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Dampflok bringt Nostalgie auf Strecke zwischen Aichach und Nördlingen

Aichach/Nördlingen

Mit der Dampflok in eine andere Zeit: Trotz Verspätung ein großes Abenteuer

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    Die 113 Jahre alte Dampflok war für die Sonderfahrt sogar festlich mit bayerischen Fähnchen geschmückt.
    Die 113 Jahre alte Dampflok war für die Sonderfahrt sogar festlich mit bayerischen Fähnchen geschmückt. Foto: Herbert Hanika

    Bitterkalt war es an diesem Samstagmorgen. Nur 4 Grad zeigte das Thermometer, dichte Wolken hingen über Aichach. Von Frühling keine Spur. Dabei hatten die Eisheiligen doch eigentlich am Tag davor ihren Abschied genommen. Doch das kümmerte die Eisenbahnfans am Bahnsteig wenig: Dicht gedrängt, mit Thermoskannen und Kameras bewaffnet, warteten sie auf 8.40 Uhr. Da sollte er kommen, der Sonderzug des Bayerischen Localbahn-Vereins Augsburg zum großen Dampflokfest ins Nördlinger Ries. Doch erst einmal kam nur eine Durchsage.

    Diese betagte Streckendiesellok, Baujahr 1962, hat den Sonderzug von Augsburg bis Donauwörth gezogen.
    Diese betagte Streckendiesellok, Baujahr 1962, hat den Sonderzug von Augsburg bis Donauwörth gezogen. Foto: Herbert Hanika

    Statt Pfiff und Dampf hieß es vorerst: „Aus betrieblichen Gründen verspätet“. Die betagte Streckendiesellok V 100 1365, Baujahr 1962, die den Zug ab Augsburg ziehen sollte, ließ auf sich warten. Die Spannung stieg – ebenso wie die Verspätungsminuten. Um 9 Uhr die nächste Ansage: Störung an der angemieteten Diesellok, rund 80 Minuten Verzögerung. Die gute Nachricht: Die Dampflok 70 083 steht in Donauwörth bereit. Als Trost notierten die Schaffner schon bei der Fahrkartenkontrolle den Getränkewunsch: ein Freigetränk für alle. Um 10.05 Uhr dann die finale Meldung: 120 Minuten Verspätung. Volle Rückerstattung für alle, die aussteigen wollen. Oder 50 Prozent, wenn man trotzdem mitfährt.

    Streckendiesellok V 100 1365 kommt mit zwei Stunden Verspätung in Aichach an

    Aussteigen? Keine Option. Als die Streckendiesellokomotive V 100 1365, Baujahr 1962 endlich mit tiefem Brummen in Aichach einrollte, gingen Kameras und Handys in die Höhe. Das Abenteuer konnte endlich beginnen. Sechs Waggons warteten auf die Gäste – jeder ein Stück Bahngeschichte. Im „Bn 448“, dem Klassiker der Neunziger, leuchteten die typischen Sitzbezüge in verwaschenem Blau und Orange. Dazwischen die ehrwürdigen BLV-Wagen: 1, 2, 200, 3 und 4. Mit knarzenden Holzbänken aus den späten 1920er Jahren. „Holzklasse“ nennen es die Älteren liebevoll, die Jüngeren kennen das nur aus Schwarz-Weiß-Filmen.

    Eine Zeitreise mit der Diesel- und der Dampflok: Von Aichach nach Nördlingen. Die schönsten Fotos

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    Bei einer Sonderfahrt können Eisenbahnfans mit einer Diesel- und einer Dampflok mitfahren. Hier die besten Eindrücke.

    Das Herzstück des Zuges: der Speisewagen. Hier dampfte der Kaffee, dufteten Wiener mit Brezen, und nebenbei wanderte das ein oder andere Lok-Souvenir über die Theke. Wer den Wagen wechseln wollte, erlebte Nostalgie pur: Über die offene Trittplattform zwischen den Puffern balancieren, während der Fahrtwind durch die Haare pfeift – ein Fahrgefühl wie im alten Kinoklassikern.

