Musikfest Blumenthal: Hochkarätige Konzerte trotz Regen und Improvisation begeistert Publikum
Aichach-Blumenthal
Schloss Blumenthal: Auch im Dachboden macht die Musikwanderung Spaß
Das Musikfestival Blumenthal bietet Konzerte auf hohem Niveau für alle an. Sogar ein Hund sitzt im Publikum. Selbst das verregnete Wetter kann das Programm nicht stoppen.
Selbst in luftiger Höhe fand sich ein Platz für eine musikalische Einlage. Beim Musikfestival in Blumenthal wurde die Musikwanderung kurzerhand vom Schlossgarten in den Dachboden eines der Wirtschaftsgebäude verlegt.Foto: Inge von Wenczowski
In einen musikalischen Begegnungsort verwandelte sich Schloss Blumenthal am ersten Augustwochenende. Das Musikfestival lud bereits zum fünften Mal zu einem vielfältigen Programm ein, das trotz durchwachsenen Wetters zahlreiche Besucherinnen und Besucher anlockte. Die Idee dahinter: ein niedrigschwelliges Kulturangebot für alle, auf hohem Niveau, prinzipiell kostenlos, dafür auf Spendenbasis. Dass das so gelingen konnte, lag nicht zuletzt an den engagierten Musikerinnen und Musikern und am Publikum, das die Einladung mit Begeisterung annahm.
Organisiert wurde das Festival von einem Team unter der Leitung von Gertrud Deckers und Professor Georg Arzberger. Arzberger stammt ursprünglich aus Sielenbach und war nach Stationen in verschiedenen großen Konzerthäusern deutscher Städte, unter anderem in Berlin, zurück in die Region gezogen. Mitgebracht hat er nicht nur seine künstlerische Erfahrung, sondern auch ein weit gespanntes Netzwerk an Mitstreitern, die sich allesamt für Blumenthal begeistern ließen.
Musikfestival in Blumenthal: Viele der Musiker spielen in großen Orchestern
Alle Beteiligten kamen nicht für Geld oder Geltung. Viele von ihnen sind Mitglieder renommierter Orchester, spielen etwa an der Deutschen Oper Berlin, bei der Bayerischen Staatsoper oder in der Kammerakademie Potsdam. In Blumenthal standen sie auf der Bühne, weil sie an die Idee glauben – dass Musik verbindet, bewegt und allen offenstehen sollte. Bassist Thomas Bronkowski brachte es auf den Punkt: „Wenn man wegen der Sache kommt und nicht fürs Geld, ist vieles möglich.“ Da nehme man dann auch gerne in Kauf, dass der Weg zur Toilette etwas weiter sei oder man sich improvisiert umziehe.
Was alle Musikerinnen und Musiker zudem verband: eine persönliche Geschichte mit Professor Arzberger. Viele spielten bereits gemeinsam im Jugendorchester, trafen sich im Studium oder arbeiteten später in verschiedenen Orchestern zusammen. Diese gewachsene Verbundenheit war an vielen Stellen spürbar – vor allem in der Atmosphäre auf der Bühne.
Die Besucherinnen und Besucher ließen sich vom Wetter nicht abhalten. Presseagent Arnd Schindel lobte, wie gut die Gäste vorbereitet gewesen seien: mit Regenschutz, festem Schuhwerk und viel Offenheit. Programmpunkte, die ursprünglich im Freien geplant waren, wurden vorsorglich nach innen verlegt, etwa am Sonntagnachmittag, als sich zwar die Sonne zeigte, aber dunkle Wolken dennoch misstrauisch machten.
So wurde auch die Musikwanderung kurzerhand vom Schlossgarten in den Dachboden eines der Wirtschaftsgebäude verlegt, was sich als ebenso stimmungsvolle wie improvisationsfreudige Lösung erwies. Geplant war eigentlich ein musikalischer Spaziergang durch verschiedene Stationen im Freien. Stattdessen wanderte nun das Publikum von einem Spielort zum nächsten unter dem Dach – mit ebenso viel Begeisterung wie ursprünglich gedacht. Im Rahmen dieses Konzerts trat auch die Poetry-Slam-Künstlerin Meike Harms auf. In kurzen Wortbeiträgen, eingebettet zwischen Musikstücken, brachte sie vor allem Umweltthemen mit Witz und Tempo auf die Bühne. Besonders gut kam ihre humorvolle Liebeserklärung an das eigene Fahrrad an. Einen kleinen Texthänger überspielte sie charmant und souverän mit einem Spickzettel.
Mit Tempo und Humor unterhielt die Poetry-Slammerin Meike Harms die Gäste in Blumenthal. Sie nahm sich vor allem Umweltthemen vor.Foto: Inge von Wenczowski
Ein weiterer Höhepunkt war das Education-Konzert am Samstagnachmittag. Mitglieder des Festspielorchesters Camerata Vitilo, allesamt erfahrene Profis, hatten im Vorfeld junge Ensembles gecoacht und mit ihnen gemeinsam ein kurzweiliges, abwechslungsreiches Programm erarbeitet. Ziel war es, musikalische Nachwuchstalente zu fördern und ihnen die Möglichkeit zu geben, gemeinsam mit erfahrenen Künstlern aufzutreten. Das große Interesse zeigte sich auch beim Kinderkonzert, das bereits im Vorfeld ausgebucht war. Spontan wurde ein zweiter Termin am Samstag eingeschoben.
Viele Besucher beim Musikfest in Blumenthal: Alle Aktionen sind ausgebucht
Nicht alle Elemente konnten wie geplant umgesetzt werden. Das Smoothie-Fahrrad etwa, bei dem durch Muskelkraft frische Säfte gemixt werden, konnte wetterbedingt nur eingeschränkt genutzt werden. Das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Alle Veranstaltungen waren nahezu ausgebucht, und das Publikum zeigte sich durchweg interessiert.
Auch die besondere Kulisse trug zur Stimmung bei: Schloss Blumenthal mit seinen historischen Mauern und weiten Innenhöfen bot einen stimmigen Rahmen für ein Festival, das auf Nähe, Offenheit und Begegnung setzte. Sogar ein Hund saß während eines Konzerts brav im Publikum – ganz so, als würde er der Musik lauschen. Schließlich bot die Veranstaltung Kultur für alle, ohne Schwellenangst. Dass das funktioniert, zeigt sich auch an den stetig steigenden Besucherzahlen.
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