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Mit der Schließung der Post in Aichach endet eine 500 Jahre alte Geschichte

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Ende einer 500-jährigen Geschichte: Wie die Post Aichach veränderte

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    Das alte Amtsgebäude in der Steubstraße 6. Hier befand sich zwischen 1909 und 1934 die Post in Aichach.
    Das alte Amtsgebäude in der Steubstraße 6. Hier befand sich zwischen 1909 und 1934 die Post in Aichach. Foto: Repro: Wolfgang Brandner

    Wenn am Montagabend die Türen in der Augsburger Straße 9 schließen, endet für die Belegschaft der Aichacher Post nicht nur ihr letzter Arbeitstag. Zum Dienstag stellt die letzte Filiale in der Stadt ihren Betrieb ein. Still und heimlich klingt damit auch ein ganzes Zeitalter aus: Über Jahrhunderte hinweg prägte die Post den Ort wie kaum eine andere Institution.

    „Die Post in Aichach ist 500 Jahre alt“, sagt Wolfgang Brandner, Archivpfleger des Landkreises Aichach-Friedberg. Die Anfänge des Nachrichtenverkehrs in der Stadt gingen bereits auf das 16. Jahrhundert zurück. Mit einer heutigen Filiale hätten die frühen Poststellen in Aichach jedoch wenig zu tun gehabt. Sie seien eher eine Art Durchgangsstation gewesen, an der Pferde getränkt oder für den Weitertransport gewechselt werden konnten, so Brandner.

    Letzte Filiale schließt: Am Stadtplatz 21 befand sich die älteste Poststation in Aichach

    Auch das „Gasthaus zur alten Post“ erfüllte diesen Zweck. Es war das erste heute noch bekannte Postgebäude in Aichach, das sich bis in die 1960er Jahre am Stadtplatz 21 befand, ehe es in den 1960er Jahren abgerissen wurde. Heute befindet sich dort die Wittelsbacher Apotheke.

    Das große Tor zeigt es deutlich: Hier wurden nicht nur Boten, sondern auch Pferde untergebracht. Das „Gasthaus zur alten Post“ war über 200 Jahre lang Poststation in Aichach.
    Das große Tor zeigt es deutlich: Hier wurden nicht nur Boten, sondern auch Pferde untergebracht. Das „Gasthaus zur alten Post“ war über 200 Jahre lang Poststation in Aichach. Foto: Repro: Stefan Fendt

    Seit 1676 arbeitete hier ein Posthalter, der sich um die eingehenden Nachrichten kümmerte. Doch nicht jeder konnte damals einfach einen Brief aufgeben. Nachrichten zu verschicken, sei in der frühen Zeit eine Sache des Adels gewesen, erklärt Brandner. Aichach lag an der kaiserlichen Postroute von Augsburg über Regensburg nach Prag und war eine wichtige Raststation für Boten. Fast 250 Jahre lang behielt die Stadt diese Bedeutung – und profitierte davon: Die gute Anbindung an die damaligen Verkehrsrouten habe den Handel und das Handwerk gefördert, so Brandner. Heute noch ist dieser Einfluss im Ortszentrum sichtbar: So stammen die Straßennamen wie „Tandlmarkt“ und „Botengasse“ aus dieser Zeit.

    Eisenbahn und Post waren in Aichach eng miteinander verknüpft

    Mit der Gründung des Königreichs Bayern zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlebte das Postwesen einen starken Schub, sagt Brandner. Überall in Bayern entstanden neue Stellen. Der Staat trieb die Ausweitung des Nachrichtenwesens aktiv voran. Die Post war nun nicht mehr nur Beförderer, sondern auch Förderer von Infrastruktur und Modernisierung. In Aichach zeigte sich das besonders am Ausbau der Eisenbahn, der eng mit der Post verknüpft war. „Ab 1875 waren Post- und Eisenbahndienst zeitweise sogar miteinander vereinigt“, sagt Brandner. Jetzt konnten Briefe auch am Bahnhof aufgegeben werden.

    Ein Relikt aus der langen Posttradition: die Botengasse in Aichach.
    Ein Relikt aus der langen Posttradition: die Botengasse in Aichach. Foto: Gerlinde Drexler

    Generell habe die Post im Alltag der Menschen eine deutlich wichtigere Rolle gespielt als heute. „Für die meisten war sie das einzige Kommunikationsmittel“, sagt Brandner. Nur über sie habe man mit Freunden und Verwandten, die außerhalb der Region wohnten, Kontakt halten können. Deutlich wurde das während der beiden Weltkriege: Für die Soldaten an der Front seien Feldbriefe häufig die einzige Möglichkeit gewesen, ein Lebenszeichen an die Familie nach Hause zu senden, so Brandner. Bis weit in die Nachkriegszeit blieb die zentrale Rolle der Post bestehen, wie Zahlen aus Aichach zeigen. Noch 1985 wurden in der Kleinstadt rund 5,2 Millionen Briefsendungen jährlich aufgegeben.

    Schon in den 1970ern schlossen die ersten Postfilialen im Wittelsbacher Land

    Es wäre verkürzt, die Bedeutung der Post allein auf das Zustellen von Paketen und Briefen zu reduzieren. Sie sei ein umfassender Dienstleister gewesen, so Brandner. Zum ersten Mal zeigte sich das bei den Telegrammen, die Ende des 19. Jahrhunderts aufkamen und an den Poststellen versendet werden konnten. Auch auf das Postamt in Aichach habe man dafür extra einen eigenen Funkmast gebaut, so Brandner. Im 20. Jahrhundert wuchs das Angebot immer weiter. Wer etwa Geld ins Ausland transferieren wollte, konnte dafür eine Filiale aufsuchen. Auch staatliche Aufgaben wurden von der Post übernommen: „Bis in die 1970er Jahre hinein besaßen nur die wenigsten Bürger in Deutschland ein Girokonto. Die Renten wurden in bar am Postschalter ausgezahlt“, erklärt der Archivpfleger.

    Bis Ende vergangenen Jahres bot die Post diesen Service noch an. Inzwischen ist er abgeschafft – wie viele andere Dienstleistungen auch. Schon seit den 1970ern lasse sich ein Bedeutungsrückgang der Post beobachten, so Brandner. Damals wurden in den kleinen Ortschaften im Wittelsbacher Land viele Filialen geschlossen. Die Erklärung: „Die Leute waren nun deutlich mobiler. Viele besaßen ein Auto und konnten die Sendungen in größeren Ortschaften aufgeben“, sagt der Archivpfleger. Gleichzeitig sorgte die Verbreitung des Telefons dafür, dass immer weniger Briefe geschrieben wurden.

    Mit der Erfindung des Internets und der Digitalisierung habe sich diese Entwicklung beschleunigt, so Brandner. Er selbst findet es schade, dass die Post in Aichach jetzt schließt. Überrascht hat ihn die Entscheidung jedoch nicht: „Wer sich einmal mit Geschichte beschäftigt, weiß: Wandel ist das Normale.“

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