    In Donauwörth übernimmt die dampfende Königin mit pechschwarzer Rauchfahne

    Augsburg – Aichach – Schrobenhausen – Ingolstadt – Neuburg – Donauwörth: Hier rangierte die V 100 noch einmal um, dann kam der große Moment. Mit weißem Dampf und pechschwarzer Rauchfahne schob sich die Dampflok 70 083 an die Waggons heran. Baujahr 1913, 400 PS, Tempo gemütliche 50 km/h. Andächtiges Staunen am Bahnsteig, als der Kupplungsbolzen krachend einrastete.

    Mit Dampf geht es Richtung der Wagen zum Ankoppeln und dann wieder zur Rückfahrt.
    Mit Dampf geht es Richtung der Wagen zum Ankoppeln und dann wieder zur Rückfahrt. Foto: Herbert Hanika

    Jede Fahrt mit der 113 Jahre alten Dame ist heute kostbar. Echte Steinkohle gibt es in Deutschland nicht mehr. Der Verein ist auf Importe aus Polen angewiesen. Und auf Hauptstrecken heißt es oft: warten. Mehrmals musste der Sonderzug ins Nebengleis, um dem Taktverkehr Platz zu machen. Doch die Zeit verflog. Jung und Alt, Familien und Eisenbahnexperten – der Dampf verbindet. Sogar der Wettergott hatte ein Einsehen: Das Grau riss auf, weiß-blaue Fetzen schoben sich vor die Sonne. „Das liegt nur daran, weil wir Regenschirme eingepackt haben“, lachte ein Fahrgast.

    Im Nördlinger Lokmuseum gibt es viele alte Lokomotiven zu bewundern.
    Im Nördlinger Lokmuseum gibt es viele alte Lokomotiven zu bewundern. Foto: Herbert Hanika

    Gegen Mittag dann Gänsehaut in Nördlingen. Schaulustige säumten das Gleis, als die Dampflok 70 083 mit lang gezogenem Pfiff einfuhr. Der Lokführer zog den Seilzug im Führerstand ausgiebig. Wer das Ticket mit Eintritt zum 5. Nördlinger Eisenbahnfest gelöst hatte, tauchte ein ins Paradies: Fahrzeugschau rund um die historische Drehscheibe, Lokomotiven unter Dampf zum Anfassen, der Geruch von Öl, Kohle und Bratwurst im Lokschuppen.

    Holzklasse fahren war in den späten 1920er Jahren ganz normal.
    Holzklasse fahren war in den späten 1920er Jahren ganz normal. Foto: Herbert Hanika

    Der Höhepunkt: Als die Güterzuglokomotive 52 8168 auf die Drehscheibe rollte. Baujahr 1943, knapp 23 Meter lang, 140 Tonnen schwer. Ein schwarzer Koloss, der mit Zischen und Fauchen einmal im Kreis gedreht wurde. Da blieb selbst erfahrenen Bahnfans der Mund offen.

    Bei der Rückfahrt ist das Ruckeln des Dampfantriebs in den Wagenböden zu spüren

    Pünktlich um 16.45 Uhr hieß es Abschied nehmen. Bis Donauwörth gab noch einmal die 70 083 den Takt vor. Man spürte das vertraute, stampfende Ruckeln des Dampfantriebs in den alten Wagenböden. In Donauwörth übernahm wieder die V 100 für den Schlussspurt über Aichach nach Augsburg. Was als frostiger Morgen mit zwei Stunden Verspätung begann, endete als dampfender Festtag für die Seele: Denn manchmal braucht es eben eine alte Lok, ein bisschen Kohlequalm und viel Herzblut, um die Zeit für einen Tag anzuhalten – und Hunderte Augen zum Leuchten zu bringen.

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