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Handball-WM

19.01.2019

Das sagen Handballer zum zusätzlichen Feldspieler

Verwaiste Tore sieht man derzeit bei der Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark öfters. Der Torhüter wird zugunsten eines zusätzlichen Feldspielers runtergenommen. Wie ist die Situation beim TSV Aichach?
Bild: Karl Aumiller

Bei der WM steht das Tor oft leer. Was Bundesligacoach Hartmut Mayerhoffer denkt und welche Erfahrungen der TSV Aichach mit der taktischen Option gemacht hat.

Im Handball besteht eine Mannschaft aus sechs Spielern, die im Feld unterwegs sind, und einem weiteren zwischen den Pfosten. Das gehört gewissermaßen zum kleinen Einmaleins in dieser Sportart, die derzeit aufgrund der WM in Deutschland und in Dänemark eine besondere Medienpräsenz erfährt. Bei den Übertragungen im Fernsehen lässt sich unschwer erkennen, dass die 6:1-Formation längst nicht mehr in Stein gemeißelt ist. In Unterzahl den Torhüter auszutauschen gegen einen sechsten Feldspieler, ist zu einer taktischen Variante geworden, die immer öfter Anwendung findet.

Wer vorübergehend und seien es nur wenige Sekunden seinen Keeper aus dem Kasten auf die Bank beordert, der geht das Risiko ein, dass es bei einem Ballverlust sogleich im Tor „klingelt“, wie es Hartmut Mayerhoffer formuliert. Der Mann, der früher für den TSV Aichach und dann für den TSV Friedberg tätig war und sich damit einen großen Namen im Wittelsbacher Land machte, weiß von seinem Trainerjob in Bietigheim und nun beim Erstligisten in Göppingen her, dass es in den oberen Regionen dieses Sportes schon beinahe Standard ist, bei einer Strafzeit für einen Feldspieler dieses Manko durch den Verzicht auf den Torhüter auszugleichen. „Das ist sehr, sehr hilfreich, im 6:6 zu agieren“, sagt Mayerhoffer. Doch er gibt auch zu bedenken: „Man muss ballsichere Spieler haben.“ Nur in einem wirklich eingespielten Team macht diese Variante Sinn, wobei nicht nur das Top-Sextett genau wissen muss, wie es sich zu behalten hat, sondern auch die Handballer, die nur vorübergehend zum Einsatz kommen.

Bundesligacoach Hartmut Mayerhoffer ist skeptisch

Torhüter raus und siebter Feldspieler rein: Diese Maßnahme erlaubt das Regelwerk auch. Doch Mayerhoffer winkt schnell ab: „Ich bin kein Freund vom 7:6.“ Dazu würde er sich nur in speziellen Spielsituationen entschließen. Hier werde die Charakteristik des Spiels zu sehr verändert. Auf den siebten Mann im Feld zu setzen, das sei nur in Ausnahmefällen eine Option. Der Frischauf-Coach nennt hier die Rhein-Neckar-Löwen und speziell Andy Schmid, der es wie kaum ein Zweiter versteht, daraus Kapital zu schlagen. Auch bei der Weltmeisterschaft sieht man diese Variante immer öfters. Auch die deutsche Nationalmannschaft musste sich auf diese Variante einstellen.

In den unteren Spielklassen, etwa in der Bezirksoberliga, wo die Männer und Frauen des TSV Aichach angesiedelt sind, versucht man eher seltener, die Unterzahl durch einen weiteren Feldspieler auszugleichen. Schwabmünchen und Göggingen, so berichtet Aichachs Trainer Manfred Szierbeck, wenden diese Spielweise öfter an, Gundelfingen weniger häufig. Beim jüngsten Heimspiel gegen Göggingen griff Szierbeck zu diesem Mittel, weil sein Team mit einem Treffer im Rückstand lag und die Partie somit Spitz auf Knopf stand. Gefruchtet hat die Maßnahme nicht, die Gäste nahmen mit 18:17 beide Punkte mit.

Zusätzlicher Feldspieler: Das denkt Torhüter Stefan Walther

„Ich bin zweigeteilt“, meint Stefan Walther, seit Jahren im Aichacher Tor. Er will weder von „supergut“ reden noch von „superschlecht“. In bestimmten Situationen könne es Sinn machen, mit dem Verzicht auf den Torhüter zu reagieren, etwa bei einem knappen Rückstand: „Ob man mit einem oder mit zwei Toren verliert, ist egal.“ Skeptisch aber zeigt sich Walther, wenn es darum geht, einen siebten Feldspieler auf dem Parkett zu haben. Bei diesem Thema äußert er sich ähnlich wie Mayerhoffer, der eine Generation älter ist und den Handball aus professioneller Sicht beurteilt. Was sich Walther für künftige Wechselspiele wünscht: dass rechtzeitig ein Feldspieler den Platz freimacht, damit der Torsteher wieder seiner üblichen Aufgabe im Kasten nachgehen kann. Sonst riskiert man einen Wechselfehler und wird von den Schiedsrichtern mit einer Zeitstrafe geahndet.

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