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Fußball-Interview

11.10.2019

„Das ist nicht normal“ - Pipinsrieds Muriz Salemovic spricht Klartext

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4 Bilder
Pipinsrieds neuer Trainer Muriz Salemovic im Interview.
Bild: Johann Eibl

Plus Der FCP-Trainer spricht vor dem Duell mit Ex-Klub Landsberg über das Pipinsrieder Erfolgsgeheimnis, das Verhältnis zu Fabian Hürzeler und seine Zukunft.

Seit Sommer gibt Muriz Salemovic als Spielertrainer zusammen mit Fabian Hürzeler beim FC Pipinsried die Kommandos. Der 31-Jährige schaffte in der Vorsaison mit dem TSV Landsberg den Aufstieg in die Bayernliga. Derzeit ist der gebürtige Montenegriner auf dem besten Weg mit dem FCP in die Regionalliga zurückzukehren. Nach 14 Spieltagen ist der Klub aus dem Dachauer Hinterland noch ungeschlagen und führt die Tabelle an. Vor dem Duell mit seinem Ex-Klub am Samstag, spricht der Landsberger im Interview mit den Aichacher Nachrichten über eine besondere Partie, die Zusammenarbeit mit Hürzeler und was hinter der Siegesserie steckt.

Herr Salemovic, wie fühlt es sich an, unbesiegbar zu sein?

Muriz Salemovic: (lacht) Wir haben jetzt elf Partien in Folge gewonnen. Das ist super, aber ehrlich gesagt, kriege ich davon persönlich nicht so viel mit. Ich konzentriere mich immer auf den nächsten Gegner und will das Optimum rausholen. Man gewinnt und gewinnt, aber es fühlt sich jetzt nicht so anders an. Wir haben letztes Jahr eine ähnliche Serie gehabt, deshalb ist es gar nicht so außergewöhnlich und spektakulär.

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Können Sie sich noch an die letzte Liganiederlage erinnern?

Salemovic: Das war in Kaufbeuren, ausgerechnet in meinem letzten Spiel für Landsberg. Ich schaue aber nach vorne, weshalb es bei uns nur um das Landsberg-Spiel geht. Ich weiß auch gar nicht, wie viele Punkte wir haben. Auf die Tabelle kann man am 25. Spieltag schauen.

Muriz Salemovic freut sich auf das Wiedersehen mit Arbeitskollege Andreas Fülla.
Bild: Julian Leitenstorfer Photographie

Salemovic im Interview: Das macht das Landsberg-Spiel so besonders

Sie sprechen die Partie in Landsberg an? Für Sie ein nicht alltägliches Spiel, oder?

Salemovic: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es ein ganz normales Spiel für mich ist. Ich wohne in Landsberg und arbeite dort. Ich habe viele Jahre beim TSV gespielt. Charly (Spieler Andreas Fülla Anm. Red.) ist mein Arbeitskollege. Ich kenne viele Jungs auch privat und habe viele Jahre unter Trainer Sven Kresin in Landsberg gespielt. Das wird sehr emotional, zumal ich weiß, dass viele Zuschauer kommen werden. In Landsberg redet seit einer Woche jeder über das Spiel gegen Pipinsried. Es gibt kaum ein anderes Thema.

Bei Fußballern werden in solchen Fällen oft Wetten abgeschlossen. Gibt es die bei Ihnen auch?

Salemovic: Bislang noch nicht. Es muss keiner den anderen zum Essen einladen oder so. Aber in der Arbeit werde ich oft auf das Spiel angesprochen. Ich soll es ja nicht wagen, mit Pipinsried zu gewinnen.

Sie könnten oder müssten also auch mit einem Unentschieden leben?

Salemovic: Prinzipiell kann ich mit allem leben, aber ich will in Landsberg natürlich gewinnen. Allerdings hat der TSV derzeit einen Lauf und ist neben uns das Team der Stunde. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich auch, dass Landsberg immer gegen die Topteams die beste Leistung zeigt. Wir sollten gewarnt sein und den Gegner nicht unterschätzen.

Das klingt nach einem spannenden Spiel, oder wollen Sie Ihren Arbeitskollegen nur falsche Hoffnungen machen?

Salemovic: Klar sind wir der Favorit, aber jede Mannschaft gibt gegen uns Vollgas. Wir sind uns unserer Stärke bewusst. Wir waren aber kurioserweise in den vergangenen Wochen nie komplett. Jetzt sind auch Stephan Thee und Benjamin Kauffmann wieder mit dabei. Der Kader ist also auch in der Breite gut aufgestellt. Es ist zuvor gar nicht aufgefallen, dass wichtige Spieler gefehlt haben – wir können alle ersetzen.

Im Interview spricht Pipinsrieds Spielertrainer Muriz Salemovic über das Erfolgsgeheimnis des FCP und welche Rolle die Partie bei seinem Ex-Klub TSV Landsberg am Samstag spielt.
Bild: Julian Leitenstorfer

Salemovic verrät im Interview das Erfolgsgeheimnis des FC Pipinsried

Und was ist das Erfolgsgeheimnis?

