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Sportporträt

15.01.2020

Die Handballerinnen hören auf Martin Fischer

Martin Fischer (Mitte) gibt die Kommandos als Trainer bei den Handballerinnen des TSV Aichach. Der 55-Jährige erklärt, wie er über den Sport in die Paarstadt gekommen ist und warum er bislang noch kein Männerteam gecoacht hat.
Bild: Melanie Nießl

Plus Der Diplomingenieur aus Baden-Württemberg findet in Aichach sein Glück als Textilkaufmann und Handballtrainer. Was dem 55-Jährigen wichtig ist.

Dem Sport wird bisweilen die Fähigkeit nachgesagt, er würde ganze Völker verbinden. Einzelne Menschen zusammenführen, das kann er auf jeden Fall. Das sieht man beispielsweise am Aichacher Ehepaar Sandra und Martin Fischer, der aus Köngen stammt, neun Kilometer entfernt von Esslingen. Seit 1995 sind sie verheiratet, kennengelernt haben sie sich über den Sport. Genauer gesagt über den Handball. Und in dieser Sportart mischt der 55-Jährige nach wie vor mit – als Trainer der Frauenmannschaft im TSV Aichach. Diese Tätigkeit übt er bereits zum zweiten Mal aus, Männer hatte er noch nie unter seinen Fittichen: „Es hat sich nicht ergeben.“

Schon bald zehn Jahre hat der Wahl-Aichacher dieses Amt nun inne, dieser lange Zeitraum lässt darauf schließen, dass die Spielerinnen es zu schätzen wissen, wie er mit ihnen umgeht. „Ich bin ein Teamplayer“, beschreibt er seinen Stil. Oft genug spricht Fischer nach einer Partie von einer „geschlossenen Mannschaftsleistung“. Damit will er auch den Damen, die möglicherweise soeben über einen Platz auf der Bank nicht hinausgekommen sind, ihren Stellenwert verdeutlichen. Wichtig ist ihm zudem nicht nur die Erste Mannschaft, die in der Bezirksoberliga derzeit die Tabelle anführt, sondern auch die zweite Garnitur. Das Gleiche gilt für die zwei Männer, die ihn bei seiner sportlichen Arbeit seit Jahren unterstützen: Thomas Wonnenberg und Richard Hangl: „Wir sind auf einer ähnlichen Welle unterwegs. Wir ziehen immer an einem Strang.“

Fußball statt Handball

Schwierig war die Situation nur vor einiger Zeit, als die Mannschaft einige Wochen lang in der Landesliga Lehrgeld zu zahlen hatte. In der Rückrunde aber war von diesen Problemen kaum mehr etwas zu sehen. Es wäre nun alles andere als eine Überraschung, würde der Trainer der Handballdamen in Aichach auch in der nächsten Runde Martin Fischer heißen. Die beiden Söhne des Handballtrainers haben sich eher dem Fußball verschrieben.

Die Handballerinnen hören auf Martin Fischer

Maschinenbau hat er früher studiert, dann als Diplomingenieur in Diensten eines Automobilkonzerns in Stuttgart gearbeitet. Das änderte sich, als er im Herbst 2000 am Tandlmarkt in Aichach Sandra Womenswear zusammen mit seiner Gattin eröffnete – ein Laden, in dem sich Damen mit Textilien eindecken können, die der mittleren und höherwertigen Kategorie angehören.

Er weiß, was die Frau trägt

Seit mehreren Jahren sponsort das Haus die Handballerinnen. Seit knapp zwei Jahrzehnten ist Martin Fischer vornehmlich als Kaufmann im Einsatz, der viele Aufgaben zu erledigen hat: Personal, Steuern, Anzeigen. „Sehr vielfältig, das macht es interessant“, versichert er. Nicht selten hat er in München zu tun, um die Waren zu ordern, die die Frau im kommenden Herbst und Winter trägt. Den Handball betrachtet er daneben als willkommene Abwechslung: „Sport hat immer zu meinem Leben gehört.“ Nicht nur als Handballer, wo er in der Mitte des Rückraums als Spielmacher agierte. Jahrelang zog er im Landesliga-Team des TSV Köngen die Fäden: „Ich glaube, ich war sogar mal Torschützenkönig.“ Dann schickt er aber gleich den Zusatz hinterher, dass er damals viele Siebenmeter ausführen durfte. Mit dem Verwerten eines solchen Strafwurfes im letzten Moment rettete er seinem Team gar den Erhalt der Liga. Diese Szene hat Martin Fischer auch nach all den Jahren noch klar vor Augen: „Einmal wurden wir württembergischer Vizepokalsieger, das war unser größter Erfolg.“ Und weil im Handball die Saison um Ostern rum endet, war nachher noch genügend Zeit, um sich auch im Tennis zu versuchen.

Warum Handball zu Frauen passt

Verletzungen gehören irgendwie zum Lebenslauf eines Sportlers. Eine Achillessehne riss eines Tages und in einem Hobbyturnier brach mal ein Handgelenk. Wer weniger geübt ist, greift eben gerne mal möglicherweise auch ohne böse Absicht zu härteren Mitteln. Warum sollen sich Mädchen und Frauen dem Handballsport zuwenden? Martin Fischer, der sich seit gut zehn Jahren auch in der Aga, der Aktionsgemeinschaft von Einzelhändlern in Aichach, engagiert, sieht die Sportart besonders für das weibliche Geschlecht geeignet. Schnelligkeit, Athletik, Ausdauer, Feinmotorik – das sind einige Bereiche, die im Handball gefordert und darum auch in Spielklassen wie der Bezirksoberliga gefördert werden.

Drei Fragen an Martin Fischer

Wen würden sie gerne einmal kennenlernen?

„Ich würde mich gerne mal mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen. Auf welchen Feldern sie weltweit unterwegs ist, welchen Persönlichkeiten sie die Hand schüttelt, das finde ich schon interessant. Im Sport hätte ich gerne Talant Dujshebaev getroffen, der hat im Handball alles erreicht. Der war Spielmacher und Torjäger. Eine Persönlichkeit auf dem Platz und hinterher auch als Trainer.“

Mit welcher Sportart können Sie gar nichts anfangen?

„Was mir nicht so gut gefällt: Kampfsportarten. Ringen geht noch, aber Kickboxen, das ist nicht meine Welt. Mir gefällt es nicht, wenn man sich vorsätzlich bekriegt.“

Womit kann man Sie so richtig auf die Palme bringen?

„Mit zunehmendem Alter werde ich gelassener. Mich bringt selten was aus der Ruhe. Vielleicht wenn man das Gefühl hat, dass man ungerecht behandelt wird, etwa von Schiedsrichtern. Aber es wird besser.“


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