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Sportporträt

21.05.2015

Der Professor mit Pfeil und Bogen

Hubert Birkmair in seinem Element: Der Feldbogenschütze kann bei seinem Sport abschalten und die Natur genießen.
Bild: Sebastian Richly

Hubert Birkmair ist seit fast 40 Jahren Feldbogenschütze. Seine Erfolge sind ihm nicht wichtig, die Ausbildung steht im Vordergrund. Beim BSC Friedberg ist er eine Institution.

Das Ziel fest im Blick, den Bogen auf Spannung und losgelassen: Der Pfeil von Hubert Birkmair fliegt mit rund 200 Kilometer pro Stunde in Richtung Scheibe. Der Feldbogenschütze betreibt den Sport seit fast 40 Jahren. Das Interesse war früh geweckt, bis zu den ersten Turnieren dauerte es aber noch.

Schon als kleiner Junge interessierte sich der Friedberger für Pfeil und Bogen. Aber nicht wegen der Geschichten von Robin Hood, sondern wegen der Technik. So bastelte er bereits in jungen Jahren an den Bögen. Mit dem Bogensport hat er sich damals noch nicht beschäftigt. Das kam erst später: Im Jahr 1977 beobachtete Birkmair beim Spazierengehen zufällig Sport-Bogenschützen. Er war fasziniert und legte los. Zunächst versuchte er sich beim Sportbogenschießen, wie es bei den Olympischen Spielen zu sehen ist, doch schnell wurde ihm das zu langweilig: „Man schießt nur gerade auf die immer gleich stehenden Scheiben mit bekannten Entfernungen. Da fehlt die Abwechslung“, sagt Birkmair.

Und die holt sich der 68-Jährige beim World Archery (WA) Feldbogenschießen. Diese Disziplin ist zwar nicht olympisch, dennoch gibt es Europa- und Weltmeisterschaften. Außerdem ist das WA Feldbogenschießen bei den World Games vertreten. Entfernungen, Zielscheiben, Schusswinkel und Licht, alles wechselt ständig. „Jede Scheibe ist anders und das macht den Reiz aus“, sagt er. Bergauf, bergab läuft Birkmair durch die Natur, über schmale Stufen auf engen Wegen, bis er an den nächsten Schusspunkt kommt: „Das ist richtiger Sport. Feldbogenschützen sind mehrere Stunden unterwegs.“

Unzählige Turniere in Deutschland, Österreich und Italien hat er geschossen. Mehrere vordere Platzierungen bei deutschen Meisterschaften kann er aufweisen. „Das ist nicht wichtig, es zählen andere Dinge“, sagt er. Entscheidend sei die Ausbildung: „Ich will meine Erfahrung weitergeben, das ist für mich Genugtuung.“ 1986 machte er seinen Trainerschein. Seitdem gibt er Schulungen und bildet noch heute beim BSC Friedberg aus. 2008 gründete er den Verein, der mittlerweile über 60 Mitglieder hat. Zuvor war Birkmair in Augsburg aktiv. Er ist aber nicht nur für die Ausbildung zuständig, sondern auch Sportleiter und Erster Schützenmeister. Außerdem kümmert er sich um die Weiterentwicklung und Planung der Anlage.

Da bleibt kaum mehr Zeit für das eigene Training. Zum alten Eisen gehört er aber noch lange nicht: „Mithalten kann ich schon noch. Den Sport kann man bis ins hohe Alter ausüben.“ Drei Pfeile müssen die Schützen bei den Wettkämpfen pro Scheibe abfeuern, immer aus einer anderen Entfernung. Je weiter der Pfeil in der Mitte ist, desto höher die Punktausbeute. Doch einfach zielen und loslassen funktioniert nicht: „Ich muss alles mit einberechnen. Die Entfernung, den Winkel und sogar den Wind. Da ist viel Erfahrung gefragt.“ Das gilt auch für das Equipment. Ein zerlegbarer Bogen, einen Holsterköcher, spezielle Pfeile, einen Unterarmschutz und ein Lederstück (Tab) zum Schutz der Finger gehören dazu. Das Zusammenspiel sei wichtig, denn nicht jeder kann mit jedem Bogen schießen und vor allem treffen: „Das muss genau abgestimmt sein. Ich brauche etwa aufgrund meiner Armlänge ganz bestimmte Maße und Pfeile.“

Das erfordert auch Gefühl vom Coach: „Als Trainer brauche ich viel Erfahrung, um die jungen Schützen während der Wachstumsphasen optimal umzustellen.“ Kentnisse über das Material seien ebenso unverzichtbar: „Sein Equipment muss man kennen und sich damit auseinandersetzen“, weiß Birkmair. Deshalb gehören bei ihm auch die Bogenphysik, Materialkunde und die technischen Aspekte zur Ausbildung: „Das ist grundlegend. Man muss den Willen mitbringen, das Gerät komplett beherrschen zu wollen.“

Laut Birkmair gehöre aber noch weit mehr dazu. „Eine richtige Haltung und Konzentrationsfähigkeit sind erforderlich. Aber vor allem auch Geduld ist wichtig. Mit purer Gewalt geht es nicht, da steckt sehr viel Körperbeherrschung, geistige Ausgeglichenheit, Technik und Übung dahinter.“ Genau das reizt den früheren Turner und Leichtathleten: „Die Kombination aus geistigen und körperlichen Fähigkeiten, das macht den Sport aus.“ Für Birkmair ist es aber auch ein Ausgleich: „Ich kann einfach abschalten und die Spannung abbauen.“ Nebenbei genieße er die Natur, die ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Egal ob bei 30 Grad im Schatten oder im Schnee, er schießt das ganze Jahr über.

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