Salemovic: Die Trainingsarbeit und der Konkurrenzkampf. Jeder will spielen und eine starke Leistung bringen. Wir sind in allen Mannschaftsteilen top besetzt. Tatsächlich sind die Jungs aktuell teilweise noch unzufrieden mit ihren Leistungen. Dennoch hatte ich einen derartigen Lauf nicht erwartet.

Wieso nicht?

Salemovic: Fast alle Spieler sind neu, inklusive mir. Ich dachte, es dauert viel länger, bis sich alles eingespielt hat. Aber die Jungs haben sofort verstanden, was Fabi und ich von ihnen wollen und sind nach kleinen Anlaufschwierigkeiten durchgestartet. Ich muss den Hut vor der Mannschaft ziehen, wie sie mit dem Druck und der Situation umgegangen ist. Wir verlangen viel, aber bislang ziehen alle gut mit. Nach dem Donnerstagspiel haben wir den Jungs aber vier Tage frei gegeben, damit Sie auf die Wiesn können. Das haben einige auch ausgenutzt.

Nach der Niederlage im Pokal gegen Türkspor Augsburg gab es aber bereits erste kritische Stimmen. Wie haben sie darauf reagiert?

Salemovic: Gar nicht. Es gibt auch jetzt noch die Meckerer. Aber das ist ganz normal. Es wird alles sehr kritisch gesehen, auch innerhalb der Mannschaft. Manchmal denke ich, dass es fast zu kritisch gesehen wird, denn die Leistung ist phänomenal. Qualität hin oder her – das ist nicht normal.

Spätestens mit dem Titel sollten die Kritiker aber verschwunden sein...

Salemovic: ... bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Am Anfang der Saison hätten wir Platz eins nicht als Ziel ausgegeben. Aber wenn man schon einmal dort oben steht, will man den Platz auch bis zum Ende verteidigen.

An Selbstvertrauen dürfte es derzeit bestimmt nicht mangeln?

Salemovic: Im Gegenteil. Der ein oder andere Spieler hat nach meinem Geschmack sogar zu viel davon. Da müssen Fabi und ich die Jungs manchmal einbremsen. Selbst nach drei Niederlagen würden meine Spieler mit breiter Brust auflaufen.

So arbeiten Muriz Salemovic und Fabian Hürzeler in Pipinsried zusammen

Apropos Fabian Hürzeler, wie läuft die Zusammenarbeit im Trainerteam?

Salemovic: Die Zusammenarbeit ist super. Ich muss aber zugeben, dass Fabi 80 Prozent der Arbeit macht. Er ist sehr akribisch und wenn ich nach der Arbeit nach Pipinsried fahre, ist schon alles aufgebaut. Auch die Videoanalysen macht Fabi und das wirklich sehr professionell. Es gibt bei uns auch keinen Chef, wir arbeiten gleichberechtigt. Das gilt insbesondere für den sportlichen Bereich, die taktische Ausrichtung und natürlich die Aufstellung.

Wobei aktuell Hürzeler meist von draußen coacht und Sie auf dem Feld stehen...

Salemovic: ...Ich kann mich besser als in Landsberg auf mein Spiel konzentrieren. Genau das wollte ich. Ich fühle mich noch zu fit, um mich nur noch auf die Bank zu setzen.

Fußball Bayernliga: FC Pipinsried (gelbe Trikots) - TSV Dachau: vorne Muriz Salemovic
Bild: Reinhold Rummel

Könnten Sie sich vorstellen auch in der Regionalliga in dieser Konstellation zu arbeiten?

Salemovic: Das muss man abwarten. Ich habe bis Sommer Vertrag und ein Aufstieg in die Regionalliga ist eine andere Hausnummer. Da musst du öfter trainieren. Der Aufwand wäre viel größer. Ob ich das mit meiner Arbeit unter einen Hut bekomme, weiß ich gar nicht, zumal ich eine Stunde nach Pipinsried brauche. Das spielt derzeit keine Rolle, wir setzen uns im Winter zusammen.

In der Regionalliga könnte es ein Wiedersehen mit dem FC Memmingen geben. Sind Memmingen, Landsberg und Pipinsried vergleichbar?

Salemovic: In Memmingen war alles sehr professionell, während man sich in Landsberg als Trainer um sehr viele Dinge kümmern musste. In Pipinsried merkt man, dass man in einem Dorfverein arbeitet. Das ganze Dorf steht hinter dem Verein – das habe ich hier sofort gespürt. Sogar beim Training kommen ein paar Zuschauer. Allerdings machen es Roman Plesche und die anderen richtig gut. Wenn ich etwas brauche oder verändern will, bekomme ich sofort die nötige Unterstützung. Klar geht nicht alles, aber alle sind sehr bemüht.

Lesen Sie dazu auch den Artikel: Fußball: Beim Bayernliga-Spitzenspiel in Landsberg trifft Kresin auf Salemovic

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