Drei Bürgermeister und drei Landräte hat Anne Glas aus Dasing in drei Jahrzehnten Kommunalpolitik kommen und teilweise wieder gehen sehen. Heike Schubert aus Friedberg steht gerade am Anfang ihrer kommunalpolitischen Laufbahn. Aichachs dritte Bürgermeisterin Brigitte Neumaier ist seit 18 Jahren mittendrin in der Stadt- und Landkreispolitik und wurde erst kürzlich für weitere sechs Jahre gewählt. Auch Sissi Veit-Wiedemann aus Pöttmes hat nach ihren 30 Jahren in den Gremien des Landkreises noch lange nicht genug.
Noch immer sind die Geschlechterverhältnisse in den Sitzungssälen Aichach-Friedbergs nicht annähernd ausgewogen. Noch immer ist die Politik mehr Männer- als Frauensache. Nur 16 von 60 Sitzen im neuen Kreistag werden von Frauen besetzt. Im Dasinger Gemeinderat zeichnet sich für die kommenden sechs Jahre ein ähnliches Verhältnis ab: Ein Viertel Frauen kommt auf drei Viertel männliche Kollegen. In Pöttmes sind es nur zwei Frauen bei 20 Sitzen.
Sissi Veit-Wiedemann spricht vom Spagat, den Politikerinnen meistern müssen
Veit-Wiedemann (CSU), die selbst während ihrer politischen Laufbahn Mutter wurde, weiß genau: „Das Schwierigste für Frauen ist es, alles unter einen Hut zu bringen.“ Sie sieht aber auch eine Schuld im Wählerverhalten. Ihrer Erfahrung nach werden Kandidatinnen weniger gewählt, weil Wähler und Wählerinnen befürchten, dass der Spagat zwischen Familie und politischem Amt eben nicht klappt.
Wie gut Heike Schubert (SPD) den Spagat hinbekommt, wird sich erst noch zeigen. Die Mutter von zwei Kindern im Alter von fünf und neun Jahren unterrichtet an einer Mittelschule. Sie betont: „Mein Mann steht voll hinter mir, wir haben gemeinsam entschieden, dass wir das schaffen.“ Daneben setzt Schubert auch auf ein stabiles Netzwerk von befreundeten Müttern, die sich gegenseitig in der Kinderbetreuung unterstützen. Vorbereitend auf ihre neue Aufgabe steht sie in engem Kontakt mit Parteikolleginnen und -kollegen, die ihr gerne mit Ratschlägen zur Seite stehen würden.
Kommunalpolitikerin Anne Glas schätzt den Austausch mit einer Kollegin
Für Anne Glas war während ihrer politischen Karriere der Austausch und Zusammenhalt mit einer Kollegin wichtig: „Vor den Sitzungen haben wir uns immer gut abgesprochen und vorbereitet.“ Dennoch hatte Glas vorher manchmal Herzklopfen, besonders wenn hitzige Debatten zu erwarten waren. Gerade im Gemeinderat „war große Skepsis da“. Glas, die nie in einer Partei war, wurde vor 30 Jahren über die Liste der Grünen in den Dasinger Gemeinderat gewählt. Allein das „hat dazu geführt, dass man kritisch beäugt wurde“. Sie engagierte sich in der Jugendarbeit und für Umweltthemen. Belange, deren Relevanz heute niemand mehr infrage stelle, hatten Ende der 90-er Jahre kaum Priorität. „Es war wahnsinnig schwierig, diese Themen interessant zu machen“, erinnert sich Glas.
Doch insgesamt, betont Glas, habe sich ihr Einsatz oft gelohnt: „Vieles ist ja gelungen, auch wenn es lang gedauert hat.“ Dabei hat sie nicht nur politischen Gegenwind zu spüren bekommen, sondern ist auch auf persönlicher Ebene angegangen worden, weil sie eine Frau war. „Die hat so kleine Füße, die gehören doch an den Herd“, solche Sätze waren laut Glas keine Seltenheit. Auch ob ihr politisches Engagement der Arztpraxis ihres Mannes nicht schaden würde, wurde gefragt. Einmal fand Anne Glas sogar Schrauben in ihren Autoreifen.
Politikerinnen wissen: Frauen trauen sich weniger zu als Männer
Negative Erfahrungen und abfällige Bemerkungen, wie sie Anne Glas erlebt hat, kennt Brigitte Neumaier (SPD) nicht. „Ich habe bis jetzt keine Probleme gehabt, mit keinem Mann und mit keiner Partei“, sagt die Aichacherin und ergänzt: „Man darf nicht persönlich werden.“ Der Spagat zwischen Familie und politischem Amt sowie der Arbeit im Sisi-Schloss Unterwittelsbach klappte für Neumaier von Anfang an gut. Für die Betreuung ihrer Kinder konnte die dritte Bürgermeisterin auf familiäre Unterstützung zählen: „Ich war nie daheim.“ Schloss und politische Aufgaben haben für Neumaier einen hohen Stellenwert. Das weiß auch ihre Familie. „Mir gibt meine Stadt viel, dann kann ich auch viel zurückgeben“, sagt sie.
Einen Punkt erleben alle vier Politikerinnen in ähnlicher Weise: dass sich Frauen politische Ämter seltener zutrauen als Männer. „Obwohl sie es sich zutrauen dürften“, findet Sissi Veit-Wiedemann. Frauen seien generell viel selbstkritischer. Dazu passt auch die Erzählung von Anne Glas, dass sie das Gesagte aus Sitzungen in der Vergangenheit häufig im Nachgang reflektierte, bis zu dem Punkt, dass sie nicht einschlafen konnte. Trotzdem sagt Glas wenige Tage, bevor ihre politische Laufbahn endet, „es lohnt sich für einen selbst und man wächst daran“. Heike Schubert, die von ihren Kindern tatkräftige Unterstützung im Wahlkampf erhalten hatte, freut sich auf die neue Aufgabe und hofft in Zukunft auf eine Möglichkeit, auch mal per Video an Stadtratssitzungen teilnehmen zu können.
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