nicht nur um die Kaiserin. Sie wirft auch einen Blick weit zurück in die Historie. Denn Amors Pfeil traf die Menschen natürlich auch schon in der Antike. Damals seien Liebe und Ehe selten eine reine Privatsache gewesen, erzählte Neumaier. Abstammung, Besitz und soziale Ordnung hätten Verlobung und Hochzeit geregelt. Immer präsent: die Götterwelt, die mit Bronzestatuen von Venus oder Zeus anzutreffen ist.

    Die Heiratspolitik der Habsburger wird in diesem Ausstellungsraum thematisiert.
    Die Heiratspolitik der Habsburger wird in diesem Ausstellungsraum thematisiert. Foto: Gerlinde Drexler

    Viel zu sehen gibt es auch in dem Raum, der sich um Hochzeiten auf dem Land dreht. Rund 300 Figuren bevölkern eine Szene, die eine Bauernhochzeit zeigt. Interessant sind die verschiedenen Trachten, die die aus Lindenholz geschnitzten Figuren tragen. „Liebe über den Tod hinaus“ ist das Thema des letzten Raums, in dem unter anderem ein Porträt von Kaiserin Maria Theresia in Witwentracht präsentiert wird.

    Ein musikalischer Höhepunkt war der Auftritt von Heejeong Kim am Klavier und der Sopranistin Song Sooyeon bei der Eröffnung der neuen Sonderausstellung im Sisi-Schloss.
    Ein musikalischer Höhepunkt war der Auftritt von Heejeong Kim am Klavier und der Sopranistin Song Sooyeon bei der Eröffnung der neuen Sonderausstellung im Sisi-Schloss. Foto: Gerlinde Drexler

    Die Kuratorin berichtete, dass sie das Thema Heiraten und Heiratszwänge schon sehr lange für eine Sonderausstellung im Kopf hatte: „Mir schwebte ein besonderes Exponat vor, das ich dafür brauchte.“ 20 Jahre musste sie darauf warten. Nun kann sie es präsentieren: das Hochzeitskleid der Kaiserin. Das Kleid als solches gibt es nicht mehr. Teile davon seien Wallfahrtsorten gestiftet und zu liturgischen Gewändern umgearbeitet worden. Ein „herausragendes Beispiel dafür“ nennt die Kuratorin den Vespermantel der Basilika Maria Taferl, der in der Ausstellung zu sehen ist. Einen musikalischen Höhepunkt steuerten bei der Vernissage Heejeong Kim (Klavier) und Song Sooyeon (Sopran) bei.

    Bürgermeister Habermann blickt mit Wehmut auf 26 Sisi-Ausstellungen zurück

    Die Eröffnung der 27. Sonderausstellung war für Bürgermeister Klaus Habermann mit etwas Wehmut verbunden. Es sei die letzte Vernissage dieser Art, die er als Bürgermeister durchführen dürfe. Faszinierend fand er rückblickend, dass jede der Sonderausstellungen auf ihre Art einmalig war: „Und es gibt noch viele weitere spannende Themen, noch viele weitere Geschichten über die Kaiserin, die es zu erzählen gilt.“ Die Kastellanin habe noch „einige Pfeile im Köcher“, versprach Habermann. In den vergangenen 26 Jahren haben durchschnittlich rund 12.000 Besucher eine Sonderausstellung besucht. Genau 3048 Gäste fehlen noch, um die 300.000er-Grenze zu knacken.

    Bei seiner letzten Eröffnung einer Sonderausstellung im Sisi-Schloss schnitt Bürgermeister Klaus Habermann zusammen mit Kuratorin Brigitte Neumaier – passend zum Thema der Ausstellung – eine Hochzeitstorte an.
    Bei seiner letzten Eröffnung einer Sonderausstellung im Sisi-Schloss schnitt Bürgermeister Klaus Habermann zusammen mit Kuratorin Brigitte Neumaier – passend zum Thema der Ausstellung – eine Hochzeitstorte an. Foto: Gerlinde Drexler

    Bei der Eröffnung blickte der Bürgermeister auf 1999 zurück, als die Stadt das Schloss samt dem rund fünf Hektar großen Park kaufte: für umgerechnet rund 900.000 Euro. Er zollte dem damaligen Stadtrat großen Respekt, „der diese Transaktion damals mitgetragen hat“. Denn ein Nutzungskonzept für das Schloss gab es noch nicht. Das entstand erst nach und nach. Im Jahr 2000 fand die erste Sonderausstellung mit dem Titel „Zwei Schlösser der Kaiserin statt“. 26 Sonderausstellungen später sei das Sisi-Schloss ein absolutes Aushängeschild und Alleinstellungsmerkmal für die Stadt, zeigte sich Habermann sichtlich stolz. Sein Fazit: „Mut und Weitblick zahlen sich aus, gerade auch in der Kommunalpolitik. Das sei gleich mal als vorsichtiger Hinweis an die neue Stadtratsgeneration ins Stammbuch geschrieben.“

    Doch war es nun die große Liebe zwischen Kaiserin Elisabeth und Franz Joseph I., wie sie in den berühmten Sissi-Filmen mit Romy Schneider Generationen zum Schmachten gebracht hat? Brigitte Neumaier hat darauf kein Ja parat. Die Fachfrau in Sachen Sisi setzt hinter diese Frage ein großes Fragezeichen. Wenn es anfangs Liebe war, ist diese jedenfalls bald zerbrochen an Hofregeln, Erwartungen und Entfremdung.

    Öffnungszeiten: bis 25. Oktober, Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr sowie Samstag/Sonntag/Feiertag von 10 bis 18 Uhr.

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